Vorwort

Für Kommunisten dürfte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sie möglichst viele Menschen erreichen und organisieren müssen, dass sie Teil der Arbeiterbewegung sind. Wie Marx sagte, geht es darum, die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie zu verändern. Und das geht nur, wenn die Volksmassen und vor allem die Arbeiterklasse ihre Lage erkannt hat und weiß, wie sie handeln kann.

Was aber ist das Ziel der Arbeiterklasse, was ist ihre historische Aufgabe und wie ist diese mit den konkreten Anforderungen und Auseinandersetzungen zu verbinden? Welche Rolle spielt dabei die Kommunistische Partei und wie muss sie aufgestellt sein? Was ist überhaupt unter Klassenkampf zu verstehen und warum ist dieses Verständnis bedeutend für die Frage der Praxis? Und wie kann diese Aufgabe hier und jetzt, in dieser historischen Situation in der wir uns befinden, konkret angegangen werden? Das sind Fragen, die im Zentrum der Kommunistischen Bewegung stehen und umstritten sind.

Nachdem wir uns im vergangenen Jahr konstituiert haben und Programmatische Thesen verabschiedet haben, sowie im Januar dem aus unserer Sicht notwendigen Klärungsprozess in der Kommunistischen Bewegung mit dem Bolsche-Wiki einen Rahmen gegeben haben, beschäftigt sich der Leitantrag der Kommunistischen Organisation zu ihrer 2. Vollversammlung mit der Frage der Arbeit in den Massen. Er wird in der Organisation die nächsten Monate diskutiert und mit Sicherheit qualifiziert werden. Wir wollen die Thesen dieses Leitantrags aber auch öffentlich zur Diskussion stellen und wünschen uns Anregungen, Hinweise und vor allem Kritik. Denn uns ist bewusst, dass wir nur über einen eingeschränkten Erfahrungs- und Wissensschatz verfügen. Deshalb suchen wir die Auseinandersetzung und die Debatte. Wir würden uns freuen, Kommentare und Kritiken von anderen Organisationen oder Einzelpersonen zu erhalten und damit die Auseinandersetzung um diese Fragen vorantreiben zu können.

Neben den hier veröffentlichten Thesen beschäftigen wir uns auch mit unseren Organisationsstrukturen und wie wir sie für die Massenarbeit aufstellen können.

Im ersten Abschnitt beschäftigen wir uns mit der Frage, was wir eigentlich unter Klassenkampf verstehen und welche Konsequenzen wir daher für unsere Orientierung in der Praxis ziehen müssen.

Im zweiten Abschnitt beschäftigen wir uns dann konkreter mit der Frage, wie die Organisierung der Massen durch kommunistische Massenarbeit entwickelt und vorangetrieben werden kann. Auf Basis einer Beschreibung der gesellschaftlichen Situation und der Notwendigkeit der Organisierung entwickeln wir Begriffe wie Massenorganisationen, Massenarbeit und die zugehörigen Prinzipien. Außerdem gehen wir auch ausführlich auf das Verhältnis der Kommunistischen Organisation zu Massenorganisationen und die Aufgaben der einzelnen Kommunisten ein.

Inhaltsverzeichnis

Abschnitt 1: Politische Begründung

Unser Ziel: Den Klassenkampf organisieren und gewinnen

Bevor wir uns der Frage zuwenden, was wir unter Massenarbeit verstehen und was ihre Prinzipien sind, müssen wir die Frage beantworten, was unser Ziel ist und was die historische Aufgabe der Arbeiterklasse ist. Wir verstehen unter Massenarbeit nicht einen separaten Bereich unserer Arbeit. Wir verstehen darunter auch nicht eine mögliche Arbeit von einigen Genossen, während andere damit nichts oder nicht viel zu tun haben. Wir verstehen darunter auch nicht „Praxis“ im Unterschied zu und losgelöst von „Theorie“. Klassenkämpferische Massenarbeit und Massenorganisationen wie wir sie verstehen, sind auch nicht getrennt oder losgelöst von der Kommunistischen Organisation zu verstehen. Ohne diese wird es sie nicht geben und anders herum wird die Kommunistische Partei ohne Massenarbeit und Massenorganisationen keine revolutionäre Vorhut, nicht die höchste Organisationsform des Proletariats sein können. Es geht um den Klassenkampf des Proletariats und seine Gesetzmäßigkeiten.

Die Arbeiterklasse nimmt einen besonderen Platz in der Geschichte der Menschheit ein. Entstanden und hervorgebracht durch die Bourgeoisie und ihre kapitalistische Produktionsweise kann sie sich von ihrer Unterdrückung und Ausbeutung nur befreien, in dem sie die Kapitalistenklasse stürzt, die Macht in die eigenen Hände nimmt und den Sozialismus errichtet. Durch die Entwicklung der Produktivkräfte muss es zum Sozialismus – zur Vergesellschaftung der Produktionsmittel – kommen, aber es kommt nicht von alleine dazu. Dazu ist die revolutionäre Tat des Proletariats, ja der gesamten Klasse notwendig. Das bedeutet, dass die Klasse das Bewusstsein erlangen muss, um das zu erkennen und das auch ausführen, umsetzen zu können. Es kann nicht das Werk einer kleinen verschworenen Gemeinschaft sein, sondern muss das Werk der Arbeiter sein. Sie müssen in ihrem Kampf die Macht in die eigenen Hände nehmen und die neue Gesellschaft errichten. Damit sie in der revolutionären Situation dazu in der Lage sind, müssen bereits vorher Erfahrungen in Massenorganisationen gesammelt werden können.

Was ist also die Aufgabe von Kommunisten bei der Arbeit in den Massen? Was ist ihr Ziel? Unser Ziel muss die Politisierung der Massen, die Hebung ihres Bewusstseins sein. Bewusstsein darüber, dass das Ziel ihres Kampfs nur der Sturz der Kapitalistenklasse sein kann und sie sich dafür unter Führung der Kommunistischen Partei zusammenschließen und organisieren müssen.

Was verstehen wir aber überhaupt unter Klassenkampf?

Mit dieser Frage sind wir im Zentrum der Auseinandersetzungen der kommunistischen Bewegung, der revolutionären Arbeiterbewegung seit es sie gibt. Wir sind bei der Frage, was die Arbeiterklasse eigentlich machen soll, was ihre historische Aufgabe ist. Wir sind bei der Frage, soll sie die Macht erobern und was heißt das? Soll sie eine antimonopolistische Ordnung anstreben in einem Klassenkompromiss mit der Bourgeoisie, über die Wege des vorhandenen Staates der Bourgeoisie? Oder muss sie ihre eigene Macht errichten, den bürgerlichen Staat zerschlagen und den Sozialismus aufbauen? Oder lassen wir diese Frage unbeantwortet und machen es von der Entwicklung der Bewegung und den dann vorhandenen Kräfteverhältnissen abhängig?

Wir halten die Strategie der antimonopolistischen Übergangsetappe für falsch – nicht nur weil sie den grundlegenden Erkenntnissen des Kampfs der Arbeiterklasse widerspricht, sondern weil sie deshalb auch diesem Kampf eine falsche Orientierung gibt, weil sie ihn in der zentralen Frage, die Frage der Macht, falsch beantwortet oder darin unklar bleibt. Das führt dazu, entweder doch direkt auf eine reformistische Perspektive zu orientieren oder den Klassenkampf davon einfach zu trennen, ihn nicht mit dieser Frage zu verbinden. Damit rutscht der Begriff des Klassenkampfs auf ein ökonomistisches Verständnis ab.

Wir bestimmen Klassen zunächst ökonomisch, also durch die Position in den Produktionsverhältnissen und vor allem durch das Verhältnis zu den Produktionsmitteln. Die Arbeiterklasse besitzt keine Produktionsmittel und wird ausgebeutet, die Bourgeoisie besitzt sie und beutet die Arbeitskraft aus. Beide Klassen stoßen ständig gegeneinander, sie befinden sich in einem beständigen Kampf. Die Arbeiterklasse agiert jedoch nicht automatisch als organisierte Kraft, sondern oft in spontanen Kämpfen hier und dort. Die Kapitalistenklasse steht der Arbeiterklasse aber als organisierte Macht, in Form des Staates, gegenüber. So wie jede unterdrückte Klasse in der Geschichte kämpfen Arbeiter gegen die Bedingungen, in denen sie leben und arbeiten müssen, gegen die direkten Auswirkungen ihrer Ausbeutung – so wie jede herrschende Klasse in der Geschichte bekämpft die Bourgeoisie die Regungen der Arbeiter, um ihre Herrschaft abzusichern. Das musste auch die Bourgeoisie hinnehmen, sie konnte irgendwann nicht mehr ignorieren, dass es die Arbeiterklasse gibt, dass die Arbeiter sich zusammenschließen und sich wehren. Dass die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Ausbeutungsbedingungen nicht einfach so hinnehmen, sich zusammenschließen und Widerstand leisten, haben die Kapitalisten längst akzeptiert und versuchen sie soweit wie möglich zu regulieren und zu begrenzen. Wenn es nach der Bourgeoisie ginge, könnte die Geschichte immer so weiter gehen.

