Beitrag zur Diskussion um den Leitantrag – keine Positionierung der Kommunistischen Organisation (siehe Beschreibung der Diskussionstribüne)

von Marc K.

In den bisherigen Diskussionsbeiträgen wurden schon viele wichtige Fragen behandelt. Ich möchte hier deshalb auf einige weitere Aspekte eingehen.

Zur Betriebsarbeit

Ein Bereich der Massenarbeit, welcher im Leitantrag meiner Ansicht nach zu kurz vorkommt, ist die Betriebsarbeit und die Arbeit in Gewerkschaften. Dies ist meiner Ansicht nach eine Schwäche und deutet auf unsere zu geringe Präsenz in diesem Bereich hin. Dieses Problem kann natürlich nicht von heute auf morgen gelöst werden. Die Betriebsarbeit und die Arbeit in Gewerkschaften darf gleichzeitig nicht vergessen werden. Die Verankerung in Betrieben, der Aufbau von Betriebszellen und kämpferischer Gewerkschaftsstrukturen ist von zentraler Bedeutung für den Wiederaufbau einer kämpferischen Arbeiterbewegung und der Kommunistischen Partei. Die Betriebe müssen Festungen und Standbeine der Kommunistischen Partei werden. Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist wie und auf welchen Wegen wir diesem Anliegen näher kommen können.

Die Kontakte in Betriebe werden z.B. auch in den unterschiedlichsten Bereichen der Massenarbeit täglich hergestellt: Ob im Stadtteil, im Sportverein, in der Gewerkschaft oder auch im Bereich von internationalistischer Jugendarbeit. Schon bestehende und sich ergebende Möglichkeiten zum Aufbau einer Betriebsarbeit müssen erkannt werden: Wir kennen Leute in Betrieben. Mit der Frage nach der Organisierung im Betrieb werden wir in den unterschiedlichsten Bereichen der Massenarbeit konfrontiert werden. Viele Bekannte aus dem Stadtteil oder anderen Arbeitsbereichen arbeiten und wollen eine Orientierung für ihre eigene Organisierung im Betrieb. Die eigenständige Organisierung der Arbeiterklasse im Stadtteil muss im Betrieb weitergeführt werden. Sowieso müssen alle Ansätze der Massenarbeit auch miteinander in Verbindung gebracht werden. Es geht um den Aufbau eines organisatorischen Netzes in der ganzen Gesellschaft. Die Arbeiterklasse muss sich überall organisieren. Wir dürfen daher keine Wege in der Massenarbeit zur Organisierung außer Acht lassen. Gleichzeitig müssen wir uns vor allem in unserer aktuellen Situation auf bestimmte Wege der Massenarbeit konzentrieren, da wir nicht in der Lage sind alles zu machen. Daher ist es wichtig die vor Ort bestehenden Möglichkeiten und Ansätze für Massenarbeit zu erkennen und dementsprechend anzugehen. Wir müssen uns trotzdem schon Gedanken zur Betriebsarbeit machen und uns die Frage stellen, wie eine Zusammenführung unserer Kontakte in Betrieben und zu kämpferischen Gewerkschaftern möglich sein kann.

Zur Bedeutung der Jugend

Auf die Arbeiterjugend müssen wir ein besonderes Augenmerk legen. Wenn wir unsere Massenarbeit aufbauen wollen, spielt die Jugend eine sehr wichtige Rolle. Dieser Punkt ist meiner Ansicht nach im Leitantrag unbefriedigend erwähnt worden. Wenn wir es anstreben die Arbeiterbewegung wieder aufzubauen, müssen wir schon heute anfangen mit der Jugend zu arbeiten. Schon in der Jugend muss die Selbstorganisierung der Arbeiterklasse vorangetrieben werden. Wir müssen längerfristig denken. Die Arbeiterjugend von heute wird die Kämpfe von morgen führen und aus ihr werden die nächsten Kämpfer einer Kommunistischen Partei kommen. Die Arbeiterjugend muss heute schon lernen sich zu organisieren, sich zu bilden und zu kämpfen. Die Arbeiterjugend ist im Vergleich zu älteren Generationen noch weniger beeinflusst vom Imperialismus und häufig offener für neue Ideen oder den Kommunismus. Die Jugend von heute wird später in den Betrieben sein. Viele Jugendliche fangen im Alter von 14–20 Jahren an sich für Politik zu interessieren. Auch viele Genossen wurden im Alter von 14 – 20 politisch interessierter und fingen an sich zu organisieren. Für die Arbeit unter der Jugend können unterschiedliche Ansätze eine wichtige Rolle spielen: Kulturarbeit/Musik, Sport, Gewerkschaftsjugend/Angebote für Lehrlinge, Schülerarbeit etc. Angebote für Jugendliche aus der Arbeiterklasse spielen also bei der Massenarbeit eine wichtige Rolle und müssen angegangen werden. Wenn wir nun z.B. im Stadtteil arbeiten, sollten wir uns unbedingt mit Möglichkeiten und Angeboten für Jugendliche auseinandersetzen und diese vorantreiben.

