„Kameraden, wir sind frei!“

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Zum 74. Jahrestag der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers
Buchenwald

Es war der 11. April 1945 als im Konzentrationslager Buchenwald
bei Weimar der faschistische Schrecken sein Ende fand. Es war der
Tag, als sich die Häftlinge, unter Führung ihres Internationalen
Lagerkomitees (ILK), selbst befreiten. Wichtige Punkte des Lagers
wurden besetzt, 125 SS-Leute gefangengenommen und die Verteidigung
organisiert. Die bewaffneten Häftlinge kontrollierten das befreite
Lager bis zum Eintreffen der US-amerikanischen Truppen und hatten mit
ihrer Aktion das Leben von 21000 Menschen gerettet.

So lange von allen Häftlingen ersehnt, so strikt und gründlich
war dieser Tag von den bewusstesten von ihnen vorbereitet worden.
Denn von Beginn an formierte sich im Lager ein Häftlingswiderstand,
angetrieben von Kämpfern aus der Arbeiterbewegung. Besonders
hervorzuheben ist hierbei die führende Rolle der kommunistischen
Gefangenen im Lager — Walter Bartel, Theodor Neubauer oder Albert
Kuntz waren unter ihnen. Auch unterstützt von Widerstandsgruppen der
KPD außerhalb des KZ bauten sie illegale Strukturen auf, die mit dem
ILK eine zentrale Führung hatten. Von der Sabotage der
Kriegsindustrie, über den Kampf für bessere Bedingungen für die
Häftlinge, bis hin zur organisatorischen und militärischen
Vorbereitung der Selbstbefreiung entwickelte der Lagerwiderstand eine
heroische, aufopferungsvolle Tätigkeit.

Fast acht Jahre lang war Buchenwald das größte
Konzentrationslager auf deutschem Boden, Ort der Zwangsarbeit und
Todesqual für etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas —
das Grab für 56.000 von ihnen. 1937 angelegt vor allem für
politische Gegner des deutschen Faschismus, insbesondere aus der
revolutionären Arbeiterbewegung, wurde Buchenwald zu einem hoch
entwickelten Komplex, um Menschen einzusperren, zu erniedrigen, zu
foltern und durch Zwangsarbeit in den Tod zu treiben. Neben dem
Steinbruch gab es hier große Produktionsstätten, die besonders der
Herstellung von Waffen für den imperialistischen Krieg und natürlich
den Profiten der deutschen Monopole dienten. Hinzu kamen unzählige
Außenstellen, wo Häftlinge aus Buchenwald ebenfalls zur
Schwerstarbeit gezwungen wurden.

Das Erbe Buchenwalds

Der historische Fakt der Selbstbefreiung und des illegalen
Lagerwiderstandes zeigt: Buchenwald steht wie kaum ein anderer Ort
für den antifaschistischen Widerstand unter Führung der
Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Auch die Ermordung Ernst
Thälmanns in Buchenwald gehört dazu. Thälmann, selbst aus dem
Proletariat stammend und bis zu seiner Verhaftung Vorsitzender der
KPD, galt wie kein Anderer als kommunistische Persönlichkeit und
Führer der deutschen Arbeiterklasse. Das erklärt, wie die deutschen
Faschisten mittels seiner Ermordung im Sommer 1944 den
antifaschistischen Widerstand in Deutschland und Europa zu
demoralisieren und zu brechen versuchten. Es gelang ihnen nicht,
stattdessen waren sie es, die schon ein paar Monate später ihre
bedingungslose Kapitulation unterschrieben.

Buchenwald ist Teil unserer Geschichte und bis heute wichtiger
Bezugspunkt für den antifaschistischen Kampf. Aber auch über die
kommunistische Bewegung hinaus ist die besondere Geschichte des
Lagers, vor allem in Ostdeutschland, nicht vergessen. So brachte
beispielsweise die 2015 erschienene Neuverfilmung des DDR-Romans
„Nackt unter Wölfen“ dies noch einmal zum Ausdruck.