Die wesentliche Lehre aus den Kämpfen der Klasse ist aber, dass es nicht immer so weiter gehen kann, sondern dass die Arbeiterklasse um sich zu befreien, die Kapitalisten stürzen muss. Dafür ist bewusste, organisierte und kollektive revolutionäre Tat notwendig. Diese kann nicht das Werk einzelner Verschwörer sein, sondern muss das Werk der Massen sein. Sie muss das Ziel der Staatsmacht haben, sonst bleibt die Bourgeoisie an der Macht. Das ist das Wesen des Klassenkampfs des Proletariats, das ist der marxistische Begriff davon.

Engels schrieb 1895 eine Einleitung von Marx‘ Werk „Klassenkämpfe in Frankreich von 1848 bis 1850“ und reflektierte die Entwicklung der Klassenkämpfe seiner Zeit: „Haben sich die Bedingungen geändert für den Völkerkrieg, so nicht minder für den Klassenkampf. Die Zeit der Überrumpelungen, der von kleinen bewussten Minoritäten an der Spitze bewusstloser Massen durchgeführten Revolutionen ist vorbei. Wo es sich um eine vollständige Umgestaltung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Massen selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum es sich handelt, für was sie mit Leib und Leben eintreten. Das hat uns die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gelehrt. Damit aber die Massen verstehen, was zu tun ist, dazu bedarf es langer, ausdauernder Arbeit, und diese Arbeit ist es gerade, die wir jetzt betreiben, und das mit einem Erfolg, der die Gegner zur Verzweiflung bringt.“ (Karl Marx/Friedrich Engels – Werke, Band 22, S. 523, Dietz Verlag Berlin 1972)

Die Aufgabe der Massenarbeit ist es, Bewusstsein dafür zu entwickeln, was zu tun ist und dass es für den Kampf schlagkräftige Organisationen der Klasse braucht, so dass die Massen wie ein Trupp aufgestellt sind. Dafür muss also die Frage – was ist zu tun – hier im gesamthistorischen Zusammenhang gemeint, beantwortet sein. Es braucht Klarheit über das Ziel und über den Begriff des Klassenkampfs, weil sonst die Unterordnung unter das politische Ziel der Bourgeoisie stattfindet. Wer nicht wirklich, sondern nur in Worten auf die Macht und auf den Aufbau eines sozialistischen Staates orientiert, wird nicht die Selbsttätigkeit der Massen, ihre Eigenständigkeit heute schon als Stellschraube für die revolutionäre Massenarbeit begreifen und setzen. Revolutionäre Massenarbeit verbindet das Ziel der sozialistischen Revolution hier und jetzt mit der praktischen Organisierung der Massen.

In der andauernden Konfrontation zwischen der Arbeiterklasse und der Bourgeoisie liegt auch immer der Keim für den Klassenkampf, wie wir ihn meinen. Deshalb muss die Bourgeoisie durch Manipulation, durch Spaltung und Repression, durch Scheinzugeständnisse und Täuschung die Entfaltung des Klassenkampfs ständig und immer aufs Neue abwenden. Streik und andere Formen des ökonomischen Kampfs sind Keimformen des Klassenkampfs. In ihnen ist also das Potential enthalten zur Entfaltung des gesamten, politischen Kampfs der Klasse. Aber eben nur das Potential, nur der Keim. Das Interesse der Bourgeoisie ist, dass dieser Keim nicht zur Entfaltung kommt, sondern Keim bleibt, beschränkt und begrenzt bleibt. Beschränkt im politischen Sinne, also nicht über Tarifforderungen, Arbeitszeitfragen, etc. hinausgeht. Begrenzt im praktischen Sinne, also nicht über eine Branche, einen Betrieb oder verschiedene Teile der Bevölkerung hinausgeht.

Das Interesse der Arbeiterklasse ist, dass der Kampf entfaltet wird, dass alle Zusammenhänge, in denen er steht, aufgezeigt werden, dass er vor allem die politische Frage der Verhältnisse aufwirft, die die Grundlage für die Notwendigkeit zum Streik sind. Also dass die Lohnfrage ins Verhältnis gesetzt wird zur gesamten Lage des Proletariats, zur politischen Herrschaft der Bourgeoisie, zu ihrem Staat, der die Ausbeutungsverhältnisse absichert. Das heißt nicht, dass jedem Streik die Forderung nach der Räterepublik aufgestülpt werden soll, das wäre lächerlich. Aber dass die Arbeiter in den Kämpfen erkennen müssen, dass es um mehr gehen muss – ungeachtet dessen, ob sie diesen Kampf gewinnen oder verlieren. Sie müssen erkennen, dass sie einer organisierten Klasse gegenüberstehen und sich deshalb langfristig und diszipliniert organisieren müssen. In eigenständigen Massenorganisationen, die in enger Verbindung mit der Organisation der Revolutionäre stehen, kann diese Erfahrung in die Erkenntnis münden, dass die Macht der Arbeiterklasse die einzige Lösung ihrer Probleme ist und wie sie dorthin kommen können und welche Rolle dabei der einzelne Streik spielen kann. Eine Organisation, die alle Kämpfe der Klasse verbindet, die durch die praktische Verbindung den gesamten Charakter greifbar macht und die Kämpfenden praktisch miteinander verbindet durch Solidaritätsaktionen, durch gemeinsame Manifestationen, durch die Partei. Unsere Aufgabe ist, überall Keimformen zu entwickeln und sie zum Klassenkampf zu entwickeln, sie zu politisieren, damit die Massen durch Erfahrung lernen und bereit sind, dieses Ziel zu erreichen.

Lenin schrieb 1913 unter den Bedingungen des weiteren Aufschwungs der revolutionären Bewegung in Russland: „Die Frage des Klassenkampfes ist eine der Grundfragen des Marxismus. Deshalb lohnt es sich, gerade auf den Begriff vom Klassenkampf ausführlicher einzugehen. Jeder Klassenkampf ist ein politischer Kampf. Bekanntlich haben die in den Ideen des Liberalismus befangenen Opportunisten diese bedeutsamen Worte von Marx falsch verstanden und verzerrt interpretiert. Zu den Opportunisten gehörten beispielsweise die ‚Ökonomisten’, die älteren Brüder der Liquidatoren. Die ‚Ökonomisten’ meinten, dass jeder beliebige Zusammenstoß zwischen den Klassen schon ein politischer Kampf sei. Die ,Ökonomisten’ erkannten daher als ,Klassenkampf’ den Kampf für einen Aufschlag von 5 Kopeken je Rubel an, ohne den höheren, entwickelten, gesamtnationalen politischen Klassenkampf sehen zu wollen. Die ‚Ökonomisten’ erkannten also die Keimformen des Klassenkampfes an, verneinten ihn jedoch in seiner entfalteten Form. Die ‚Ökonomisten’ erkannten, anders ausgedrückt, im Klassenkampf nur das an, was vom Standpunkt der liberalen Bourgeoisie am ehesten erträglich war, während sie sich weigerten, weiter zu gehen als die Liberalen, sich weigerten, den höheren, den für die Liberalen unannehmbaren Klassenkampf anzuerkennen. Die ‚Ökonomisten’ wurden damit zu Vertretern einer liberalen Arbeiterpolitik. Die ‚Ökonomisten’ sagten sich damit von der marxistischen, der revolutionären Auffassung vom Klassenkampf los. Weiter. Nicht genug damit, dass der Klassenkampf nur dann echt, konsequent, entfaltet ist, wenn er den Bereich der Politik erfasst. Auch in der Politik kann man sich entweder auf unbedeutende Einzelfragen beschränken oder in die Tiefe gehen, bis auf den Grund. Der Marxismus erkennt den Klassenkampf erst dann als voll entfaltet, als ,gesamtnational’ an, wenn er nicht nur die Politik, sondern in der Politik auch das Wesentlichste: die Frage der Staatsmacht, erfasst. Der Liberalismus dagegen wagt es schon nicht mehr, den Klassenkampf zu leugnen, wenn die Arbeiterbewegung etwas stärker geworden ist, sucht aber den Begriff des Klassenkampfes einzuengen, zu stutzen, zu kastrieren. Der Liberalismus ist bereit, den Klassenkampf auch auf dem Gebiet der Politik anzuerkennen, allerdings unter der Bedingung, dass die Frage der Staatsmacht nicht mit einbezogen wird. Man begreift unschwer, welchen Klasseninteressen der Bourgeoisie diese liberale Entstellung des Begriffs vom Klassenkampf entspringt.“ (Lenin, Werke Band 19, S. 105-106)

