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Thesen zum Kampf der Arbeiterklasse in gekürzter Form, basierend auf dem „Beschluss zur Arbeit in den Massen“ der 2. Vollversammlung der Kommunistischen Organisation, Juli 2019

Auf der 2. Vollversammlung der Kommunistischen Organisation (KO) im Juli 2019 wurde nach Monaten der fruchtbaren Diskussion einen Beschluss zur Arbeit in den Massen beschlossen. Um dieses sehr lange Dokument leichter zugänglich zu machen, legen wir hier eine stark gekürzte, auf die wesentlichen Aussagen beschränkte Version vor.

Politische Begründung

Die Kommunistische Partei aufbauen

Die kommunistische, revolutionäre Arbeiterbewegung in Deutschland liegt am Boden. Von ideologischer Uneinigkeit und Unklarheit geprägt, hat sie sich in verschiedene Organisationen zerfasert und ist daher kaum in der Lage, politische Wirkung zu entfalten. Die KO hat sich mit dem Anspruch gegründet, durch einen Organisations- und Klärungsprozess diesen Zustand zu überwinden und die Voraussetzungen für die Schaffung einer Kommunistischen Partei in Deutschland herzustellen – einer revolutionären Partei der Arbeiterklasse, die in der Lage ist, ihren Einfluss auf die Arbeiterklasse stetig auszubauen und sie schließlich im entscheidenden Kampf um die Macht anzuführen.

Eine der wesentlichen Herausforderungen beim Aufbau dieser Partei besteht darin, dass wir uns gemeinsame Orientierungen für den Klassenkampf erarbeiten müssen. Wir legen hiermit unsere vorläufigen Schlussfolgerungen zum Kampf der Arbeiterklasse vor und stellen sie zur Diskussion. Denn die Einheit der Kommunisten, die wir letztlich anstreben, ist eben nur möglich auf der Grundlage einer inhaltlichen, politisch-ideologischen Einheit. Die Frage der Organisierung der Arbeiterklasse hat in diesem Ringen um die richtige politische Linie der Kommunisten eine zentrale Bedeutung.

Unser Ziel: Den Klassenkampf organisieren und gewinnen

Zur Revolution kommt es nicht von alleine. Dazu ist die revolutionäre Tat, der revolutionäre Aufstand der gesamten Arbeiterklasse notwendig. Dafür müssen die Arbeiter das Bewusstsein erlangen, dass sie als Klasse ausgebeutet werden und als Klasse das Ausbeutersystem stürzen können. Die Revolution kann also nicht das Werk einer kleinen verschworenen Gemeinschaft sein, sondern nur das Werk der Arbeiter selbst. Die Arbeiter müssen in einer revolutionären Situation, in der die kapitalistische Herrschaft grundlegend erschüttert ist und die Massen sich gegen das System auflehnen, die Machtin die eigenen Hände nehmen und die neue Gesellschaft des Sozialismus errichten. Damit die Arbeiter in der revolutionären Situation dazu in der Lage sind, müssen sie bereits vorher Erfahrungen in Massenorganisationen gesammelt haben: Die Erfahrung demokratischer Selbstorganisation, Entscheidungsfindung und An-einem-Strang-Ziehen, die Erfahrung von Niederlagen und dem Wiederaufstehen, die Erfahrungen von Solidarität und gegenseitiger Hilfe. Revolutionäre Zeiten sind Krisenzeiten, in denen selbst viele Erfahrungen gesammelt werden können, aber nur eine möglichst organisationserfahrene, in den Kämpfen geschulte, auf das Ziel fokussierte und einheitlich agierende Arbeiterklasse wird dann der Kapitalherrschaft den Todesstoß versetzen können. Der Vorbereitung darauf gilt unsere Arbeit.

Das Ziel der Kommunisten in der Massenarbeit muss die Politisierung der Massen, die Hebung ihres Bewusstseins sein – es muss ein Bewusstsein darüber entstehen, dass das Ziel des Kampfs nur der Sturz der Kapitalistenklasse sein kann und die Arbeiterklasse sich dafür unter Führung der Kommunistischen Partei zusammenschließen und organisieren muss. Der Kampf muss also das Ziel der Staatsmacht haben, sonst bleibt die Kapitalistenklasse an der Macht und die Kämpfe werden sich letztendlich der Herrschaft und den politischen Zielen der Kapitalistenklasse unterordnen.

Klassenkämpferische Massenarbeit und Massenorganisationen sind nicht losgelöst von der Kommunistischen Partei / Organisation zu verstehen. Ohne diese wird es sie nicht geben und anders herum wird die Kommunistische Partei ohne Massenarbeit und Massenorganisationen keine revolutionäre Vorhut, nicht die höchste Organisationsform des Proletariats sein können. Obwohl es sich also um zwei unterschiedliche und in der Praxis getrennte Formen der Organisation handelt, gehen ihr Aufbau und ihre Entwicklung zwangsläufig Hand in Hand.

Beschränktheit von Kämpfen, Allgemeinheit des Klassenkampfs:

Der Kampf der Klassen findet objektiv, auch ohne unsere Einwirkung, statt. In jeder bisherigen Gesellschaft standen Interessen von Unterdrückern und Unterdrückten einander unversöhnlich gegenüber und manifestierten sich in einem ständigen Aufeinanderprallen. Die Anerkennung dieses permanenten Kampfes führt jedoch keineswegs notwendigerweise auf einen revolutionären Kurs. Im Gegenteil beginnen hier die wirklichen Fragen, nämlich die Fragen der spezifischen Probleme, des Wesens und des Ziels des proletarischen Klassenkampfes.

In der andauernden Konfrontation zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie liegt auch immer der Keim für den Klassenkampf, wie wir ihn meinen, also den organisierten Kampf der Arbeiterklasse um die Macht. Streiks und andere Formen des ökonomischen Kampfs sind Keimformen des Klassenkampfs. In ihnen ist also das Potential enthalten zur Entfaltung des gesamten, politischen Kampfs der Klasse um die Staatsmacht. Aber eben nur das Potential, nur der Keim. Das Interesse der Kapitalistenklasse ist, dass dieser Keim nicht zur Entfaltung kommt, sondern Keim bleibt. Aus Sicht des Kapitals soll der Kampf einerseits auf einzelne Betriebe und Branchen, andrerseits aber auch auf Tarifforderungen, Arbeitszeitfragen etc. beschränkt und begrenzt bleiben und die Machtfrage nicht stellen. Aus Sicht der Kommunisten und derer, die die Interessen der Arbeiterklasse vertreten, darf der Kampf im Gegenteil nicht begrenzt bleiben, sondern muss zum Kampf der gesamten Klasse ausgeweitet und sich auf alle Fragen beziehen, vor allem eben auch auf die Frage der Staatsmacht, die die Arbeiterklasse erobern muss.