Antikommunismus auf dem Vormarsch

Hatten Buchenwald und seine Bedeutung in der Gedenkpolitik der DDR
noch einen wichtigen Platz (z.B. war der Besuch der Gedenkstätte
fester Bestandteil des Lehrplans), erleben wir an ihrer Stelle heute
eine Geschichtsverdrehung, die ihresgleichen sucht. Bürgerliche
Historiker, Politiker von CDU bis Linkspartei, Antideutsche und
andere vermeintliche Linke, aber auch die Leitung der Gedenkstätte
Buchenwald versuchen seit Jahren, das Gedenken an die Ereignisse im
KZ in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Das heißt konkret:
Delegitimierung des Lagerwiderstandes und der aktiven Kommunisten bis
hin zur Unterstellung, diese hätten mit der SS kollaboriert. Die
Selbstbefreiung wird geleugnet, als hätte es sie einfach nicht
gegeben und sei ein Erzeugnis der ‚DDR-Propaganda‘. Auf perfide
Weise schlagen diese durch die Bank weg bürgerlichen,
antikommunistischen Kräfte so gleich zwei Fliegen mit einer Klappe:
die Verunglimpfung des antifaschistischen Widerstandes und der DDR.

Gleichzeitig erleben wir eine Entpolitisierung das
antifaschistischen Widerstandes generell. Die Bürgerlichen, worunter
ebenfalls diverse „linke“ Akteure und Gruppen zu fassen sind,
beziehen den Widerstand zwischen 1933 und 1945 in ihr irreführendes
Bild mit ein, bei dem „die Demokratie“ und „der Faschismus“
zwei grundsätzlich gegensätzliche Formen sind. Irreführend ist
dieses Bild deshalb, weil es von den wahren Wurzeln und
Verantwortlichen des Faschismus ablenkt. Der antifaschistische
Widerstand ist dann lediglich ein Einsatz für „die Demokratie“
gewesen. Mit Antifaschismus als Teil des Klassenkampfes, wie ihn die
KPD und folglich der Großteil des Widerstandes in Deutschland
verstanden, hat das wenig zu tun. Das Andenken an den Widerstand im
deutschen Faschismus wird so, wenn nicht verschwiegen, zumindest
neutralisiert.

Das zeigt sich auch am Beispiel Ernst Thälmann: meist wird seine
Ermordung in Buchenwald im offiziellen Gedenken nicht einmal erwähnt.
Aber wenn sie ein Andenken findet, dann niemals in ihrer
tatsächlichen Tragweite — als Ermordung des Führers des
klassenbewussten deutschen Proletariats und als Symbolfigur des
antifaschistischen Kampfes, weit über die deutschen Grenzen hinaus.

Antifaschismus heißt Kampf für den Sozialismus

Wir dürfen nicht vergessen, dass der Faschismus eine Form
bürgerlicher Herrschaft ist, also eine Möglichkeit für die
Kapitalisten, ihre Interessen durchzusetzen und ihre Macht zu
erhalten. Nichts fürchten sie mehr, als eine starke revolutionäre
Arbeiterbewegung, die ihre Macht ins Wanken bringt. Dementsprechend
ist klar, dass die deutschen Kapitalisten und ihr Staat — die BRD —
alles tun, um die Tradition der deutschen Arbeiterbewegung und der
KPD in Vergessenheit geraten zu lassen oder, wo das nicht klappt, zu
zerschlagen. Dass sie alles tun, um die Erinnerung an den Kampf
klassenbewusster Arbeiter gegen das Kapital und seine faschistischen
Marionetten für ihre Ordnung unschädlich zu machen. Ihre
Geschichtsverdrehung gilt dem konsequenten antifaschistischen Kampf
der Häftlinge in Buchenwald und natürlich auch der DDR, als erstem
sozialistischen Staat auf deutschem Boden, wo die Arbeiterklasse ihre
Herrschaft errichtete und dem Faschismus den Nährboden entzog.

Indem wir den Widerstand und die Selbstbefreiung der Häftlinge
von Buchenwald als Teil unserer Geschichte anerkennen und gegen
jegliche revisionistischen, antikommunistischen, bürgerlichen
Angriffe verteidigen, begreifen wir auch den 74. Jahrestag der
Selbstbefreiung nicht nur als traditionelles Gedenken, sondern als
politische Verpflichtung für unseren Kampf heute.

„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere
Losung, der Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit ist unser
Ziel.“ hieß es einst im Schwur von Buchenwald. Dies bleibt
Mahnung, Richtschnur und Auftrag zugleich: im Wissen, dass die Macht
des Kapitals die Wurzel des Faschismus ist, muss Antifaschismus heute
die Organisierung der Arbeiterklasse gegen die bürgerliche
Herrschaft, für den Sozialismus bedeuten.

Im Gedenken der 56.000 in Buchenwald Ermordeten, im Gedenken des
Lagerwiderstandes und der Selbstbefreiung, im Gedenken Ernst
Thälmanns — für die sozialistische Revolution!