Wenn wir Massenarbeit und den Aufbau der Kommunistischen Partei als wesentliche Elemente des Klassenkampfs verstehen, legen wir einen bestimmten Begriff davon zugrunde. Das ist wichtig, weil wir ja genau das in der Massenarbeit verbinden wollen, weil wir dieses Ziel darin erreichen wollen. Wenn wir den Begriff vom Klassenkampf des Proletariats verstanden haben, gewinnt jede noch so kleine gemeinsame Aktion von Arbeitern gegen ihre Lebensbedingungen überhaupt an Bedeutung. Denn sie ist der Ansatzpunkt, wo wir praktisch aufzeigen können, dass Organisation notwendig ist und wo wir politisch aufzeigen können, dass es Teil des gesamten Kampfs ist, um den es geht und dass die Machtfrage gestellt werden muss. Das können und sollten wir nicht platt und mechanisch tun, sondern in der Arbeit mit den Massen lernen diese Erfahrungen und Erkenntnisse zu vermitteln.

Wenn wir den richtigen Begriff vom Klassenkampf haben, können wir ihn praktisch umsetzen. Dass wir uns einen Begriff vom Klassenkampf machen können, ist das Ergebnis der Auswertung der Kampferfahrungen in der gesamten internationalen Arbeiterbewegung durch Revolutionäre. Historisch bedeutet das für uns, dass wir nicht immer wieder die gleichen Erfahrungen machen müssen, um zu den gleichen Erkenntnissen zu gelangen. Vielmehr ist das intensive Studium der Klassenkämpfe eine Pflicht für Kommunistinnen und Kommunisten. Aus einem wirklich revolutionären Begriff vom Klassenkampf leiten wir für den praktischen Kampf ab, das Ziel möglichst alle Teile der Klasse miteinander zu verbinden, ihre Lage aufzuzeigen, damit viele Arbeiter erkennen können, wie groß ihre Klasse ist, den Zusammenhang mit den Produktions- und Eigentumsverhältnissen aufzuzeigen und zuvorderst durch Organisation der Klasse die Handlungsmacht erkennbar zu machen. Damit wir das Ziel erreichen, dass der einzelne Arbeiter nicht nur für sich und seine Familie kämpft, sondern für sich und seine Klasse und erkennbar ist, was das objektive Ziel, die Aufgabe der Klasse ist.

Ein anderes Beispiel für die Wichtigkeit des Ziels und Begriffs des Klassenkampfs sind die Räte. Als sie in der Pariser Kommune und vor allem der russischen Revolution von 1905 entstanden waren, erkannten die Revolutionäre – also Marx und Engels 1870 und die Bolschewiki 1905, dass sie die Keimformen der Diktatur des Proletariats waren. Die Bolschewiki kämpften dafür, dass die Arbeiter in den Räten das erkennen und dass sie in der Lage sein würden, die Macht auch zu übernehmen. 1917 gelang das unter Führung der bolschewistischen Partei, die durch jahrelange Arbeit die Grundlagen dafür geschaffen hatte, dass die revolutionären Arbeiter die Mehrheit in den Sowjets stellten – nachdem zunächst die Menschewiki die Mehrheit hinter sich hatten. Die Menschewiki und alle anderen Opportunisten erkannten die Räte 1905 und auch in Deutschland 1918 ebenfalls an, sie erkannten die ganze Revolution an – und taten alles dafür, dass die Räte nur zu Anhängseln der bürgerlichen Herrschaft wurden und eben nicht von Keimformen zu wirklichen, festen Formen der neuen Staatsmacht des Proletariats.

Die Verkürzung oder Negierung des politischen Inhalts des Klassenkampfs, seine Reduzierung ist ein nicht zu unterschätzendes Problem. Denn dadurch erscheint es möglich und sinnvoll, einfach nur Streiks zu organisieren und zu unterstützen, dann betreibe man ja schon Klassenkampf. Man kann zwar versuchen, den Streik auszuweiten und seine Forderungen voranzutreiben. Das alles sind Aufgaben, die sich auch uns stellen und die wichtig sind. Aber unsere Aufgabe geht darüber hinaus und besteht hauptsächlich in etwas anderem: In dem Aufbau einer Organisation, die in der Lage ist, die Kämpfe miteinander zu verbinden, überall aufzuzeigen, warum es sich um einen Kampf der ganzen Klasse und gegen die andere Klasse handelt, warum dafür die Frage der Macht entscheidend ist. Eine Organisation also, die die gesamte Entwicklung des Kampfs der Arbeiterklasse kennt und seine Erkenntnisse vermitteln und weiter entwickeln kann. Die aus diesem Kampf die Notwendigkeiten zur Organisierung erkennt und die richtigen Formen dafür entwickelt. Eine Organisation also, mit der die Klasse nicht nur das objektive Ziel, die eigene Macht zu errichten erkennen kann, sondern diese auch erreichen kann.

Lenin schrieb 1899 im Zusammenhang mit dem Aufbau einer wirklich revolutionären Partei und dem damit verbundenen Kampf gegen Opportunismus den Artikel „Unsere nächste Aufgabe“. Darin schreibt er: „Wir alle sind uns darin einig, dass es unsere Aufgabe ist, den Klassenkampf des Proletariats zu organisieren. Was aber ist Klassenkampf? Wenn die Arbeiter einer einzelnen Fabrik, eines einzelnen Berufs den Kampf gegen ihren Unternehmer oder gegen ihre Unternehmer aufnehmen, ist das Klassenkampf? Nein, das sind erst schwache Ansätze dazu. Der Kampf der Arbeiter wird erst dann zum Klassenkampf, wenn alle fortschrittlichen Vertreter der gesamten Arbeiterklasse des ganzen Landes sich bewusst werden, eine einheitliche Arbeiterklasse zu sein, und den Kampf nicht gegen einzelne Unternehmer, sondern gegen die ganze Klasse der Kapitalisten und gegen die diese Klasse unterstützende Regierung aufnehmen. Erst dann, wenn der einzelne Arbeiter sich bewusst ist, ein Teil der ganzen Arbeiterklasse zu sein, wenn er in seinem tagtäglichen Kleinkampf gegen einzelne Unternehmer und einzelne Beamte den Kampf gegen die ganze Bourgeoisie und gegen die ganze Regierung sieht, erst dann wird sein Kampf zum Klassenkampf. ,Jeder Klassenkampf ist ein politischer Kampf – diese berühmten Worte von Marx dürfen nicht in dem Sinne verstanden werden, jeder Kampf der Arbeiter gegen die Unternehmer wäre stets ein politischer Kampf. Sie müssen so verstanden werden, dass der Kampf der Arbeiter gegen die Kapitalisten notwendigerweise in dem Maße politischer Kampf wird, als er zum Klassenkampf wird. Die Aufgabe der Sozialdemokratie besteht eben darin, durch Organisierung der Arbeiter, durch Propaganda und Agitation unter ihnen ihren spontanen Kampf gegen die Unterdrücker in einen Kampf der ganzen Klasse, in den Kampf einer bestimmten politischen Partei für bestimmte politische und sozialistische Ideale zu verwandeln. Durch lokale Arbeit allein kann eine solche Aufgabe nicht gelöst werden.“ ( W. I. Lenin: Unsere nächste Aufgabe. In: Werke, Bd. 4, S. 209/210)