Das heißt nicht, dass jedem Streik die Forderung nach der Räterepublik aufgestülpt werden soll. Das wäre lächerlich und sektiererisch. Es heißt vielmehr, dass die Arbeiter in den Kämpfen erkennen müssen, dass es um mehr gehen muss – ungeachtet dessen, ob sie diesen Kampf gewinnen oder verlieren. Sie müssen erkennen, dass sie einer organisierten gegnerischen Klasse unversöhnlich gegenüberstehen und dass sie sich deshalb langfristig und diszipliniert organisieren müssen. In eigenständigen Massenorganisationen, die in enger Verbindung mit der Organisation der Revolutionäre stehen, kann diese Erfahrung in die Erkenntnis münden, dass die Macht der Arbeiterklasse die einzige Lösung ihrer Probleme ist. In diesen Organisationen kann die Erkenntnis darüber reifen, wie sie dorthin kommen können und welche Rolle dabei der einzelne Streik, die einzelne Kampfaktion spielen kann.

Nach diesem umfassenden Verständnis des Klassenkampfes gewinnt jede noch so kleine gemeinsame Aktion von Arbeitern gegen ihre Lebensbedingungen an potenziell weitreichender Bedeutung. Denn sie ist der Ansatzpunkt, wo wir praktisch aufzeigen können, dass die Organisation notwendig ist; und wo wir gleichzeitig politisch aufzeigen können, dass sie Teil des gesamten Klassenkampfs ist, in dem die Machtfrage gestellt werden muss.

Dabei geht es nicht nur um die Ausweitung von Kämpfen wie z.B. Streiks und das Weitertreiben der Forderungen, auch wenn das natürlich wichtige Aufgaben sind. Aber unsere Aufgabe geht darüber hinaus und besteht hauptsächlich in etwas anderem: In dem Aufbau einer Organisation, die in der Lage ist, die Kämpfe miteinander zu verbinden, überall aufzuzeigen, warum es sich um einen Kampf der ganzen Klasse und gegen die andere Klasse handelt, warum dafür die Frage der Macht entscheidend ist.

Dafür müssen wir unsere gesamte Organisation auf den Klassenkampf und die Massenarbeit ausrichten. Die Tätigkeiten und Anforderungen, die sich daraus ergeben, müssen wir in ihrer Einheit und ihrem Zusammenhang verstehen. So ist z.B. die Frage der Bildung nicht getrennt von unserer Arbeit in den Massen, da wir dort ständig die noch besseren Mittel zur Vermittlung unseres Programms und unserer Positionen entwickeln müssen. Damit wir unsere Tätigkeit in den Massen gut mit dem Wissenschaftlichen Sozialismus verbinden können, brauchen wir gute Kenntnisse in der Geschichte der Arbeiterbewegung, in den gesellschaftlichen Verhältnissen und ihrer Entwicklung und über die Erfahrungen, die die Arbeiter in ihrem Kampf sammeln, ebenso über den Klassenfeind und seine Strategien.

Auch die Frage der Kaderentwicklung ist eng verbunden mit und bestimmt durch die Anforderungen des Klassenkampfes. Um die Voraussetzungen für den Aufbau der Kommunistischen Partei zu schaffen, fehlen neben der ideologischen Klarheit und Einheit vor allem die Kader. Kader sind die Menschen, die den Kampf am aktivsten und bewusstesten führen, ihn von allen Seiten kennen und alle Aspekte miteinander verbinden können. Es sind Kommunisten, die den Anforderungen des Klassenkampfes gewachsen sind. Diese müssen wir vor allem aus den Massen gewinnen und in der Lage sein, diese Kader auszubilden, sie zu schulen, alle Fähigkeiten zu entwickeln, die sie brauchen, um den Kampf anführen zu können.

Unsere Orientierung: Prinzipien verinnerlichen

Wir gehen davon aus, dass es in Deutschland im Moment keine organisierte Kraft gibt, die die Organisierung der Arbeiterklasse zum Sturz der Bourgeoisie vorantreibt. Das heißt, dass die Situation außerordentlich schwierig ist und wir in jedem Fall Geduld und Weitsicht an den Tag legen müssen. Die Notwendigkeit der Geduld und Kontinuität ergibt sich aber aus der Sache selbst: Wir machen nicht eine Kampagne oder ein vorübergehendes Projekt, sondern haben eine lebenslange Aufgabe vor uns – die Organisierung der Arbeiterklasse und damit auch unsere eigene Organisierung wird nicht mehr aufhören, wir werden sie stets weiter entwickeln müssen. Auch im Sozialismus wird das eine wichtige Aufgabe sein.

Unsere Orientierung beinhaltet keinen detaillierten, technischen Vorschlag, wie z.B.dass jeder in ein bestimmtes Gremium der Gewerkschaft gehen soll. Wir schlagen auch nicht ein einheitliches Rezept vor, das in jeder Stadt immer gleich angewandt werden soll, wie zum Beispiel die Gründung eines Stadtteilvereins. Es geht vielmehr zuerst darum, das Ziel, die Prinzipien und die Grundlagen zu verstehen und diese dann nach Auswertung der konkreten Bedingungen und Möglichkeiten vor Ort anzuwenden. Es geht darum, auf Grundlage dieser Prinzipien die Arbeit immer wieder kollektiv und regelmäßig auszuwerten und daraus praktische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Das heißt, dass wir an allen Orten, wo es uns möglich ist, versuchen Arbeiter oder andere Werktätige zu organisieren – im Betrieb, im Wohnviertel, an den Schulen und Universitäten. Das heißt, dass wir auch in anderen, bestehenden Massenorganisationen unseren Einfluss ausweiten müssen und darin die eigenständige Organisierung der Arbeiter vorantreiben müssen: in Gewerkschaften, in Sport- und Kulturvereinen. Wir und die Menschen, die wir erreichen, müssen überall die Prinzipien der Eigenständigkeit und Aktivität anwenden und verbreiten.

Wir beschließen keine allgemeine starre Orientierung auf Betriebs- und Gewerkschaftspolitik in dem Sinne, dass jeder immer und überall in den Betrieb gehen müsste. Das kann zwar durchaus richtig und notwendig sein, muss aber je nach den Bedingungen und Kapazitäten in einem Ort entschieden werden. Je nach Situation müssen die besten Ansatzpunkte gefunden werden. Wenn wir in einer Stadt mit einem Sportverein beginnen und dort Menschen organisieren, werden zum Beispiel junge Arbeiterinnen und Arbeiter dabei sein, die später in Ausbildung in einem Betrieb sein werden.

Auch an der Universität oder Fachhochschule finden wir Kinder der Arbeiterklasse. Wir finden dort auch Kinder der Mittelschicht, die wir für unsere Massenarbeit im Wohnviertel oder im Betrieb begeistern können und die sich praktisch und ideologisch mit uns gemeinsam der Arbeiterklasse zuwenden. Auch sie müssen sich selber organisieren, um ihren eigenen spezifischen Interessen gerecht zu werden und Organisationserfahrungen zu sammeln, die sie in die Betriebe tragen können. Zudem arbeitet ein Teil der Arbeiterklasse an den Universitäten selbst, die Kämpfe all dieser Teile gilt es zu verbinden.

Zur Organisierung der Massen

Gesellschaftliche Situation und Notwendigkeit der Organisierung

Seit der Niederlage von 1989, der Zerschlagung des Sozialismus in der Sowjetunion und Osteuropa, befindet sich die Arbeiterbewegung in einer schweren Krise. Die Sozialdemokratie und der Opportunismus haben die Arbeiterbewegung zersetzt, Organisationen (Gewerkschaften, Vereine usw.) wurden der bürgerlichen Ideologie untergeordnet oder sind dezimiert worden. Viele ehemals revolutionäre Arbeiterparteien haben sich aufgelöst. Eigenständige, klassenbewusste und revolutionäre Organisationen der Arbeiterklasse gibt es in der BRD kaum noch. Die meisten Arbeiter und ihre Familien in Deutschland sind heute nicht politisch organisiert oder über sozialdemokratische Organisationen an das Interesse der herrschenden Klasse gebunden.

