Zum 76. Jahrestag der Selbstbefreiung des KZ Buchenwald 

Es war der 11. April 1945 als im Konzentrationslager (KZ) Buchenwald bei Weimar der faschistische Schrecken sein Ende fand. Es war der Tag, als sich die Häftlinge, unter Führung ihres Internationalen Lagerkomitees (ILK), selbst befreiten. Wichtige Punkte des Lagers wurden besetzt, 125 SS-Leute gefangengenommen und die Verteidigung organisiert. Die bewaffneten Häftlinge kontrollierten das befreite Lager bis zum Eintreffen der US-amerikanischen Truppen und hatten mit ihrer Aktion das Leben von 21.000 Menschen gerettet. 

So lange von allen Häftlingen ersehnt, so strikt und gründlich war dieser Tag von den bewusstesten unter ihnen vorbereitet worden. Denn von Beginn an formierte sich im Lager ein Häftlingswiderstand, angetrieben von Kämpfern aus der Arbeiterbewegung. Besonders hervorzuheben ist die führende Rolle der kommunistischen Gefangenen im Lager – u. a. Walter Bartel, Theodor Neubauer oder Albert Kuntz. Sie wurden unterstützt von Widerstandsgruppen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), die außerhalb des KZ illegale Strukturen aufbauten. Zusammen mit dem ILK übernahmen sie die zentrale Führung des antifaschistischen Kampfes. Von der Sabotage der Kriegsindustrie, über den Kampf für bessere Bedingungen für die Häftlinge, bis hin zur organisatorischen und militärischen Vorbereitung der Selbstbefreiung entwickelte der Lagerwiderstand eine heroische, aufopferungsvolle Tätigkeit. 

Fast acht Jahre lang war Buchenwald das größte Konzentrationslager auf deutschem Boden, Ort der Zwangsarbeit und Todesqual für etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas – das Grab für 56.000 von ihnen. 1937 angelegt vor allem für politische Gegner des deutschen Faschismus, insbesondere aus der revolutionären Arbeiterbewegung, wurde Buchenwald zu einem hoch entwickelten Komplex, um Menschen einzusperren, zu erniedrigen, zu foltern und durch Zwangsarbeit in den Tod zu treiben. Neben dem Steinbruch gab es hier große Produktionsstätten, die besonders der Herstellung von Waffen für den imperialistischen Krieg und natürlich den Profiten der deutschen Monopole dienten. Hinzu kamen 139 Außenstellen, wo ebenfalls tausende Häftlinge zur Schwerstarbeit gezwungen wurden. 

Das Erbe Buchenwalds 

Der historische Fakt der Selbstbefreiung und des illegalen Lagerwiderstandes zeigt: Buchenwald steht wie kaum ein anderer Ort für den antifaschistischen Widerstand unter Führung der KPD. Auch die Ermordung Ernst Thälmanns in Buchenwald gehört dazu. Thälmann, selbst aus dem Proletariat stammend und bis zu seiner Verhaftung Vorsitzender der KPD, galt wie kein Anderer als kommunistische Persönlichkeit und Führer der deutschen Arbeiterklasse. Das erklärt, wie die deutschen Faschisten mittels seiner Ermordung im Sommer 1944 den antifaschistischen Widerstand in Deutschland und Europa zu demoralisieren und zu brechen versuchten. Es gelang ihnen nicht, stattdessen waren sie es, die schon ein paar Monate später ihre bedingungslose Kapitulation unterschrieben. 

Buchenwald ist Teil unserer Geschichte und bis heute wichtiger Bezugspunkt für den antifaschistischen Kampf. Aber auch über die kommunistische Bewegung hinaus ist die besondere Geschichte des Lagers, vor allem in Ostdeutschland, nicht vergessen. So brachte beispielsweise die 2015 erschienene Neuverfilmung des DDR-Romans „Nackt unter Wölfen“ dies noch einmal zum Ausdruck. 

Antikommunismus auf dem Vormarsch 

Hatten Buchenwald und seine Bedeutung in der Gedenkpolitik der DDR noch einen wichtigen Platz (z. B. war der Besuch der Gedenkstätte fester Bestandteil des Lehrplans), erleben wir an ihrer Stelle heute eine Geschichtsverdrehung, die ihresgleichen sucht. Bürgerliche Historiker, Politiker von CDU bis Linkspartei, Antideutsche und andere vermeintliche Linke, aber auch die Leitung der Gedenkstätte Buchenwald versuchen seit Jahren, das Gedenken an die Ereignisse im KZ in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Das heißt konkret: Delegitimierung des Lagerwiderstandes und der aktiven Kommunisten bis hin zur Unterstellung, diese hätten mit der SS kollaboriert. Die Selbstbefreiung wird geleugnet, als hätte es sie einfach nicht gegeben und sei ein Erzeugnis der ‚DDR-Propaganda‘. So werden gleichzeitig der antifaschistische Widerstand und die DDR verunglimpft. Dabei war die DDR die historische Lehre der Sozialdemokraten und Kommunisten aus dem Faschismus. Ihr Bezug auf den antifaschistischen Kampf war dabei mehr als ein Lippenbekenntnis. Er war eine wesentliche Grundlage für den Aufbau des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden. 