Lenin führt in dem Text „Staat und Revolution“, den er 1917 in der direkten Vorbereitungsphase der sozialistischen Revolution geschrieben hatte, aus: „Die Lehre vom Klassenkampf, von Marx auf die Frage des Staates und der sozialistischen Revolution angewandt, führt notwendig zur Anerkennung der politischen Herrschaft des Proletariats, seiner Diktatur, d. h. einer mit niemand geteilten und sich unmittelbar auf die bewaffnete Gewalt der Massen stützenden Macht. Der Sturz der Bourgeoisie ist nur zu verwirklichen durch die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse, die fähig ist, den unvermeidlichen, verzweifelten Widerstand der Bourgeoisie niederzuhalten und für die Neuordnung der Wirtschaft alle werktätigen und ausgebeuteten Massen zu organisieren. Das Proletariat braucht die Staatsmacht, eine zentralisierte Organisation der Macht, eine Organisation der Gewalt sowohl zur Unterdrückung des Widerstands der Ausbeuter als auch zur Leitung der ungeheuren Masse der Bevölkerung, der Bauernschaft, des Kleinbürgertums, der Halbproletarier, um die sozialistische Wirtschaft ‚in Gang zu bringen‘. Durch die Erziehung der Arbeiterpartei erzieht der Marxismus die Avantgarde des Proletariats, die fähig ist, die Macht zu ergreifen und das ganze Volk zum Sozialismus zu führen, die neue Ordnung zu leiten und zu organisieren, Lehrer, Leiter, Führer aller Werktätigen und Ausgebeuteten zu sein bei der Gestaltung ihres gesellschaftlichen Lebens ohne die Bourgeoisie und gegen die Bourgeoisie. Der heute herrschende Opportunismus dagegen erzieht in der Arbeiterpartei die Vertreter der besser bezahlten Arbeiter, die sich den Massen entfremden und sich unter dem Kapitalismus leidlich ‚einzurichten‘ wissen, die ihr Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht verkaufen, d. h. auf die Rolle revolutionärer Führer des Volkes gegen die Bourgeoisie verzichten. ‚Der Staat, das heißt das als herrschende Klasse organisierte Proletariat‘ – diese Theorie von Marx ist untrennbar verbunden mit seiner ganzen Lehre von der revolutionären Rolle des Proletariats in der Geschichte. Die Vollendung dieser Rolle ist die proletarische Diktatur, die politische Herrschaft des Proletariats.“ (Lenin, Werke Band 25, S. 416)

Unsere Aufgabe ist, die Arbeiterklasse für ein bestimmtes Ziel zu organisieren und zu politisieren: Für den Sturz des Kapitalismus. Unser Ziel ist also, dass die Arbeiterklasse die Macht in die eigenen Hände nimmt und alle Geschicke selbst bestimmt – den Staat lenkt, die Ökonomie plant, die Gesellschaft ordnet und gestaltet. Dieser Kampf bis dahin und auch beim Aufbau des Sozialismus ist ein umfassender Kampf. Er beinhaltet den ökonomischen, politischen und ideologischen Kampf. Gewonnen werden kann er nur, wenn er einheitlich geführt wird, wenn der politische Kampf nicht vom ökonomischen getrennt wird und umgekehrt. Er muss einheitlich geführt werden und das ist die Funktion der Kommunistischen Partei. Die Massen der Arbeiterklasse müssen den Gesamtzusammenhang und die Notwendigkeit des Sozialismus verstehen und durch Kampferfahrung immer mehr Möglichkeiten zum Handeln erkennen.

Die Frage der Staatsmacht und damit der Diktatur des Proletariats als Wesen des Klassenkampfs ist deshalb wichtig zu verstehen und zu berücksichtigen, weil sich auch darin die Prinzipien unserer Massenarbeit begründen. Weil wir aus den Kämpfen der Arbeiterklasse wissen, dass sie nicht einfach nur den bürgerlichen Staatsapparat übernehmen kann, sondern ihn zerschlagen muss (die Erkenntnis der Pariser Kommune), dass die Räte die Form ihrer Herrschaft sind (die Erkenntnis der Revolution von 1905 und der Oktoberrevolution), ist unser Ziel, dass durch die Erfahrungen in Massenorganisationen die Masse die Fähigkeit lernt, sich zu organisieren und die Macht wirklich übernehmen und ausführen zu können, keine Illusionen in die bürgerliche Herrschaft zu haben, welche Form auch immer sie haben mag. Deshalb ist Aktivität und Unabhängigkeit ein sehr wichtiges Prinzip der Massenarbeit, wie wir später ausführen. Deshalb müssen wir das Bewusstsein der Massen in diese Richtung bringen. Deshalb ist es wichtig, zu verstehen, dass eine Orientierung auf Reformismus entstehen kann, wenn man den Begriff des Klassenkampfs reduziert und kastriert. Das heißt für uns, die Kämpfe der Klasse so zu organisieren, dass sie zu Kämpfen der gesamten Klasse mit dem Ziel des Sturzes der Bourgeoisie werden.

Weil wir aus den Kämpfen wissen, dass die Klasse nur siegen kann und nur wirklich ihren Kampf führt, wenn sie als gesamte Klasse und für die gesamte Klasse kämpft, orientieren wir nicht auf lokal beschränkte Arbeit, sondern auf eine gesamtnationale und mit allen Aspekten des Kampfs verbundene Massenarbeit. Weil wir wissen, dass alle Fragen des Lebens politisch sind, müssen wir wissen, wie sie mit dem politischen Ziel der Arbeiterklasse verbunden werden können und sie nicht auf der ökonomischen Ebene belassen und dann annehmen, wir hätten die politische Frage beantwortet.

Um den Klassenkampf führen und gewinnen zu können, braucht die Arbeiterklasse alles: Die Partei und die Massenorganisationen. Aus diesem Klassenkampf und seinen Gesetzmäßigkeiten leitet sich alles ab: Die Notwendigkeit der Existenz der höchsten Organisationsform für die Revolution, der Vorhut – die Partei; die Notwendigkeit der Existenz von Massenorganisationen, in denen die Arbeiter gemeinsam kämpfen und lernen; die Notwendigkeit der Existenz eines wissenschaftlichen Apparats bei der Partei, der alle Verhältnisse aufdeckt, die Kräfte analysiert und damit der Klasse die Orientierung für ihren Kampf geben kann; die Notwendigkeit der Existenz von Schutz- und Kampfstrukturen, die die Angriffe der Kapitalistenklasse auf die Strukturen und Organisationen abwehrt. Die Entstehung von sozialistischem Klassenbewusstsein geschieht nicht spontan, sondern durch die wissenschaftliche Weltanschauung, die von der Partei organisiert und verbreitet wird, die sich speist aus den Erkenntnissen der Bewegung, des Kampfes. Weil die Kampferfahrungen wissenschaftlich reflektiert werden und damit die Einsicht in die Notwendigkeit möglich ist, ist die Partei als organisierter Ausdruck dieses Zusammenhangs nötig. Alle Teile des Kampfs sind untrennbar miteinander verbunden und somit auch die Teile der Organisation. Der wissenschaftliche Apparat wird nicht wissenschaftlich in unserem Sinne arbeiten können, wenn er nicht eng verbunden ist mit den Massenorganisationen und gespeist wird mit den Kampferfahrungen und Erkenntnissen aus der Massenarbeit.

Wir müssen alle Tätigkeiten und ihre Anforderungen als Einheit verstehen. Die Frage der Bildung ist nicht getrennt von unserer Arbeit in den Massen, dort müssen wir ständig die noch besseren Mittel zur Vermittlung unseres Programms und unserer Positionen entwickeln, dort lernen wir zugleich die Dynamik, Widersprüche und Bedingungen des Kampfs. Die getrennte Betrachtung verschiedener Bereiche ist eine künstliche Trennung, die sich aus der Niederlage der Arbeiterbewegung heraus ergeben hat. Tatsächlich ist es aber so, dass aus den Kämpfen der Arbeiterklasse sich alle Kampforganisationen – insbesondere die der Partei neuen Typs – und auch die zentralen wissenschaftlichen Erkenntnisse des Klassenkampfs ergeben haben. Wir müssen uns deshalb auch auf die Geschichte beziehen und sie verstehen. Die Vermittlung der Geschichte der Arbeiterbewegung ist ein Teil des Klassenkampfs, da die Massen der Arbeiter diese Geschichte kennen müssen, um sich bewusst darüber zu werden, was es heißt, die Macht in die eigenen Hände zu nehmen.

