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Zu den Aufgaben der Kommunisten 100 Jahre nach der Gründung der KPD

100 Jahre nach der Novemberrevolution und der Gründung der KPD ist die Arbeiterbewegung in einer anhaltenden tiefen Krise. Sie ist geprägt von Zersetzung und Desorganisierung, von ideologischer Unklarheit und Illusionen in die Sozialdemokratie. Die Potenziale, die von der fortschrittlichen Arbeiterbewegung hervorgebracht wurden, ihre Organisationen, ihre Kultur und ihre Tradition konnten von der Bourgeoisie weitgehend integriert und kanalisiert werden. Die tiefe Krise zeigt sich auch in der mangelnden Verbindung der Bewegung zu ihrer eigenen Geschichte, insbesondere zu den großen Errungenschaften und Leistungen der DDR, deren Gründung vor 70 Jahren das zweite wichtige historische Datum des Jahres 2019 ist. Aber die Arbeiterklasse ist und bleibt die einzige gesellschaftliche Kraft, die den sozialen Fortschritt verkörpert und ihm zum Durchbruch verhelfen kann und wird.

Gesellschaftliche Kämpfe im großen Maßstab fehlen, Ansätze für fortschrittliche politische Initiativen verpuffen schnell wieder. Ihnen fehlt die Verbindung zur kämpfenden Klasse. Im Vergleich zu den 1920er Jahren können Intellektuelle, Künstler, Sportler und andere Teile der Gesellschaft kaum an die Arbeiterbewegung anknüpfen. Die politische und geistige Landschaft ist von individualistisch-liberaler Ideologie geprägt, die mit Irrationalismus und Nihilismus einhergeht. Weite Teile der Jugend sind entpolitisiert und haben keine Orientierung. Die Lenkung der Gesellschaft scheint für die Kapitalistenklasse recht einfach.

Wir wissen, es wird nicht so bleiben, es kann nicht so bleiben. Große Teile der Gesellschaft haben Unsicherheiten, Ängste und Fragen. Viele spüren, dass es so nicht weiter gehen kann. Die Gesellschaft verlangt nach Fortschritt, sie verlangt nach Wahrheit und nach wissenschaftlichen Antworten. Gegenwärtig aber findet sie lediglich entweder irreführende, pessimistische oder irrationale Antworten vor. Insbesondere die Arbeiterklasse verlangt Antworten und Lösungen. Sie ist nicht nur besonders von Krise und Krieg betroffen. Sie ist auch die Kraft, die in der Lage ist, die neuen Produktionsverhältnisse zu errichten, die den Produktivkräften gerecht werden. Das hat sie in den Jahrzehnten des Aufbaus des Sozialismus bewiesen.

Aber nach Verrat und Niederlage steht die Frage im Raum: Wem vertrauen? Nur euch selbst, müssen wir der Arbeiterklasse zurufen. Es wird keine andere Kraft, kein Versprechen, keine Illusion geben, die für euch eine Lösung ist. Dafür ist Wissenschaft notwendig: zum Erkennen, was richtig und notwendig ist, zum Erkennen, was möglich und was nötig ist, zum Erkennen des Gesamtzusammenhangs ohne Beschönigung, ohne Kompromiss. Zum Erkennen der Potenziale der Klasse und zum Erkennen des Eintritts der revolutionären Situation. Um dann genau zu wissen, was zu tun ist und wer es tun muss – dafür braucht es die richtige und konkrete Strategie.

Dass es nicht so weiter gehen kann und auch nicht gehen wird, ist klar. Aber die notwendige Veränderung geschieht nicht spontan, nicht von allein. Die Anbetung der Spontaneität ist eine große Gefahr für die Arbeiterbewegung. Sie ist eine romantische Falle, in die sie die herrschende Klasse gerne lockt, um sie zu vertrösten, passiv zu machen und Zeit zu gewinnen. Sie selbst geht währenddessen so planvoll vor, wie es ihr nur möglich ist. Die politischen und die meisten anderen Organisationen der Arbeiterbewegung sind nie spontan entstanden, sie waren das Werk bewusster und planender Kräfte der Klasse, die die Einsicht in die Notwendigkeit hatten und handelten. Die Gründung der KPD ist dafür der beste Beweis. Ohne kommunistische Partei wird die Klasse ihre historische Rolle nicht einnehmen können.