Trotzdem ist die weit verbreitete Annahme, dass die meisten Arbeiter grundsätzlich nicht an politischen Fragen interessiert wären, falsch und Ausdruck eines mangelnden Kontakts zur Arbeiterklasse. Vielmehr haben die Arbeiter keinen größeren Zusammenhang, in dem sie die politischen und gesellschaftlichen Fragen diskutieren und durchdenken können. Erst recht haben sie keinen Zusammenhang, in dem sie selbsttätig aktiv werden können. Sie sind dem Einfluss der Bourgeoisie, ihrem Staat, ihren Medien und Angeboten der Kulturindustrie ohne wirkliches Gegengewicht ausgesetzt.

Dadurch kommt es bei vielen Arbeitern und gerade auch in der Jugend zu Erscheinungen psychischer, sozialer und kultureller Verrohung in verschiedensten Formen. Dazu gehören Egoismus, Oberflächlichkeit, Beziehungsunfähigkeit, Hedonismus und Drogenkonsum und andere Ausdrücke der Zerrüttung der gesellschaftlichen Beziehungen. Diese Phänomene stellen Probleme für unsere Massenarbeit dar, da sie die Organisierung und Entwicklung des Klassenbewusstseins erschweren.

Auch Atomisierung und Isolation sind Erfahrungen, die viele Arbeiter und ihre Familien machen. Damit ist also nicht nur und nicht zwingend Einsamkeit gemeint, sondern eine eingeschränkte Erfahrung von Gesellschaftlichkeit. Immer weniger Menschen sammeln die Erfahrung der gemeinsamen Aktivität und damit der Handlungsfähigkeit. Damit können sie auch kaum Möglichkeiten erkennen, mit den anderen zu kämpfen.

Um diesen negativen Erscheinungen entgegenzuwirken, müssen wir in allen Bereichen Menschen zusammenbringen, im Wohnviertel ebenso wie im Betrieb. Dabei müssen wir uns in Geduld üben. Unsere Arbeit ist langfristig und auf Kontinuität ausgelegt. Wir machen nicht eine Kampagne oder ein vorübergehendes Projekt, sondern haben eine lebenslange Aufgabe vor uns – die Organisierung der Arbeiterklasse und damit auch unsere eigene Organisierung. Diese Aufgabe wird nicht mehr aufhören, wir werden sie stets weiter entwickeln müssen.

Es muss daher nicht sofort alles unter ein politisches Motto, es kommt ohnehin schnell zu einem politischen Thema, über das man sich austauscht. Bei dieser Aufgabe kann gegenseitige Hilfe eine wichtige Rolle spielen, weil sie an die Bedürfnisse der Menschen anknüpft, die wir erreichen können und wollen, die Egoismus und Rücksichtslosigkeit ablehnen. Gegenseitige Hilfe kann dabei viele verschiedene Formen annehmen, vom offenen Ohr für die Probleme des Kollegen über Einkaufen für die ältere Nachbarin bis hin zur Nachhilfe für die Jugendlichen in der Siedlung. Geduld ist auch wichtig, da nicht jeder Arbeiter sofort erkennen wird, dass sich Kollektivität und Organisation auf kurze Sicht auch für ihn persönlich auszahlt. Und auch jenen, die sich organisieren wollen, aber objektiv kaum Zeit und Kraft haben, müssen wir mit Geduld begegnen und keine unrealistischen Ansprüche an sie stellen

Was sind Massenorganisationen?

Unter Massenorganisationen verstehen wir Organisationen, in denen die Arbeiter sich entlang ihrer ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse und Interessen organisieren. Sie können je nach Bereich und historischer Situation verschiedene Formen annehmen. Sie sind Orte, an denen die eigene gesellschaftliche Kraft als kollektives Subjekt, die eigenen Fähigkeiten erfahren werden können. Sie sind Orte, wo man lernt selbst zu entscheiden und diese Entscheidungen umzusetzen. Sie sind ebenso Räume der gesellschaftlichen, politischen, ideologischen Auseinandersetzung. Es gibt in ihnen keine Trennung zwischen den verschiedenen Bereichen des Lebens, da sie der Organisierung von Menschen anhand der verschiedenen Seiten ihrer Lebenswelt dienen.

Aus ihrem Charakter als Massenorganisationen ergibt sich auch eine große grundsätzliche Offenheit und Niedrigschwelligkeit der Teilnahme, die im Gegensatz zu den hohen Ansprüchen an die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei steht. Jeder Arbeiter muss die Möglichkeit haben, sich an der Massenorganisation zu beteiligen, auch wenn er nur wenig Zeit und Kraft zur Verfügung hat. Grundlage der Mitarbeit sollten also die weiter unten beschriebenen Prinzipien sein: Bereitschaft zur Aktivität für die eigenen Klasseninteressen, Bewahrung der Unabhängigkeit/Eigenständigkeit der Massenorganisation und Solidarität gegenüber den anderen Beteiligten. Beispiele für Massenorganisationen sind die Gewerkschaften, es können aber auch Arbeitersportvereine oder ein Verein im Wohnviertel sein, in dem Arbeiter gegenseitige Hilfe organisieren.

Wen wollen wir mit unserer revolutionären Massenarbeit organisieren?

Wenn wir von den Massen sprechen, dann meinen wir all jene, die wir im Klassenkampf auf der Seite der Arbeiterklasse organisieren können. Die Massen umfassen also größere Teile der Bevölkerung als nur die Arbeiterklasse – als Beispiel seien hier Teile des Kleinbürgertums (u.a. kleine Selbstständige) und der Intelligenz (u.a. Wissenschaftler, Ingenieure) genannt. Notwendigerweise besteht jedoch ein Großteil der Massen aus Arbeitern – und daher richtet sich auch unsere Massenarbeit vor allem auf die Arbeiterklasse selbst.

Wir gehen davon aus, dass in Deutschland die große Mehrheit der Lohnabhängigen zur Arbeiterklasse gehört oder sehr ähnliche Lebensbedingungen wie die Arbeiterklasse hat. Industriearbeiter, Kassiererinnen im Supermarkt, Pfleger im Krankenhaus, Straßenbahnfahrer oder Lokführer, Teilzeitbeschäftigte, Erwerbslose oder Leiharbeiter haben zwar unterschiedliche Lebens-, Arbeits- und Kampfbedingungen, aber sie verbindet sowohl ihr Verhältnis zu den Produktionsmitteln – sie besitzen keine – als auch die (unterschiedlich ausgeprägte) Bedrohung ihrer sozialen Lage.

Die Organisierung von Kopfarbeitern, deren Anteil in der Industrie zunimmt, ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe. Wird diese Aufgabe vernachlässigt, nimmt die Spaltung der Arbeiter im Betrieb zu. Diese Organisierung der Kopfarbeiter in Büros usw. ergibt sich nicht von allein aus der Organisierung der Arbeiter in der Produktion, sondern muss als Aufgabe mit eigenen Problemen und Widersprüchen begriffen werden, die eigener Antworten und Formen der Organisierung bedarf.