Mit der Massenarbeit stellen wir die organische Verbindung der Klasse mit dem Kommunismus her, sammeln die besten Kräfte und stärken damit die Kommunistische Organisation. Damit wir unsere Tätigkeit in den Massen gut mit dem Wissenschaftlichen Sozialismus verbinden können, brauchen wir gute Kenntnisse in der Geschichte der Arbeiterbewegung, in den gesellschaftlichen Verhältnissen und ihrer Entwicklung und über die Erfahrungen, die die Arbeiter in ihrem Kampf sammeln, ebenso über den Klassenfeind und seine Strategien. Das heißt, dass wir uns als Organisation für diesen Kampf aufstellen müssen, dass sich unsere organisatorischen Strukturen und Stellschrauben daraus ergeben und dafür funktionieren müssen. Wir richten unsere gesamte Organisation auf den Klassenkampf aus.

Wir betrachten und betreiben Theorie und Praxis nicht getrennt, sondern strengen uns an, dass unsere Theorie praktisch orientiert ist. Überall versuchen wir, unsere Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus auf die praktischen Erfahrungen anzuwenden und anders herum unsere theoretischen Erkenntnisse mit denen des Kampfs abzugleichen. Wir können unsere Anschauungen nur auf die Übereinstimmung der Theorie mit der Wirklichkeit und der Geschichte der gegebenen Verhältnisse gründen. Die konkrete Untersuchung aller Verhältnisse, ihrer Gesetzmäßigkeiten und Entwicklung und die Organisierung des Kampfs sind unlöslich miteinander verbunden. Unsere Theorie ist nicht einfach nur Betrachtung, sondern Anleitung zum Kampf, praktische Tätigkeit mit dem Ziel der neuen Gesellschaft.

Lenin schrieb in dem Text „Was sind die Volksfreunde“ von 1893, den er in der Auseinandersetzung mit den „Volkstümlern“ verfasste: „Ganz anders ist es, wenn man die Aufgabe des Sozialisten darin sieht, die ideologische Führer des Proletariats in seinem wirklichen Kampf gegen die tatsächlichen, die echten Feinde zu sein, die ein Hindernis auf dem wirklichen Weg der gegebenen sozial-ökonomischen Entwicklung sind. Unter diesen Bedingungen verschmelzen theoretische und praktische Arbeit zu einer einzigen Arbeit, die der Veteran der deutschen Sozialdemokratie, Liebknecht, so treffend mit den Worten gekennzeichnet hat: Studieren, Propagieren, Organisieren. Ohne die oben erwähnte theoretische Arbeit kann man kein ideologischer Führer sein, wie man es auch nicht sein kann, ohne diese Arbeit den Erfordernissen der Sache anzupassen, ohne die Resultate dieser Theorie unter den Arbeitern zu propagieren und ihnen zu helfen, sich zu organisieren.“ (Lenin, Werke Band 1, S. 302)

Das heißt, wir trennen unseren Kampf zum Beispiel innerhalb der Gewerkschaften nicht von unseren Kenntnissen der politischen Ökonomie und der Untersuchung der Entwicklung der Monopole und ihrer Ausbeutungsstrategien, sowie der Erfahrungen der Arbeiterbewegung in den Gewerkschaften, sondern verbinden beides auf enge Weise. Wenn wir in der Massenarbeit vermitteln wollen, warum die Kapitalisten versuchen müssen, die Löhne zu senken und warum die Krise unvermeidbar ist, dann müssen wir es selbst verstanden haben. Deshalb ist die Aktivität von Genossen vor Ort nicht zu trennen von ihrer Arbeit in einer AG und von der Analyse aktueller Fragen sowie der Schulung in den Grundlagen. Anders herum sind die Erfahrungen der Massenarbeit ein wichtiger Bestandteil der AG-Arbeit, beispielsweise darüber wie die faschistische Bewegung sich entwickelt und welche Veränderungen die Staatsform annimmt.

Wenn unser Ziel die Formierung der Kommunistischen Partei ist, dann heißt das, dass wir noch nicht die Partei sind und auch nicht sein können. Neben der Klärung und ideologischen Klarheit und Einheit fehlen dazu vor allem die Kader, die Menschen, die den Kampf am aktivsten und bewusstesten führen, ihn von allen Seiten kennen und alle Aspekte miteinander verbinden können. Diese werden wir vor allem aus den Massen der Arbeiterklasse gewinnen. Damit stellt sich die Frage der Qualität und Fähigkeit der Struktur der Kommunistischen Organisation, diese Kader auszubilden, sie zu schulen, alle Fähigkeiten zu entwickeln, die sie brauchen, um den Kampf anführen zu können.

Von dieser Frage sind wir als Kommunisten und unser Umfeld selbst logischerweise nicht ausgenommen. Wir haben uns erst vor kurzer Zeit konstituiert und sind dabei, erste Schritte der Organisierung zu gehen. Wir können also nicht davon sprechen, dass wir bereits Kader sind. Die Massenarbeit, die Tuchfühlung mit den Massen, das Erproben der Prinzipien, die Vermittlung unserer Ziele und Positionen ist auch eine Tuchfühlung mit uns selbst. Wir werden feststellen, wie unser Reifegrad ist, wo unsere Mängel sind, wie sehr wir das Wesen des Kampfs verstanden haben und wie sehr wir bereit sind, dafür alles zu geben. Wir selbst müssen überhaupt lernen, was es heißt, organisiert zu agieren. Einfache Fähigkeiten wie Zuverlässigkeit, Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein gehören genau so dazu wie Kollektivität, Ehrlichkeit, Achtsamkeit und solidarischer Umgang, revolutionäre Initiative, aber auch Geduld, – um hier nur ein paar Aspekte zu nennen.

Um unser Ziel – die Formierung der Kommunistischen Partei in Deutschland – zu erreichen ist die umfassende Aufstellung für den Klassenkampf notwendig. Das ist eine große und komplizierte Aufgabe, der wir uns aber stellen müssen und die wir nur mit Ausdauer und einem realistischen Blick auf uns selbst erfüllen können. Einige Genossen haben bereits Erfahrung in der Massenarbeit. Diese Erfahrungen sollen in diese Thesen einfließen, verallgemeinert werden und für alle nutzbar gemacht werden. Wir beginnen also nicht bei Null.

Eine der wichtigsten Erfahrungen ist gerade die, dass eine Organisation fehlt, die die Kämpfe und ihre verschiedenen Anforderungen zusammen führt, die über eine Struktur verfügt, die Einschätzungen und Analysen liefert, die den Marxismus-Leninismus lehrt und studiert, die die nächste Stufe der Organisation der Arbeiter in ihrem politischen Kampf sein kann.

Wir brauchen also organisatorische Stärke, Klarheit und Massenverankerung. Die Grundlagen, um uns die Stärke und Klarheit zu erarbeiten haben wir im letzten Jahr geschaffen. Werfen wir noch einmal einen kurzen Blick auf unsere bisherige Entwicklung als Organisation zurück, um dann festlegen zu können, welche Strukturen wir aufbauen müssen und wie sie zusammenwirken müssen, damit sie uns dem Ziel näher bringen.

Wir haben uns im Juni 2018 konstituiert und uns mit den Programmatischen Thesen inhaltliche Grundlage gegeben. Damit haben wir unsere eigene Organisierung begonnen und die programmatische Stoßrichtung unserer Organisation formuliert.

Wirt haben die Grundlage geschaffen, um unsere Organisierung, die Sammlung von Kommunisten und die Gewinnung neuer Teile der Arbeiterklasse voranzutreiben. Unsere Strukturen haben notwendigerweise Mängel und Probleme, da wir eine Organisation aufbauen und einen neuartigen Klärungsprozess organisieren.

Im Januar 2019 haben wir die Arbeitsthesen und das BolscheWiki veröffentlicht und damit den Rahmen und die Struktur für den Klärungsprozess geschaffen.

Mit dem BolscheWiki können wir in Zukunft kollektiv und systematisch an der Voraussetzungen arbeiten, die Kommunistische Partei zu schaffen. Sie muss über ideologische Klarheit auf Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus in allen Fragen der Arbeiterbewegung und der Gesellschaft als Ganzem verfügen, damit sie eine einheitliche und ideologisch gefestigte Kommunistische Partei ist.