Die KPD hat nach dem Verrat der SPD versucht, die Krise der revolutionären Arbeiterbewegung zu lösen. Dabei hat sie große Leistungen vollbracht, Kämpfe geführt und hunderttausende Arbeiter geschult und große Kämpfer und Denker der Klasse wie Thälmann, Pieck, Ulbricht und andere hervorgebracht. Dennoch konnte sozialdemokratisches Bewusstsein tief in die kommunistische Bewegung eindringen. Das gelang dem Klassenfeind aber nur mit der Knute in der Hand: Durch Faschismus, ebenso wie in der BRD durch KPD-Verbot und Berufsverbote verpasste er der revolutionären Arbeiterbewegung harte Schläge, die die Kette der Generationen zerreißen und das einigende Band der Geschichte der Kämpfenden zerschneiden sollten. Auf der anderen Seite stehen die großen Erfolge und Errungenschaften der deutschen Kommunisten: Die KPD und insbesondere die DDR – sie waren ebenso harte Schläge für die Bourgeoisie. Vor was sollten sich die deutschen Imperialisten mehr fürchten, wenn nicht vor einer einigen und bewussten Arbeiterklasse? Sie hat ihnen schon einmal Macht und Herrschaft entrissen.

Aber die Krise ist nicht gelöst! Überall ist bürgerliches Bewusstsein auf dem Vormarsch. Stellen wir uns als Kommunisten der Prüfung der Stunde. Vor der Arbeiterklasse müssen Kritik und Selbstkritik geübt werden, eigene Fehler erkannt und alle Erfahrungen ausgewertet werden. Mit Mut müssen wir voranschreiten und die eigene Position benennen und begründen – mit allen Erkenntnissen des wissenschaftlichen Sozialismus. Aufklärung auch über die kommunistische Bewegung und ihre Entwicklung selbst braucht die Arbeiterklasse. Aufklärung über alle gesellschaftlichen Zusammenhänge, ihre historischen Ursprünge und ihre Entwicklung ist die Aufgabe der Kommunisten.

Die Gesellschaft steckt auch heute voller Potenziale, die für den Kampf der Arbeiterklasse nötig und nützlich sind. Die Arbeiterklasse muss den Zustand der Desorganisierung überwinden und ihre Reihen festigen. Das kann nur eine bewusste revolutionäre Kraft voranbringen, die diese Notwendigkeit erkannt hat und die sie den sozialdemokratischen Illusionen und Angeboten entgegenstellen kann. Die Organisierung und Nutzbarmachung aller Potenziale ist die Aufgabe der Kommunisten.

Damit ist die Organisation der Kommunisten selbst verbunden, die weder zufällig noch beliebig, sondern ebenso bewusst und planvoll angepackt werden muss. Dieser Prüfung sind alle Organisationen und Parteien unterzogen, ob sie wollen oder nicht. Der jetzige Zustand des Nebeneinanders und auf sich selbst Bezogenen muss überwunden werden. Nicht durch falsche Eintracht oder Abschwächung der Widersprüche und auch nicht durch Bündnisse oder Zusammenschlüsse, sondern durch scharfe und offene Auseinandersetzung. „Durch Klarheit zur Einheit“ ist ein ernst gemeintes Ziel, denn die Unklarheit der kommunistischen Bewegung ist ebenso wie ihre Zersplitterung ein ernstes Problem für die Arbeiterklasse.

Dieser Kampf ist mit jedem einzelnen von uns verbunden, von nichts von alledem bleiben wir verschont. Jedes Individuum wird der Zurichtung der kapitalistischen Gesellschaft unterzogen, ob als Arbeiter oder Student. Aus der Geschichte des Kampfs der Arbeiterklasse wissen wir: Der Kommunismus ist die einzige mögliche Gesellschaft, ganzer Mensch zu sein, der Kampf darum der einzige Ort, ganzer Mensch zu werden. Die Kultur des Kommunismus, die Kultur des Proletariats wird gezielt verschüttet, denn der herrschenden Klasse ist ihre Bedeutung bewusst. Die Änderung der Gesamtsituation bedeutet auch die Änderung jedes Einzelnen durch ein starkes Kollektiv, durch Disziplin und vor allem durch Solidarität und Menschlichkeit. Kommunisten sollen Geburtshelfer der neuen Gesellschaft sein, sie müssen im Hier und Jetzt Ängstlichkeit und auferlegte Beschränktheit überwinden.

100 Jahre nach der Novemberrevolution und der Gründung der KPD; 70 Jahre nach der Gründung der DDR können wir sagen: Die Kapitalistenklasse ist eine historisch längst überflüssige Klasse, sie erfüllt nur noch den verzweifelten Zweck, den unaufhaltsamen Gang der Geschichte aufzuhalten. Die Zukunft gehört der Arbeiterklasse, dem Sozialismus und letztendlich der Aufhebung aller Klassen. Schaffen wir die nötige Klarheit für dessen Erkämpfung, sammeln wir alle Kräfte und bereiten sie vor, um die morsche Festung der Bourgeoisie zu stürmen. Es lebe die sozialistische Revolution!

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