Die Arbeiterklasse ist das revolutionäre Subjekt – bevor es also keine stabilisierte klassenorientierte Arbeiterbewegung gibt, kann auch die Organisierung anderer Teile der Gesellschaft (kleine Selbstständige, Intelligenz u.a.) nicht erfolgreich sein. Denn die Organisierung dieser Schichten kann nur in Verbindung und im Bündnis mit den Interessen der Arbeiterklasse erfolgen. Daraus folgt, dass wir mit unserer Massenarbeit auf die Arbeiterklasse abzielen. Wir orientieren grundsätzlich auf die Arbeiterklasse – nicht ausschließlich, aber grundsätzlich. Das heißt zum Beispiel, dass wir Massenarbeit in einem Stadtteil aufbauen, wo mehrheitlich Arbeiter leben. Wenn dann auch kleinbürgerliche Menschen dazu kommen, verweigern wir ihnen nicht die Teilnahme, aber im Mittelpunkt stehen die Interessen, die Lebenslage und die Belange der Arbeiter und ihrer Familien. In Betrieben und Gewerkschaften fokussieren wir uns nicht auf Ingenieure oder leitende Angestellte, sondern auf die Arbeiter und einfachen Angestellten, deren Lage fast identisch ist mit der der Arbeiter.

Die Organisierung der Jugend

Ein besonderes Augenmerk sollten wir auf die Jugend legen und sie in den verschiedenen Lebensbereichen ansprechen – Schule, Kultur, Sport, aber auch anhand anderer Interessen. Die Jugend ist offener für die Ideen des Kommunismus und beweglicher, in der Regel noch nicht so resigniert oder ideologisch festgefahren – also insgesamt weniger festgelegt. Sie wird außerdem in die Kämpfe der nächsten Zeit besonders involviert sein. Wir können die Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit positiv beeinflussen. Insgesamt ist unser Erfahrungsschatz noch sehr klein, daher werden wir versuchen müssen, über verschiedene Wege Jugendliche zu organisieren. Jugendliche haben jedoch spezifische Bedürfnisse: So kann es sein, dass manche Formen der gegenseitigen Hilfe bei Jugendlichen noch nicht dieselbe Rolle spielen wie bei älteren Arbeitern, da sie nicht im selben Maße mit der staatlichen Bürokratie konfrontiert sind oder sich weniger Sorgen darum machen. Dagegen kann die Jugend über Kultur, Sport oder etwa gegenseitige Nachhilfe viel eher organisierbar sein. Wir müssen in unserer Massenarbeit also immer auch die spezifische Situation Jugendlicher reflektieren. Wir müssen uns außerdem konkreter über Massenorganisationen für Schüler und Studenten Gedanken machen.

Darüber hinaus werden wir uns mit der Frage beschäftigen, inwiefern die Gründung eines Kommunistischen Jugendverbands notwendig ist, um die Arbeiterjugend schon früh auf die Arbeit in der Kommunistischen Partei vorzubereiten.

Umfassende Massenarbeit führt in die Betriebe

Aus strategischer Sicht ist unser Ziel, durch die allseitige Organisierung die Verankerung in den Betrieben zu erlangen. Wir dürfen die Betriebe und die Arbeiter nicht isoliert von anderen Lebensbereichen betrachten. Für den Klassenkampf und besonders in seiner zugespitzten Phase spielen die Betriebe eine besondere Rolle, weil dort die Massen der Arbeiter konzentriert sind und ihre kollektiven Handlungen sowohl effektiv dem Klassenfeind schaden können, als auch große Schritte in der gemeinsamen Erfahrung sind. Diese besondere Bedeutung der Betriebe darf andererseits nicht zu einer ökonomistischen Sichtweise führen, die den politischen Charakter des Klassenkampfs unterschätzt und die ohne Beachtung der Situation und des politischen Ziels auf Betriebskämpfe orientiert. Dabei kann häufig kaum mehr als gewerkschaftliche Arbeit herauskommen.

Betriebe und Gewerkschaften

Die DGB-Gewerkschaften sind heute die größten Massenorganisationen der Arbeiterklasse in Deutschland. Sie sind organisatorisch eigenständig und grundsätzlich demokratisch strukturiert, auch wenn die Demokratie vielfach von den sozialdemokratischen und anderen bürgerlichen Kräften unterminiert wird.

Über viele Wege und Methoden wird in ihnen jedoch die „Sozialpartnerschaft“, die Zusammenarbeit mit dem Kapital, und damit das Kapitalinteresse durchgesetzt. Sie bezeichnen sich als Einheitsgewerkschaften, in denen Arbeiter aller politischen Richtungen vereinigt sein sollen, sie sind aber faktisch sozialdemokratische Richtungsgewerkschaften, in ihrer Geschichte wurden Kommunisten regelmäßig ausgeschlossen. Die DGB-Gewerkschaften sind zudem auch mit dem Staat und mit den Konzernen durch Bündnisse und Personalüberschneidungen eng verbunden. Dennoch ist es unverzichtbar, dass wir Handlungsoptionen innerhalb der Gewerkschaften entwickeln, indem wir die formal demokratischen Strukturen nutzen, stärken und auf ihre Einhaltung drängen. Dadurch können wir für die Gewerkschaften mehr Mitglieder gewinnen und aktivieren und die Durchsetzung der Sozialpartnerschaft durchkreuzen. Unser Ziel muss sein, die Gewerkschaften zu wirklichen Einheitsgewerkschaften auf der Grundlage des Klassenkampfsund damit zu einem wichtigen Antriebsriemen für die Revolution zu machen.

Als Kommunisten streben wir gleichzeitig die Politisierung der Gewerkschaftsbewegung und der dort organisierten Arbeiter an. Die Gewerkschaften dürfen sich nicht auf den engen Rahmen betrieblicher Fragen beschränken, sondern müssen sich als umfassende Organisierung der Klasse für ihre Interessen begreifen, die grundsätzlich zu allen Fragen im Sinne der Arbeiterklasse Stellung beziehen muss, die die Klasse betreffen. Diese Politisierung findet dabei grundsätzlich nicht anders statt als in anderen Formen der Massenarbeit. Sie darf zudem weder, z.B. mit Verweis auf das noch fehlende Bewusstseinsniveau, auf die lange Bank geschoben oder auf ökonomische Fragen beschränkt werden, noch darf sie über das Ziel hinausschießen und die Arbeiter dabei verlieren.