Eine weitere zentrale Voraussetzung für die Formierung der Kommunistischen Partei ist es über eine starke Verankerung in der Arbeiterklasse und den anderen werktätigen Schichten zu verfügen, um deren Erfahrungen aufnehmen, wissenschaftlich verarbeiten und ein einheitliches Handeln sicherstellen zu können. Die Kommunistische Partei muss in der Lage sein, die bewusstesten Teile der Klasse zu Kadern auszubilden. Sie zeichnen sich durch ein höchstmögliches Bewusstsein über die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung und durch genaue Kenntnisse ihrer konkreten Erscheinung aus. Sie zeichnen sich durch eine Verankerung in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, durch die aktive Bildung und Organisierung des Umfelds, in dem sie kämpfen, durch die Fähigkeit, darin eine Orientierung geben und entwickeln zu können, durch eigenständige Urteilsfähigkeit, durch die Fähigkeit, in allen Situationen entscheiden zu können und durch eine hohe Kampfmoral aus

Mit dem Leitantrag und der 2. Vollversammlung wollen wir uns dieser Voraussetzung zuwenden.

Dabei ist wichtig zu betonen, dass wir diese Aufgabe als eine langfristige Herausforderung verstehen müssen. Das Ziel der 2. Vollversammlung und ihrem Beschluss ist nicht, dass wir in kürzester Zeit ausgereifte Strukturen der Verankerung in den Massen erreicht haben. Vielmehr wollen wir uns kollektiv Bewusstsein darüber verschaffen, was wir unter Verankerung in den Massen, unter Massenarbeit und das Verhältnis der Kommunistischen Organisation bzw. Partei zu diesen verstehen und wie wir die Aufgabe und Rolle jedes einzelnen von uns darin fassen. Das Ziel ist des Weiteren, organisatorische Voraussetzungen zu schaffen, um an der Verankerung und den damit gesammelten Erfahrungen zu arbeiten und sie kollektiv fruchtbar zu machen.

Wir nehmen uns vor, uns über die Prinzipien der Massenarbeit zu verständigen und unsere diesbezüglichen Beschlüsse zu verinnerlichen. Auch wenn wir diese Aufgabe als langfristig verstehen müssen, beginnen wir dennoch mit der Tuchfühlung mit den Massen, mit Kontaktaufnahme, Kennenlernen und dem Ausprobieren von Formen und Wegen. Nur so können wir auch die Prinzipien besser verstehen, sie abgleichen und entweder unsere Praxis oder die Prinzipien ändern.

Unsere Orientierung: Prinzipien verinnerlichen

Die Situation ist schwierig und wir müssen in jedem Fall Geduld und Weitsicht an den Tag legen müssen. Traditionen und Erfahrungen in der revolutionären Massenarbeit sind durchaus vorhanden, aber sie sind wenig thematisiert und kaum zugänglich. Wir sollten dennoch versuchen, sie zu nutzen. Die Notwendigkeit der Geduld und Kontinuität ergibt sich aber aus der Sache selbst: Wir machen nicht eine Kampagne oder ein vorübergehendes Projekt, sondern haben eine lebenslange Aufgabe vor uns – die Organisierung der Arbeiterklasse und damit auch unsere eigene Organisierung wird nicht mehr aufhören, wir werden sie stets weiter entwickeln müssen. Auch im Sozialismus wird das eine wichtige Aufgabe sein.

Dazu sind auch einige Eigenschaften wie Wille und Zuversicht nötig. Es ist schwer in harten Zeiten, nicht zu verzweifeln oder den Willen zu verlieren. Geschichtsoptimismus und die Zuversicht, dass die Arbeiterklasse das Potential besitzt zur herrschenden Klasse zu werden, gehören zu unserem Rückgrat in Zeiten nicht nur der großen Niederlage, sondern auch und gerade der vielen kleinen Niederlagen und Schwierigkeiten in der Massenarbeit. Ideologische Standhaftigkeit ist eine ebenso wichtige Voraussetzung für den Sieg, wie die Beweglichkeit im Vermitteln, die Flexibilität in der Umsetzung. Wir wandeln auf einem schmalen Grat und werden nicht vermeiden können, auch daneben zu treten. Aber wir müssen vermeiden, dass wir vom Weg abkommen und uns in den Anforderungen der Massenarbeit verlieren oder nur noch an die großen Fragen denken.

Diese Orientierung beinhaltet nicht einen detaillierten, technischen Vorschlag, wie viel Kleinzeitungen jede Gruppe erstellen soll, oder dass jeder in ein bestimmtes Gremium der Gewerkschaft gehen soll. Wir schlagen auch nicht ein Rezept vor, das in jeder Stadt angewandt werden soll, wie zum Beispiel die Gründung eines Stadtteilvereins. Beides – die Arbeit in den Gewerkschaften und im Stadtteil – werden hoffentlich in jedem Ort wichtige Elemente unserer Massenarbeit sein, ebenso wie andere Formen. Mit diesen Thesen und mit der 2. Vollversammlung wollen wir uns kollektiv Bewusstsein darüber verschaffen, was Klassenkampf und Massenarbeit heißt, was die Rolle der Kommunistischen Organisation und jedes einzelnen ist, welche Prinzipien unsere Arbeit haben muss und wie wir sie umsetzen können. Es geht also darum, das Ziel, die Prinzipien und die Grundlagen zu verstehen und dann nach Auswertung der Bedingungen und Möglichkeiten vor Ort anzuwenden, diese in den nächsten Jahren kollektiv und regelmäßig auszuwerten und daraus praktische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Darüber hinaus wird es notwendig sein, eine klare Vorgehensweise zur Organisierung der von uns erreichten Menschen zu entwickeln. Das heißt, dass wir Wege aufzeigen, wie wir in den verschiedenen Bereichen Menschen konkret, mit welchen Regeln und System organisieren können. Dazu werden die bereits gesammelten Erfahrungen genutzt.

Die Sammlung von Menschen, die Orientierung auf die Breite der Bevölkerung und hier vor allem die Arbeiterklasse ist unser Ziel. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich auf die verschiedenen Bedürfnisse der Arbeiterklasse, seien es ökonomische, soziale oder kulturelle. Die Organisierung können wir nicht in starren Formen begreifen. Wir schaffen eine Grundlage und einen bewussten Ansatz. Die Organisationsformen werden sich aber je nach Kampfsituation und auch Bewusstseinslage der Massen verändern.

Unser Ziel ist, die eigenständige, das heißt klassenbewusste Organisierung der Arbeiterklasse voranzutreiben, sie neu zu beleben und damit die Grundlage für die Änderung der Kräfteverhältnisse in der Arbeiterbewegung zu schaffen. Diesem Ziel sind in Bezug auf die Formen und Lebensbereiche der Arbeiterklasse keine Grenzen gesetzt. Es gibt keinen Bereich des Lebens der Arbeiter und ihrer Familien, der nicht organisiert werden kann und muss. Überall, wo wir es nicht tun, hat der Klassenfeind die Organisierung vereinnahmt, zerstört oder unter seiner Kontrolle entwickelt.

Das heißt, dass wir an allen Orten, wo es uns möglich ist, versuchen Arbeiter oder andere Werktätige zu organisieren – im Betrieb, im Wohnviertel, an den Schulen und Universitäten. Das heißt, dass wir auch in anderen, bestehenden Massenorganisationen unseren Einfluss ausweiten müssen und darin die eigenständige Organisierung der Arbeiter vorantreiben müssen – in Gewerkschaften, Sport- und Kulturvereinen. Wir und die Menschen, die wir erreichen, müssen überall die Prinzipien der Eigenständigkeit und Aktivität verbreiten.

Wir müssen das Denken in Schablonen überwinden und Betrieb und Gewerkschaft, Wohnviertel, Kultur, etc. nicht getrennt voneinander verstehen, auch wenn alle Bereiche spezifische Anforderungen mit sich bringen. Die Orientierung und die Prinzipien, die wir in diesem Leitantrag formulieren, sind für alle Bereiche gleichermaßen gültig. Die isolierte Betrachtung von „Feldern“ ist ein Ausdruck des niedrigen Stands der Arbeiterbewegung infolge der Rückschläge. Eine lebendige, aktive und eigenständige Arbeiterbewegung findet in allen Lebensbereichen statt, sie sind darin miteinander verwachsen. Es geht hier also um organisatorische Prinzipien, die wir lernen und die wir praktisch anwenden müssen.

