Beitrag zur Diskussion um den Leitantrag – keine Positionierung der Kommunistischen Organisation (siehe Beschreibung der Diskussionstribüne)

von Karl Samstag

Bei der Kritik an den Aussagen des Genossen Schönsees beziehe ich mich insbesondere auf folgende Stelle: „Diese wichtige und brennende Aufgabe (theoretische/ideologische Arbeit, Anm. Autor) kann man nicht einem ‚wissenschaftlichen Apparat‘ überlassen. Der kann im besten Fall richtige Materialien, Orientierungen usw. liefern, doch nicht ersetzen, dass sich alle Parteimitglieder und die proletarischen Volksmassen ihren eigenen Kopf über diese theoretischen Probleme (besonders deren Grundlagen) zerbrechen.“

Konsens besteht wohl bei der Frage der Vorhut des Proletariats, also der Partei neuen Typs, der kommunistischen Kaderpartei. Jedenfalls negiert Genosse Schönsee diese in seiner Kritik nicht. Ebenso scheint er nicht die Notwendigkeit eines wissenschaftlichen Apparats innerhalb der Kommunistischen Partei per se zu bestreiten. Er behauptet jedoch, der Leitantrag suggeriere, dass dieser wissenschaftliche Apparat die theoretische und ideologische Arbeit innerhalb der Partei und den Massen allein leistet, quasi von „oben“ herab. Aber steht das wirklich so im Leitantrag? Im Abschnitt 1 steht dazu: „…der alle Verhältnisse aufdeckt, die Kräfte analysiert und damit der Klasse die Orientierung für ihren Kampf geben kann…“, sowie weiter: „Die Entstehung von sozialistischem Klassenbewusstsein geschieht nicht spontan, sondern durch die wissenschaftliche Weltanschauung, die von der Partei organisiert und verbreitet wird, die sich speist aus den Erkenntnissen der Bewegung, des Kampfes. Weil die Kampferfahrungen wissenschaftlich reflektiert werden und damit die Einsicht in die Notwendigkeit möglich ist, ist die Partei als organisierter Ausdruck dieses Zusammenhangs nötig.“

Ich behaupte, der wissenschaftliche Apparat der KP ist Ausdruck höchster Organisierung des Klassenkampfs innerhalb der Partei. Gerade nicht als abgehobenes Gremium, welches alle paar Monate Materialien raushaut, die nur noch von Parteimitgliedern unter den Massen verteilt werden müssen oder weltfremde Orientierungen vorgibt. Neben der Aufgabe die sich stetig veränderten Verhältnisse des imperialistischen Systems zu sammeln, auszuwerten, die Theorie also zu entwickeln und in der Partei und in der Klasse zu verbreiten, sammelt der wissenschaftliche Apparat ebenso sämtliche Erfahrungen die in der Massenarbeit gemacht werden. Dazu gehören selbstverständlich Erkenntnisse aus Diskussionen und aus der Kritik der Massen und Parteimitglieder. Das Klassenbewusstsein ist momentan nur spärlich verbreitet. Also ist es Aufgabe der Kommunisten dieses Bewusstsein zu verbreiten, die Arbeiter zu ermächtigen, überhaupt in die Lage zu kommen, sich wissenschaftlich mit den Fragen revolutionärer Politik auseinandersetzen zu können. Je besser die Massenarbeit durch die KP organisiert wird, Massenorganisationen zurückerkämpft bzw. neu mit der Arbeiterklasse erschaffen werden, desto mehr Arbeiter durch Bildungsarbeit und Anleitung der KP in den Kämpfen ermächtigt werden die künftige Räterepublik zu gestalten und zu leiten, desto enger wachsen KP und Massen auch zusammen. Sie bilden eine organische Verbindung. So gibt der wissenschaftliche Apparat nicht Materialien und Orientierungen heraus, ohne auf Diskussionen und Kritik in der Partei und in den Massen zu setzen. Aus den Erfahrungen der revolutionären Arbeiterbewegung lernend, gibt er Strategie und Taktik der Partei und der Arbeiterklasse im Kampf um den Sozialismus vor. Nirgendwo suggeriert der Leitantrag, dass der wissenschaftliche Apparat der KP die theoretische und ideologische Arbeit unter den Massen, ihre Aktivierung im Kampf und Ermunterung zur Kritik, die Möglichkeit durch Bildung an immer mehr Diskussionen gleichberechtigt teilnehmen zu können, ersetzt. Man kann dem Genossen Schönsee nur zustimmen: ein wissenschaftlicher Apparat allein kann diese wichtige und brennende Aufgabe nicht leisten. Wird er aber auch nicht. Dafür wird auch der Leitantrag sorgen.