Der Begriff Einheitsgewerkschaften hat aber neben der Einheit verschiedener ideologischer und politischer Strömungen auch die Dimension der Zusammenfassung aller Arbeiter unterschiedlichster Branchen und Sparten in einer Gesamtorganisation. Die Zentralisierung der Gewerkschaften ist somit ein wichtiges Prinzip der Gewerkschaftsbewegung, weil es der Spaltung der Arbeiterklasse in Berufe, Branchen etc. entgegenwirkt. Syndikalistische Vorstellungen, die davon ausgehen, dass voneinander unabhängige Gewerkschaften die richtige Form der Organisierung darstellen, müssen wir bekämpfen, da sie der Vereinheitlichung des Klassenkampfs entgegen stehen. Wir müssen genauer untersuchen, welche Form der Zentralisierung aktuell in den DGB-Gewerkschaften vorherrscht und wie und ob eine Zentralisierung auf Basis des einheitlichen revolutionären Klassenkampfs erkämpft werden kann. Außerdem müssen wir analysieren, inwieweit die Gewerkschaften organisatorisch und politisch mit sozialdemokratischen Organisationen (vor allem mit der SPD, aber auch mit der Partei Die Linke) verbunden sind. Zweifellos stehen ein Großteil der Sekretäre und Mitglieder unter dem ideologischen Einfluss der Sozialdemokratie.

Für den Kampf in den Gewerkschaften gelten dieselben Prinzipien der Massenarbeit, wie sie unten aufgeführt werden – Aktivität, Unabhängigkeit, Solidarität. Zum Teil sind diese Prinzipien auch Bestandteil der Satzungen der Gewerkschaften, was aus ihrer Geschichte resultiert. Uns muss es darum gehen, dass sie auch verwirklicht werden und Formen zu finden, mit denen die Kollegen sie verwirklichen können.

Massenarbeit und die Frage des sozialen Bündnisses

In welchem Verhältnis steht die Massenarbeit zur revolutionären Strategie der Kommunistischen Partei?

Die Räte stellen die historisch gewachsene Form der Organe der Arbeitermacht und daher auch der Diktatur des Proletariats dar. Räte sind Organisationen, in denen Menschen zusammentreten und Gegenmacht organisieren, indem sie die gesellschaftlichen Angelegenheiten kollektiv entscheiden, verwalten und organisieren. Im Sozialismus sind sie entscheidende Strukturen des sozialistischen Staates. Grundlage der Räte ist das gesellschaftliche Bündnis aus den verschiedenen Volksschichten unter Führung der Arbeiterklasse. Dieses Bündnis muss jedoch bereits zuvor, unter kapitalistischen Bedingungen im Kampf, durch die Zusammenführung der verschiedenen Kämpfe unter Einschluss unterschiedlicher Schichten hergestellt werden. Daran schließen sich viele offen Fragen an: Welche Art von Räten sind sinnvoll? Welche Menschen organisieren sich über die Räte? Wie kommen wir von Massenorganisationen zu Rätestrukturen? Welche historischen Erfahrungen gab es mit Räten?

Eine Aufgabe unserer Klassenanalyse muss darin bestehen zu klären, welche Teile der Arbeiterklasse und der anderen Teile des Volkes wir mit unserer Massenarbeit erreichen und welche noch nicht. Wie bringen wir diese unterschiedlichen Volksschichten unter dem Banner der Arbeiterklasse zusammen? Inwieweit können Räte schon vor einer revolutionären Situation gebildet werden? Zum aktuellen Zeitpunkt können wir festhalten, dass wir die Massenarbeit immer unter dem Gesichtspunkt und mit dem Anspruch der Zusammenführung der Kämpfe betrachten und entwickeln müssen.

Prinzipien der Massenarbeit

Wir können drei grundlegende Prinzipien der Massenarbeit benennen, die allgemein für alle Bereiche der Massenarbeit gelten und als grundsätzliche Orientierung unserer Praxis dienen:

a) Aktivität

b) Unabhängigkeit

c) Klassensolidarität

Aktivität

Die Aktivität und Selbsttätigkeit der Menschen in den Massenorganisationen ist das wichtigste Prinzip und die Voraussetzung für die Verwirklichung der beiden anderen Prinzipien.

Die Aktivität muss sich auf alle Aspekte der Organisierung beziehen: Auf die praktisch-strukturellen Fragen, auf die soziale Verbindung zwischen den Menschen, auf alle politischen Fragen und auf die organisatorische Führung. Die Aktivität erstreckt sich also z.B. vom Putzdienst zur Erhaltung der Räumlichkeiten über die gegenseitige Sorge füreinander und die Offenheit, über alle Probleme miteinander sprechen können bis hin zur Erörterung der politischen Fragen und der Führung und Ausweitung der Strukturen.

Die Organisationsformen müssenso entwickelt werden, dass dieses Prinzip nicht nur ein formaler Grundsatz ist, sondern real und praktisch erfahrbar ist. Das kann zum Beispiel durch ein gemeinsames Plenum erreicht werden, dass so gestaltet ist, dass insbesondere Arbeiter, die es oft nicht gewohnt sind, gefragt zu werden, sich äußern können und merken, dass es eine Rolle spielt, ob sie das tun oder nicht.

Die Grundlage der Massenorganisationen kann nur die Demokratie sein. Alles muss von unten diskutiert, durchdacht und mitentschieden werden. Zugleich gelten die kollektiv verabschiedeten Beschlüsse für alle. Auch die Massenorganisationen sollten sich also grundsätzlich nach dem Demokratischen Zentralismus organisieren: Freie Diskussion, demokratische Beschlussfassung und Wahl eventueller Leitungen von unten nach oben, gleichzeitig aber Verbindlichkeit der Beschlüsse. Natürlich gilt dieses Prinzip aber nicht mit derselben Strenge und Disziplin wie in einer Kommunistischen Partei.

Demokratische Strukturen bedeuten auch, dass wir bewusst jede Form von Stellvertretertum durchbrechen müssen. Das gilt in den von uns entwickelten Strukturen, wo wir vor allem darauf achten müssen, dass möglichst alle eine Aufgabe übernehmen und wir nicht alles selbst erledigen. Es gilt aber genauso für bestehende Massenorganisationen, in denen wir wirken. In den Gewerkschaften ist das Stellvertreterwesen besonders verbreitet und institutionell verfestigt. Wir müssen dies besonders aufmerksam erkennen und an allen Stellen wo es uns möglich ist, durch die Aktivierung und Beteiligung der Kollegen zurückdrängen.

Das Prinzip der Aktivität gilt auch für uns selbst in besonderem Maße: Wir müssen in der Massenarbeit die Fleißigsten sein. Wir müssen die sein, die als erste Aufgaben übernehmen, ohne alles an uns zu reißen und selbst zu machen. Die Devise ist, Verantwortung übernehmen ohne zu entmündigen. Wir achten darauf, dass wir den Vorsprung beispielsweise in der Bildung nicht unreflektiert ausleben. Beispielsweise nehmen wir uns beim Schreiben der Zeitung zurück, aber beim Fegen der gemeinsamen Räume nicht. Es ist nicht immer zentral, dass alles schnell und möglichst perfekt abläuft, daher ist es eine falsche Versuchung, die Arbeit durch Studenten professionalisieren zu lassen und damit die Arbeiter außen vor zu lassen.

In den Fragen der Aktivität vorbildlich zu sein, bedeutet auch, immer zuverlässig zu sein und übernommene Aufgaben so gut wie möglich zu erledigen.

Unabhängigkeit

Eine zentrale Eigenschaft der Massenorganisationen ist ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit. Eigenständig hat dabei zwei Bedeutungen: eigenständig, um etwas tun zu können – Selbsttätigkeit – und eigenständig im Sinne der Unabhängigkeit von etwas anderem.