Wichtig ist auch, dass wir die Frage nach der besseren Organisierung der Arbeiterklasse nicht einfach dadurch beantworten, indem wir einfach selbst in den Betrieb oder in die Gewerkschaft gehen. Das kann durchaus richtig und notwendig sein, muss aber je nach den Bedingungen und Kapazitäten in einem Ort entschieden werden, die besten Ansatzpunkte müssen gefunden und umgesetzt werden. Wenn wir in einer Stadt mit einem Sportverein beginnen und dort Menschen organisieren, werden zum Beispiel junge Arbeiterinnen und Arbeiter dabei sein, die später in Ausbildung in einem Betrieb sein werden. Unser Ziel muss die Verbindung zu diesen sein, damit sie dann in dem Betrieb eine Form der Organisierung mit ihren Kollegen aufbauen.

Das gleiche kann für Lesezirkel gelten, mit denen wir Berufsschüler erreichen oder die Organisierung in der Nachbarschaft, in der Arbeiter leben und die uns über ihre Erfahrungen im Betrieb berichten. Wenn ein Wohnviertelverein einen Streik unterstützt und mit den Arbeitern über gegenseitige Hilfe spricht, wird es möglich sein, Kollegen oder Freunde von ihnen dafür zu interessieren.

Auch an der Universität oder Fachhochschule finden wir Kinder der Arbeiterklasse, aber auch Kinder der Mittelschicht, die wir für unsere Massenarbeit im Wohnviertel oder im Betrieb begeistern können und die sich praktisch und ideologisch mit uns gemeinsam der Arbeiterklasse zuwenden. Die Sphären des Lebens der Arbeiterklasse sind in der Realität nicht voneinander getrennt.

Das Ziel ist es, erst einmal auf Tuchfühlung zu gehen. Langfristig wollen wir alle Arbeiter überall organisiert haben. Dazu müssen wir selbst lernen, was Organisierung heißt. Wir müssen sowohl lernen, wie organisieren wir uns selbst und wie organisieren wir andere. Wir müssen uns bewusst machen: Auch ich muss mich selbst organisieren – für meine Lohnarbeit, für mein Studium, für meine sozialen und kulturellen Bedürfnisse, für meine Bildung. Darin unterscheiden wir uns nicht von den Menschen, die wir erreichen wollen.

Wir gehen davon aus, dass es einen Unterschied zwischen organisierten Kommunisten und der Masse gibt. Unser Ziel ist, bei möglichst vielen den Unterschied dahingehend aufzulösen, dass sie Teil der Kommunistischen Partei werden können. Wenn wir auf der einen Seite wissen, dass wir Teil der Masse sind und uns aber die politische Organisierung und unser Anspruch unterscheidet, müssen wir die Rolle von Kommunisten genauer definieren und in welchem Verhältnis ihre Organisation zu den Massen steht. Das ist Teil dieses Leitantrags.

Eine genaue, konkrete Handlungsanweisung, wie die Tuchfühlung umgesetzt wird, kann nicht im Leitantrag definiert und beschlossen werden. Tuchfühlung kann alle möglichen Formen annehmen, vom Lesekreis über die Aktivität im Wohnviertel bis zum Sportverein oder der Gewerkschaftsjugend. Sie muss nach einer Analyse und Auswertung der Ortsgruppen, der Bedingungen vor Ort, ihrer Potentiale und Kapazitäten entschieden werden.

Abschnitt 2: Zur Organisierung der Massen

Gesellschaftliche Situation und Notwendigkeit der Organisierung

Die Arbeiterbewegung ist seit der Niederlage von 1989 in einer schweren Krise. Eigenständige, klassenbewusste und revolutionäre Organisationen der Arbeiterklasse gibt es kaum noch. Die meisten Arbeiter und ihre Familien in Deutschland sind heute nicht politisch organisiert oder über sozialdemokratische Organisationen an das Interesse der herrschenden Klasse gebunden.

Die Mehrheit ist darüber hinaus auch nicht gewerkschaftlich organisiert. Durch die Dominanz von Sozialpartnerschaft und Stellvertreterpolitik sind auch viele Mitglieder der Gewerkschaften eher passiv und nicht eigenständig und aktiv organisiert. Die meisten Arbeiter, ebenso wie viele andere Werktätige, sind nicht unpolitisch oder desinteressiert, aber sie haben keinen größeren Zusammenhang, in dem sie die politischen und gesellschaftlichen Fragen diskutieren und durchdenken können und vor allem in dem sie handeln und selbsttätig werden können. Sie sind dem Einfluss der Bourgeoisie, ihrem Staat, ihren Medien und Angeboten der Kulturindustrie ohne wirkliches Gegengewicht ausgesetzt.

Das heißt auch, dass alle Erscheinungen des faulenden Imperialismus in der Arbeiterklasse sich ausbreiten können. Dazu gehört Verrohung psychischer, sozialer und kultureller Art, Egoismus, Oberflächlichkeit, Beziehungsunfähigkeit, Hedonismus und Drogenkonsum und andere Ausdrücke der Zerrüttung der gesellschaftlichen Beziehungen. Davon sind nicht nur die untersten Schichten der Arbeiterklasse betroffen, in vielen Betrieben sind Kollegen von Alkoholismus, Familienproblemen und psychischer Überlastung betroffen. Das resultiert direkt aus den gesteigerten Ausbeutungsbedingungen, Arbeitshetze und -druck, steigende Arbeitszeiten und wenig Ausgleich, wenig Zeit für die Familie.

Mit diesen Problemen war die Arbeiterklasse im Kapitalismus immer mehr oder weniger stark konfrontiert. Sie hat dagegen Formen der Selbstorganisierung aufgebaut, der gegenseitigen Hilfe, der Kultur und der Kampfgemeinschaft. Diese Formen sind vereinnahmt oder zerstört worden. Deshalb ist sie dem stärker ausgesetzt. Die prägende Erfahrung der letzten Jahrzehnte ist die der Zersetzung der Gemeinschaftlichkeit. Viele Strukturen, in denen Arbeiter gemeinsam gearbeitet, gelebt und gekämpft haben, sind verschwunden. Das heißt nicht, dass es gar keine mehr gibt. Dazu gehören die Gewerkschaften, aber auch Sport-, Kultur- oder Freizeitvereine, freiwillige Feuerwehren oder andere. Aber sie haben einen anderen Charakter angenommen, sie sind zum großen Teil vom Staat und / oder von Unternehmen abhängig und die Erfahrung der Selbsttätigkeit ist nur noch bedingt vorhanden, das politische Ziel des Umsturzes gar nicht mehr. Sie sind in dem Sinne keine eigenständigen Klassenorganisationen. Es ist unsere Aufgabe, darin zu wirken und zu kämpfen, dazu später mehr.

Aber auch diese Form der gesellschaftlichen Beziehungen hat im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten abgenommen. Individualisierung und Konkurrenzdruck sind stärker geworden. Atomisierung und Isolierung sind Erfahrungen, die viele sammeln – auch Familien. Damit ist also nicht nur und nicht zwingend Einsamkeit gemeint, sondern eine eingeschränkte Erfahrung von Gesellschaftlichkeit. Immer weniger Menschen sammeln die Erfahrung der gemeinsamen Aktivität und damit der Handlungsfähigkeit. Damit können sie auch kaum Möglichkeiten erkennen, mit den anderen zu kämpfen. Das geht nur mit Erfahrung, Vertrauen und Organisation.

Um kämpfen zu können, ist gemeinschaftliche Aktion notwendig, dafür muss Vertrauen hergestellt werden. Dafür müssen wir in allen Bereichen Menschen zusammen bringen, im Wohnviertel ebenso wie im Betrieb. Dabei ist vor allem eines wichtig: Geduld. Wir rufen nicht zum Aufbau von revolutionären Räten auf, sondern erstmal dazu, ein Nachbarschaftsfest zu organisieren oder eine gemeinsame Wanderung mit Kollegen. Es muss nicht sofort alles unter ein politisches Motto, es kommt ohnehin schnell zu einem politischen Thema, über das man sich austauscht. Die Herstellung von Vertrauen und Beziehungen ist eine politische Aufgabe, weil sie die Grundlage dafür ist, dass man gemeinsam handelt und vielleicht irgendwann als Genossen gemeinsam kämpft.

Bei dieser Aufgabe kann gegenseitige Hilfe eine wichtige Rolle spielen, weil sie an die Bedürfnisse der Menschen anknüpft, die wir erreichen können und wollen, die Egoismus und Rücksichtslosigkeit ablehnen. Gegenseitige Hilfe kann dabei viele verschiedene Formen annehmen, vom offenen Ohr für die Probleme des Kollegen über Einkaufen für die ältere Nachbarin bis hin zur Nachhilfe für die Jugendlichen in der Siedlung.