Zur Massenarbeit im Aufbauprozess

Trotz der vielfältigen Möglichkeiten zur Massenarbeit können wir nicht alles angehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns im Organisationsaufbau befinden. Zurzeit ist es überhaupt nicht möglich, die Massenarbeit perfekt zu organisieren. Wir befinden uns selbst im Organisationsaufbau und müssen an den Voraussetzungen für die Gründung einer Partei arbeiten.

Es darf nicht dazu kommen, in Handwerkelei der Praxis hängen zu bleiben und den Aufbau zu vergessen. Gleichzeitig darf auch die Massenarbeit nicht vernachlässigt werden. Aus der Massenarbeit heraus entwickeln sich auch die kommenden Führer der Kämpfe. Es gibt ein riesiges Potenzial in der Arbeiterklasse, welches freigelegt werden muss. Ohne bessere Organisierung keine Massenarbeit, ohne Massenarbeit keine bessere Organisierung. Der Aufbau einer Organisation und die Massenarbeit sind untrennbar miteinander verbunden. Wir merken schon in der Massenarbeit immer wieder: Wir müssen selber gut organisiert sein um etwas oder andere zu organisieren.

Der Aufbau einer Massenarbeit ist eine schwierige Aufgabe und anstrengend. Wir werden Fehler machen und Niederschläge erleben. Wir werden auch auf Desinteresse, Ablehnung, Feindschaft, Egoismus und Ausnutzung unserer Arbeit stoßen. Trotz alledem heißt es: Rausgehen und ausprobieren. Fehler, Niederschlage und Krisen werden kommen. Wir müssen daraus lernen und weiter machen. Geduld und Durchhaltevermögen sind sehr wichtig für die Massenarbeit. Eine Entwicklung nach vorne ist nicht immer sofort und auf den ersten Blick zu erkennen. Man erkennt sie manchmal erst nach einer gewissen Zeit. Gegen eine Fehlentwicklung in der Massenarbeit ist Kritik und Selbstkritik sehr wichtig.

Unsere Aufgaben sind groß und schwierig. Es sind gerade sehr viele verschiedene Dinge die wir angehen. Das alles ist jedoch notwendig und richtig. Unsere Orientierung, unser Herangehen und die Richtung der Arbeit unserer Organisation sehe ich auf dem richtigen Weg. Nur so, durch die beharrliche Arbeit an der Schaffung der Voraussetzungen für die Gründung einer Kommunistischen Partei, nur durch Standhaftigkeit, Disziplin, Kritik und Selbstkritik, sowie die enge Verbindung mit den Massen werden wir den Aufbauprozess erfolgreich umsetzen können. Nur so werden wir in die Lage kommen eine Kommunistische Partei aufzubauen die ihren Namen verdient, eine Partei für den Kampf unserer Klasse.

Natürlich ist unser Kampf nicht einfach und er wird auch nicht einfach. Der Kampf war noch nie einfach. Wir dürfen unsere Genossen nicht vergessen, die zunächst in härtesten Kämpfen 1918/1919 die KPD gründeten, sie zu einer unglaublich starken Partei aufbauten und danach 12 Jahre in der Illegalität oder faschistischen Konzentrationslagern unter den krassesten Umständen im Widerstand weiter kämpften. Keine Niederschläge, keine Kerker, keine Folter, keine Hinrichtungen unserer besten Genossen durch die Faschisten konnten ihre Zuversicht, ihren Kampf und unsere Partei vernichten. Nehmen wir uns diese Genossen zum Vorbild und werfen Nachlässigkeit, Bequemlichkeit und Pessimismus beiseite. Einige dieser Genossen wie Wilhelm Pieck erlebten noch die Gründung DDR und führten den Aufbau des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden an. Schauen wir stolz auf die Geschichte der Arbeiterbewegung und mit Zuversicht in die Zukunft.