Eigenständigkeit im Sinne der Selbsttätigkeit heißt: Wir machen das selbst, es ist nicht schon alles da. Wir sammeln selbst Erfahrung im Planen, Organisieren und Umsetzen. Wie oben beschrieben, kann die Revolution nur das Werk der Arbeiterklasse sein, die Selbsttätigkeit und Aktivität ist daher ein wichtiges Element der Massenarbeit, die wir ganz konkret beachten und umsetzen müssen. Als Betriebsrat müssen wir vermeiden, dass die Kollegen denken „der macht das schon für mich“. Bei der gegenseitigen Hilfe müssen wir, wenn wir mehr Wissen haben als andere, darauf achten, nicht alle Anträge selbst auszufüllen oder die Papiere zu sortieren, weil es schneller geht oder wenn es um eine Wandzeitung im Betrieb geht, die Artikel in der Zeitung lieber selbst zu schreiben, weil man es gewohnt ist und eh besser schreiben kann.

Eigenständig im Sinne der Unabhängigkeit von Staat, bürgerlichen Einrichtungen aller Art heißt vor allem finanzielle und materielle Unabhängigkeit. Das ist ein in der Praxis nicht leicht zu vermittelnder Punkt, da nicht alle Formen, in denen der Klassenfeind auftritt (ob als Quartiersmanagement, Kulturamt, Stiftung usw.), von den Arbeitern direkt als solche erkannt werden und kein ausreichendes Bewusstsein vorhanden ist, warum es ein Problem sein sollte, von der Stadt Geld zu bekommen wenn man damit den Raum finanzieren kann.

Kernpunkt der Unabhängigkeit ist die finanzielle und im weiten Sinne materielle Unabhängigkeit. Geld, aber auch Räume, technische Mittel und geschäftlich günstige Beziehungen sind jedoch Mittel, um den Einfluss des Staates auf Vereine, Gewerkschaften oder andere Formen zu sichern. Auch dauerhafte größere Spenden von Unternehmen oder Einzelpersonen sind Einfallstore für die Anpassung an fremde Interessen. Spenden ohne jede Bedingung können zwar nützlich sein. Aber drei aktive und bewusste Arbeiter sind viel mehr wert als drei großzügige Spender. Die Orientierung muss sein: Wir können das selbst! Durch die Beteiligung vieler Menschen an der Organisierung kann man große Potentiale an freiwilliger Arbeit und auch finanzieller Beteiligung erreichen.

Das Prinzip der Unabhängigkeit und Eigenständigkeit gilt auch gegenüber der Kommunistischen Organisation/Partei. Das ist die Bedingung für die Offenheit der Massenorganisation und zugleich für die Avantgarde-Rolle der Partei. Grundsätzlich gilt, dass die Funktionen der Organisationen unterschiedlich sind und sie deshalb nicht identisch sein können, auch wenn sie eine organische Verbindung haben müssen und in gewisser Hinsicht im Kampf eine Einheit darstellen müssen. Diese Einheit kann aber nicht von oben dekretiert werden, sondern muss sich organisch durch die Einsicht der kämpfenden Arbeiter entwickeln. Entscheidungen müssen in den Massenorganisationen kollektiv und demokratisch getroffen werden, wobei in Abstimmungen die Stimmen der teilnehmenden Kommunisten nicht mehr und nicht weniger gelten können als die aller anderen. Den Kampf vor Ort führen wir als vollwertige Mitglieder der Massenorganisation, indem wir versuchen, andere Mitglieder von unseren Positionen zu überzeugen. Der ideologische Kampf, der überall geführt werden muss, muss offen diskutieren, alle Fragen ansprechen, alle Widersprüche benennen können. Kommunisten können sich nicht zurücklehnen und sich auf Parteitagsbeschlüsse beziehen und damit vermeintlich Fragen beantwortet haben. Unser Ziel ist, dass die Kommunistische Organisation/Partei und ihr Programm so weit wie möglich verbreitet ist, dass ihre Ziele hegemonial in der Arbeiterbewegung sind, dass opportunistische und reformistische Kräfte zurückgedrängt werden. In Massenorganisationen führen wir den ideologischen Kampf als Mitglieder der KO/KP, als Kommunisten, aber nicht als delegierte Stellvertreter, sondern als aktive und vorangehende Teile der Massenorganisation. Das heißt auch konkret, dass es sein kann, dass wir diesen Kampf verlieren, dass wir von uns aufgebaute Strukturen der Massenorganisation verlieren, wenn andere politische Kräfte darin die Oberhand erlangen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns möglichst gut aufstellen und als Kommunisten systematisch mit den Fragen der Massenarbeit beschäftigen.

Das bedeutet aber umgekehrt auch nicht, dass wir in der Kommunistischen Organisation nicht darüber reflektieren, was in den Massenorganisationen gemacht wird und wie die Rolle von Genossen in den Massenorganisationen ist. Entschieden wird aber in der Massenorganisation. Dort wollen wir die Eigenständigkeit und Offenheit der Debatte – zum einen damit sich möglichst alle Arbeiter an der Debatte beteiligen und ihre Sichtweise darlegen, aber auch damit wir diese Diskussionen führen können und nicht ausgeschlossen werden. Wir lehnen Mauschelei ab – alles muss offen und transparent benannt werden. Dabei ist die oberste Disziplin für unsere Genossinnen und Genossen trotzdem die der Kommunistischen Organisation/Partei. Nur die KP hat die Fähigkeit, die Verhältnisse zu durchschauen und die Gesamtsituation besser zu überblicken.

Es gibt also auf der einen Seite eine notwendige klare organisatorische Trennung zwischen Partei und Massenorganisationen. Auf der anderen Seite sind sie nicht hermetisch voneinander abgeriegelt. Wir dürfen sie nicht getrennt voneinander denken und voneinander abschotten. Es ist ein Fehler, die Kommunistische Organisation/Kommunistische Partei aus Angst oder Unsicherheit von den Arbeitern zu trennen, erst viel später mit ihnen über kommunistische Standpunkte zu sprechen und dadurch der Hebung ihres Bewusstseins eine Grenze zu setzen.

Das Prinzip der finanziellen Unabhängigkeit der Massenorganisationen gilt vollständig auch gegenüber der Kommunistischen Organisation bzw. Partei. Es ist fatal, wenn sich zwischen den Massenorganisationen und der KP ein Abhängigkeitsverhältnis entwickelt. Denn das führt dazu, dass die Massenorganisation als Anhängsel der Kommunisten wahrgenommen wird und damit weniger Arbeiter in sich vereinen wird. Wir müssen also darauf achten, zu keiner Zeit aus Pragmatismus die finanziellen Mittel der KO bzw. der Partei zu nutzen, z.B. um der Massenorganisation eine Anschaffung zu ermöglichen, die sonst nicht möglich wäre.