Dieser Umgang mit der Geschichte Buchenwalds überrascht jedoch nicht, erleben wir doch eine Entpolitisierung des antifaschistischen Widerstandes generell. Die bürgerliche Geschichtsschreibung, die sich durchaus auch linke Akteure zu eigen machen, betrachtet „die Demokratie“ und „den Faschismus“ als den entscheidenden Gegensatz. In dieses Bild wird der Widerstand zwischen 1933 und 1945 einbezogen. Irreführend ist dieses Bild aber deshalb, weil es von den wahren Wurzeln und Verantwortlichen des Faschismus ablenkt. Der antifaschistische Widerstand wird degradiert zum Einsatz für „die Demokratie“. Er wird nicht mehr als Teil des Klassenkampfes verstanden, wie die KPD und folglich der Großteil des Widerstandes in Deutschland, begriffen. Das Andenken an den Widerstand im deutschen Faschismus wird so, wenn nicht verschwiegen, zumindest neutralisiert. 

Heute ist gerade dieses Andenken aber wichtiger denn je. Faschistische Schmierereien, Beschädigungen bis hin zu Sprengstoffpaketen gehören zur jährlichen Normalität in Buchenwald und seinen Außenlagern. Rechter Terror hat in diesem Land nicht erst seit den Anschlägen von Halle und Hanau wieder eine neue Qualität angenommen. Rechte Netzwerke in Polizei und Armee sprießen wie Pilze aus dem Boden. Faschistische Positionen, gepaart mit irrationalen Verschwörungsmythen verbreiten sich auch in der Corona-Pandemie zunehmend.

Denn die Pandemie verschärft alle bereits bestehenden Probleme und Nöte der Arbeiterklasse im Kapitalismus: die schlechte gesundheitliche Versorgung, Lohnkürzungen bei steigenden Gewinnen, Kurzarbeit in nie gekanntem Ausmaß, Verschärfung der Bildungsungerechtigkeit und aller anderen Lasten eines unfairen, halben Lockdowns, der einen Bogen um die Unternehmen macht. Diese werden durch Konjunkturpakete abgesichert, deren Bezahlung die Werktätigen noch ärmer machen wird. Gleichzeitig werden die Menschen an das zehntausendfache Sterben auf nationaler Ebene gewöhnt und verroht.  

Antifaschismus heißt Kampf für den Sozialismus

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Faschismus eine Form bürgerlicher Herrschaft ist, also eine Möglichkeit für die Kapitalisten, ihre Interessen durchzusetzen und ihre Macht zu erhalten. Nichts fürchten sie mehr, als eine starke revolutionäre Arbeiterbewegung, die ihre Macht ins Wanken bringt. Dementsprechend ist klar, dass die deutschen Kapitalisten und ihr Staat – die BRD – alles tun, um die Tradition der deutschen Arbeiterbewegung und der KPD in Vergessenheit geraten zu lassen oder, wo das nicht klappt, zu zerschlagen. Dass sie alles tun, um die Erinnerung an den Kampf klassenbewusster Arbeiter gegen das Kapital und seine faschistischen Marionetten für ihre Ordnung unschädlich zu machen. Ihre Geschichtsverdrehung gilt dem konsequenten antifaschistischen Kampf der Häftlinge in Buchenwald und natürlich auch der DDR, als erstem sozialistischen Staat auf deutschem Boden, wo die Arbeiterklasse ihre Herrschaft errichtete und dem Faschismus den Nährboden entzog. 

Indem wir den Widerstand und die Selbstbefreiung der Häftlinge von Buchenwald als Teil unserer Geschichte anerkennen und gegen jegliche revisionistischen, antikommunistischen, bürgerlichen Angriffe verteidigen, begreifen wir auch den 76. Jahrestag der Selbstbefreiung nicht nur als traditionelles Gedenken, sondern als politische Verpflichtung für unseren Kampf heute. 

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Das schworen einst die befreiten Häftlinge Buchenwalds. Ihr Schwur bleibt Mahnung und Auftrag zugleich: Im Wissen, dass die Macht des Kapitals die Wurzel des Faschismus ist, muss Antifaschismus heute die Organisierung der Arbeiterklasse gegen die bürgerliche Herrschaft, für den Sozialismus bedeuten. 

Im Gedenken der 56.000 in Buchenwald Ermordeten, im Gedenken des Lagerwiderstandes und der Selbstbefreiung, im Gedenken Ernst Thälmanns – für die sozialistische Revolution!