Die Arbeiterklasse muss die verschiedenen politischen Kräfte und ihre Lösungsvorschläge erkennen und einordnen können. Es muss deutlich werden, wer welchen Weg vorschlägt, wer welche Organisation entwickelt und was das für das Ziel der Arbeiterklasse bedeutet. Das muss gerade in konkreten Auseinandersetzungen erkennbar sein. Weil für die Arbeiterklasse der Unterschied zwischen den Kräften, die auf Scheinlösungen und Illusionen setzen und der kommunistischen Partei/Organisation sichtbar sein muss, sind Bündnisse mit anderen Organisationenproblematisch und eine Teilnahme muss deshalb mit besonderer Verantwortung gegenüber den konkreten Anforderungen des Klassenkampfs und auf Grundlage einer sorgfältigen Analyse dieser Kräfte entschieden werden. Das heißt, dass wir auch auf der Ebene der Massenorganisationen darauf hinwirken müssen, Bündnisse mit Organisationen abzulehnen, die bürgerliche und konterrevolutionäre Einflüsse unter den Massen verbreiten.

Solidarität

Solidarität ist der (bewusste oder unbewusste) Ausdruck davon, dass der Mensch ein gesellschaftliches Wesen ist und ohne andere Menschen nicht existieren kann. Uns geht es aber nicht um irgendeine Art der Solidarität, sondern, da wir in einer kapitalistischen Klassengesellschaft leben, um die Klassensolidarität. Klassensolidarität basiert immer auf dem Verständnis, dass man einer Klasse angehört und gemeinsame Interessen mit ihr hat. Wir streben also die Solidarität aller Arbeiter an, der Arbeiter jeder Nationalität, Religion, Geschlecht und sozialen Lage, um die Spaltung der Klasse zu überwinden. Die vorhandene Spaltung der Klasse an allen erdenklichen Spaltungslinien ist eines der wichtigsten Mittel der herrschenden Klasse zur Absicherung ihrer Herrschaft. Nur wenn man Gelegenheiten schafft, sich kennen zu lernen und einander zu vertrauen, dann kann man solche Vorurteile abbauen und eine solidarische Haltung zueinander aufbauen.

Im Umgang mit unsolidarischen Verhaltensweisen sollten wir zwei Fehler vermeiden: Betonte politische Korrektheit und übertriebene Empörung an der falschen Stelle verhindern das Kennenlernen, den Aufbau von Vertrauen, sie lenken ab und sind damit Ausdruck einer falschen Intoleranz. Auf der anderen Seite kann aber auch zu viel Toleranz, z.B. gegenüber gezielter rassistischer Hetze, zum Problem werden und Ausdruck einer opportunistischen Konfliktvermeidung sein. Zusammenfassend kann man sagen, dass es auch unsere Aufgabe ist, einen solchen Umgang mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit innerhalb der Arbeiterbewegung zu finden, der aufklärerisch ist und nicht durch simple Ausschlüsse geradewegs in Sektierertum führt. Natürlich gibt es auch Frauenfeindlichkeit in der Arbeiterklasse, daran ändern wir aber nichts, indem wir unsere Klassenbrüder hinausdrängen, sondern nur, indem wir gemeinsam dagegen vorgehen.

Die Rolle der Kommunisten in der Massenarbeit

Das Verhältnis der Kommunistischen Organisation/Partei zu den Massenorganisationen

Wir gehen davon aus, dass es in Deutschland im Moment keine organisierte Kraft gibt, die die Organisierung der Arbeiterklasse zum Sturz der Bourgeoisie vorantreibt. Es gibt also keine Kommunistische Partei, die sich auch in der Praxis als Avantgarde der Arbeiterklasse beweisen kann. Um den Kampf gegen den Kapitalismus führen und gewinnen zu können, braucht die Arbeiterklasse aber nicht nur Massenorganisationen. Sie braucht dafür auch die Kommunistische Partei, die als Träger der wissenschaftlichen Weltanschauung und organisierter Kern der fortgeschrittensten Personen aus der Arbeiterklasse den Klassenkampf führen kann.

Der wichtigste Unterschied zwischen Massenorganisationen und der Kommunistischen Organisation besteht darin, dass die Kommunistische Organisation die Grundlage für den Aufbau der kommunistischen Partei darstellt, die kommunistische Partei aber die höchstentwickelte Form der Organisation der Arbeiterklasse ist. Sie hat den Gesamtblick für den Klassenkampf der Arbeiterklasse, sie vereinigt die verschiedenen Anforderungen des Klassenkampfs – des ökonomischen, politischen und ideologischen. Sie umfasst die Kader, die am meisten diszipliniert und geschult sind und den Kampf anführen können. In ihr sind die Revolutionäre organisiert, die das gemeinsame politische Ziel verfolgen. Sie ist damit keine Massenorganisation, auch wenn Massen im Sinne von vielen Menschen darin organisiert sein können. Massenorganisationen in dem hier gemeinten Sinne sind dagegen Sammelorganisationen für alle Arbeiter – unabhängig von ihrer politischen Überzeugung, solange sie bereit sind, für ihre Interessen mit ihren Klassenbrüdern einzutreten.

Die Kommunistische Partei, die wir aufbauen wollen, ist die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse. Das heißt, dass sie die Klasse am besten organisieren und führen kann und natürlich zu einem Großteil aus Arbeitern bestehen sollte, insbesondere in der Führungsspitze. Das heißt aber nicht, dass Angehörige anderer Schichten nicht Mitglied sein können und nicht eine wichtige Rolle spielen können. Unser Auftrag ist der politische Kampf der Klasse und dafür alle Kräfte zu sammeln, die ihn führen oder unterstützen.

Die Kommunistische Organisation/Partei ist überhaupt die Voraussetzung für die Existenz eigenständiger Massenorganisationen. Ohne die bewusste, politische Kraft gibt es keine Organisationen, mit denen die Arbeiter ihren Kampf entfalten können. Auch historisch können wir sehen, dass die wesentlichen Impulse für die Schaffung von Gewerkschaften und anderen Formen der Organisierung der Arbeiter in der Regel von revolutionären Kräften ausgingen. Es ist also falsch, anzunehmen, dass sich aus der Zunahme der Kämpfe heraus die richtigen Formen automatisch ergeben werden oder dass erst ein Aufschwung der Kämpfe stattfinden muss, damit die Kommunisten daran anknüpfen und wirksam werden können. Wir können und müssen bereits jetzt Formen der Organisierung der Arbeiterklasse entwickeln, gerade um auf alle möglichen gesellschaftlichen Entwicklungen, auf Auf- und Abschwünge der Kämpfe vorbereitet zu sein. Unser Ziel ist dabei die bewusste, strukturierte und planvolle Führung des Kampfs der Arbeiterklasse.

Wir sind also nicht nur ein stiller beobachtender Teil der Massenarbeit, sondern wir bringen uns aktiv und kreativ in diese Projekte ein. Wir beobachten die Arbeiter und diskutieren mit ihnen. Wir entwickeln Einschätzungen zu den Menschen in unserem Umfeld und machen Werbung für unsere Organisation. Die Fähigen und Interessierten, werden wir dann zu Unterstützern, Kandidaten und später Mitgliedern machen. Vieleunserer zukünftigen Kader sollten aus der Massenarbeit rekrutiert und aufgebaut werden.

Die Wege, über die wir Menschen aus der Massenarbeit näher an die KO binden, werden wir mit der Entwicklung unserer Massenarbeit weiterentwickeln. Wir wollen, dass die Annäherung von Menschen an unsere Organisation kein zufälliger, sondern ein organisierter Prozess wird. Die Massenorganisationen werden beispielsweise in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen stehen, in konkreten Kämpfen – und in diese Kämpfe müssen wir als KO Vorschläge für das weitere Vorgehen einbringen. Wir können auch durch Schulungsangebote für die Massenorganisationen (Arbeiterschulungen, Vorträge, Diskussionsabende usw.) das Bewusstsein der Arbeiter heben und die Bewusstesten unter ihnen durch Extra-Schulungen an unsere Ziele heranführen. Ein wichtiger Punkt ist dabei die Vermittlung historischer Erfahrungen.

Wir sind keine perfekten Kader und treten auch nicht als solche auf. Wir sind normale Menschen, die auch über ihre Probleme sprechen, wir sind Menschen mit Ecken und Kanten, die darüber reflektieren und anstreben, besser zu werden. Das bedeutet nicht, dass wir uns gehen lassen können und aus dem Blick verlieren, dass wir als Kommunisten bestimmten Anforderungen der Organisation genügen müssen. Wir üben Kritik und Selbstkritik auch in den Massenorganisationen – nicht als formalen Tagesordnungspunkt, jeder sagt, wann er zu spät gekommen ist. Kritik und Selbstkritik heißt offener und ehrlicher Umgang mit Mängeln sowohl der Organisation, als auch der eigenen Tätigkeit und Persönlichkeit und sollte Bestandteil all unserer Aktivitäten sein. Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Authentizität sind die Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum geht, mit der Arbeiterklasse auf Tuchfühlung zu gehen. Wenn wir uns verstellen, wird das auffallen und den Aufbau von Vertrauen behindern.

Zusammenführung der Massenorganisationen

Die direkte Verzahnung der verschiedenen Formen der Massenarbeit streben wir an, aber wir forcieren sie nicht künstlich. Sie sollen organisch miteinander verwachsen. Es muss aktuell ein Verwachsen über Individuen, nicht über Organisationen sein. In einem späteren, entwickelten Stadium wird es notwendig sein, auch bundesweite Zusammenschlüsse unserer Massenarbeit zu entwickeln um die Klasse insgesamt zusammenzuführen. Jeder von uns und auch die Menschen, die wir in der Massenarbeit organisieren, sollen die Prinzipien der Aktivität, Unabhängigkeit und Solidarität vertreten und überall dort verbreiten, wo sie Zugang haben. Wir schaffen keine neue Szene Gleichgesinnter, wir wollen in alle Sphären der Gesellschaft hineinwachsen. Das bedeutet, dass es durchaus möglich und richtig ist, wenn die Massen in mehreren Massenorganisationen aktiv sind – z.B. beim Arbeitersport und im Stadtteiltreff, der Gewerkschaft und der gegenseitigen Hilfe. Dadurch wird es einen lebendigen Austausch zwischen den Massenorganisationen durch die einzelnen Organisierten geben. Dieser Austausch kann zur Verbindung und gegenseitigen Unterstützung von Kämpfen führen.

Die Organisierung entlang ökonomischer, sozialer und kultureller Belange ist selbst eine politische Frage. Dies schließt Angebote wie offene Treffen gegen Krieg, zur Palästina-Solidarität oder einen Zusammenschluss für antifaschistischen Selbstschutz nicht aus. Auch dies kann Massenarbeit sein, ohne dass die Grundsätze der Demokratie und Unabhängigkeit dabei außer Kraft gesetzt werden sollten. Ob und wann solche direkten Angebote zu politischen Fragen Sinn machen, ist eine konkrete praktische Frage, die konkret beantwortet werden muss. Insgesamt müssen wir noch weitere Erfahrungen sammeln, um die Sinnhaftigkeit solcher Formen der Massenarbeit besser beurteilen zu können.

Agitation und Propaganda

Agitation und Propaganda hängen eng miteinander zusammen und dürfen nicht künstlich getrennt werden. Weder das eine noch das andere darf ein einseitiges Übergewicht bekommen. Mit der Propaganda verbreiten wir die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, wenden sie auf die konkreten Verhältnisse und ihre Entwicklung an und begründen die Notwendigkeit des Sozialismus. Die Propaganda zeigt den Gesamtzusammenhang auf, sie ist klar und auf den Punkt. Propaganda ist schonungslose, wissenschaftliche Aufklärung über die Verhältnisse. Agitation versucht dagegen, anhand von allgemein bekannten gesellschaftlichen Entwicklungen die Massen zu mobilisieren und die Notwendigkeit des Sozialismus nur allgemein aufzuzeigen, ohne sie umfassend zu begründen. Agitation setzt also mehr auf Skandalisierung, auf das Schüren von Wut und Hass auf die Verhältnisse. Agitation richtet sich an breitere Teile der Arbeiterklasse deshalb, weil zum Verständnis kommunistischer Propaganda schon gewisse Erkenntnisse über die gesellschaftlichen Verhältnisse vorausgesetzt werden. Propaganda richtet sich deshalb aber nicht nur an Intellektuelle. Sowohl unsere Agitation als auch unsere Propaganda richtet sich an die Arbeiterklasse.

Die Agitation führt zur Aktion, indem sie die Massen organisiert und mobilisiert mit dem vordringlichen Ziel, den Klassenkampf zu erkennen und zu führen. Die Kraft der Agitation liegt darin, dass sie offen und direkt die Verhältnisse anprangert und Ross und Reiter benennt. Sie stützt sich auf ein systematisches Studium der Erfahrungen der Massen und der Hintergründe der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Agitation entwickeln wir auch als Kommunistische Organisation/Partei (also nicht nur über die Massenorganisationen) und nutzen dafür die gesammelten Erfahrungen und unsere Strukturen der Massenorganisationen. Wir betreiben sie aber auch jederzeit im Alltag, als individueller Kommunist. Agitation dient uns darüber hinaus als Schule und Prüfstein für unsere Fähigkeiten in der Tuchfühlung mit der Klasse. Wir schärfen unsere Argumente, lernen über die Bewusstseinslage der Arbeiterklasse und wie und an welchen Punkten diese für uns zu gewinnen ist. Agitation ist niemals Belehrung. Agitation ist Skandalisierung und Aktivierung, tagtäglich und in allen Bereichen des sozialen Lebens. Eine erfolgreiche Agitation setzt also eine große Nähe zur Arbeiterklasse voraus: Nur wenn ich weiß, welche Geschehnisse die Arbeiter aus meinem Viertel umtreiben, werde ich sie erfolgreich im Gespräch darüber auf den Grundwiderspruch und auf die Notwendigkeit stoßen können, diese Verhältnisse umzustürzen, ohne in revolutionäre Phrasen zu verfallen, mit denen man seine Gesprächspartner eher abhängt.

Die Arbeiterklasse für den Klassenkampf und die sozialistische Revolution zu organisieren, ist für uns alle eine riesige Aufgabe. Wir stehen dabei erst ganz am Anfang und es fällt uns vielleicht noch schwer, uns vorzustellen, wo uns dieser Weg in den kommenden Jahren und Jahrzehnten hinführen wird. Gleichzeitig wissen wir, dass es dazu schlicht keine Alternative gibt – denn der Kapitalismus hat uns nichts zu bieten und uns wird auch niemand anders dieses barbarische System vom Hals schaffen. Wir brauchen für diese Herausforderung jeden und jede. Bauen wir die Arbeiterbewegung und die Kommunistische Partei wieder auf!