Was sind Massenorganisationen?

Unter Massenorganisationen verstehen wir Organisationen, in denen die Arbeiter sich entlang ihrer ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse und Interessen organisieren. Sie können verschiedene Formen je nach Bereich und historischer Situation annehmen. Sie beziehen sich auf Wohnviertel, Betriebe und Gewerkschaften, also auch auf bereits bestehende Massenorganisationen, in denen es bestimmte Bedingungen der politischen Arbeit gibt.

Es können Vereine sein, müssen es aber nicht. Es können eigens einberufene Treffen von Gewerkschaftsaktiven sein, genauso gut kann es die Arbeit in den bereits vorhandenen Gremien sein. Es können lose Treffen von Jugendlichen sein, die erst nach und nach sich verfestigen und bestimmte Themen anpacken. Die Formen können sich je nach Anforderungen und Entwicklung verändern.

Sie sind Orte der Erfahrung der eigenen gesellschaftlichen Kraft, der eigenen Fähigkeiten, Orte wo man lernt selbst zu entscheiden und diese umsetzen zu können. Sie sind ebenso Räume der gesellschaftlichen, politischen, ideologischen Auseinandersetzung. Es gibt in ihnen keine Trennung zwischen den verschiedenen Bereichen des Lebens -, aber auch keine künstliche Verzahnung. Wenn ein Mitglied in einem Nachbarschaftsverein über seine Probleme bei der Arbeit spricht, ist es logisch, dass man eine Verbindung zu einem kämpferischen Betriebsrat oder Gewerkschaftsaktiven herstellt, der vielleicht weiter helfen kann. Am besten sind sind schon Leute im Verein, die selbst aktiv in den Gewerkschaften sind und können die Verbindung herstellen.


Wen wollen wir mit unserer revolutionären Massenarbeit organisieren?

Unser Ziel ist die Organisierung des Klassenkampfs der Arbeiterklasse. Das heißt, dass wir mit unserer Massenarbeit auf die Arbeiterklasse abzielen. Wir orientieren grundsätzlich auf die Arbeiterklasse – nicht ausschließlich, aber grundsätzlich. Das heißt zum Beispiel, dass wir Massenarbeit in einem Stadtteil aufbauen, wo mehrheitlich Arbeiter leben. Wenn dann auch kleinbürgerliche Menschen dazu kommen, verweigern wir nicht die Teilnahme, aber im Mittelpunkt stehen die Interessen, die Lebenslage und die Belange der Arbeiter und ihrer Familien. In Betrieben und Gewerkschaften fokussieren wir uns nicht auf Ingenieure oder leitende Angestellte, sondern auf die Arbeiter und einfachen Angestellten, deren Lage fast identisch ist mit der der Arbeiter. Die Frage der anderen, nicht in der Produktion tätigen Angestellten ist nicht unwichtig und nicht selten ein Element der Spaltung. Wir gehen aber davon aus, ihre Haltung nur mithilfe einer stärkeren Organisation unter den Arbeitern verändern zu können.

Die Frage, ob und wie wir andere werktätige Schichten, wie zum Beispiel kleine Gewerbetreibende, kleine Bauern oder bestimmte Schichten der Angestellten, organisieren sollten, werden wir im Rahmen des Klärungsprozesses und der Klassenanalyse bearbeiten. Wir gehen aber davon aus, dass in Deutschland die große Mehrheit der Lohnabhängigen zur Arbeiterklasse gehört oder sehr ähnliche Lebensbedingungen hat. Industriearbeiter, Kassiererinnen im Supermarkt, Pfleger im Krankenhaus, Straßenbahnfahrer oder Lokführer, Teilzeitbeschäftigte, Erwerbslose oder Leiharbeiter haben zwar unterschiedliche Lebens-, Arbeits- und Kampfbedingungen, aber sie verbindet sowohl ihr Verhältnis zu den Produktionsmitteln – sie besitzen keine – als auch die (unterschiedlich ausgeprägte) Bedrohung ihrer sozialen Lage. Abgesehen von der genaueren Analyse der Arbeiterklasse in der AG Klassenanalyse stellen wir hier fest: Sie alle gehören zur Arbeiterklasse, sie alle müssen organisiert werden.

Erst wenn eine stark organisierte Arbeiterklasse auftritt, wird sich die Frage der gesellschaftlichen Bündnisse mit anderen Schichten, die näher an der Bourgeoisie stehen, stellen. Es wäre falsch, andere Schichten zu organisieren, die dann größeren Einfluss haben und die Arbeiterbewegung überlagern.

Wir orientieren auf die Organisierung der Massen entlang ihrer ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse. Das heißt, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen im umfassenden Sinne auf der Tagesordnung stehen. Prinzipiell sind alle politischen Fragen damit verbunden. Aber im konkreten heißt das zum Beispiel, dass der Kampf um Löhne, um bessere Kinderbetreuung oder gegen Schikane vom Jobcenter aber auch Sport- und Kulturangebote im Vordergrund stehen. Das heißt auch, dass wir nicht nur den Arbeiter oder die Arbeiterin ansprechen, sondern sie und ihre Familien, sie mit ihrem gesamten Leben und als ganze Menschen mit allen Bedürfnissen aber auch Fähigkeiten.

Die Kommunistische Partei, die wir aufbauen wollen, ist die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse. Das heißt, dass sie die Klasse am besten organisieren und führen kann und natürlich zu einem Großteil aus Arbeitern bestehen sollte, insbesondere in der Führungsspitze. Das heißt aber nicht, dass Angehörige anderer Schichten nicht Mitglied sein können und nicht eine wichtige Rolle spielen können. Wenn wir also in unserer Massenarbeit auf die Arbeiterklasse orientieren und damit auch bezwecken, dass unsere neuen Reihen sich aus den Massen der Arbeiter aufstellen, heißt das nicht, dass wir keine Studenten mit kleinbürgerlichem Hintergrund mehr aufnehmen. Das Prinzip ist, dass jeder eine Aufgabe im Kampf der Arbeiterklasse übernehmen kann, seine Potentiale einbringen kann. Wenn wir eine Verbindung zur Arbeiterbewegung und zu ihrem politischen Ziel herstellen, können Studenten, Ingenieure oder Künstler eine positive Rolle spielen. Unser Auftrag ist der politische Kampf der Klasse und dafür alle Kräfte zu sammeln, die ihn führen oder unterstützen.

Umfassende Massenarbeit führt in die Betriebe

Wie bereits oben beschrieben, ist unser Ziel ist die Organisierung der Klasse insgesamt zur Vorbereitung des subjektiven Faktors für die Revolution, das heißt, dass sie bereit ist, die Macht zu übernehmen. Wir leisten in gewisser Hinsicht Vorarbeit für die Gründung von Räten in einer revolutionären Situation. Die Massen kennen dann bereits Formen der Organisierung und Selbsttätigkeit.

Wie wir in der Orientierung geschrieben haben, spielen alle Bereiche des Lebens eine wichtige Rolle. Aus strategischer Sicht ist unser Ziel, durch die allseitige Organisierung die Verankerung in den Betrieben zu erlangen. Wir dürfen die Betriebe und die Arbeiter nicht isoliert von anderen Lebensbereichen betrachten. Für den Klassenkampf und besonders in seiner zugespitzten Phase spielen die Betriebe eine besondere Rolle, weil dort die Massen der Arbeiter konzentriert sind und ihre kollektiven Handlungen sowohl effektiv dem Klassenfeind schaden, als auch große Schritte in der gemeinsamen Erfahrung sind. Diese besondere Bedeutung der Betriebe darf nicht zu einer ökonomistischen Sichtweise führen, die den politischen Charakter des Klassenkampfs unterschätzt und die ohne Beachtung der Situation und des politischen Ziels auf Betriebskämpfe orientiert. Dabei kann häufig kaum mehr als gewerkschaftliche Arbeit herauskommen.

Wenn wir hier den Aufbau von Massenarbeit im breiten Sinne vorschlagen, dient es auch dazu, Kontakte in die Betriebe herzustellen und sowohl die Arbeiter verschiedener Betriebe zu verbinden, als auch ihren Kampf mit der Situation ihrer Familien zu verbinden. Ein Beispiel ist, wenn wir mit einem Stadtteil-/Nachbarschaftsverein einen Streik von Busfahrern unterstützen, die von Niedriglohn und prekären Arbeitsverhältnissen betroffen sind, kann die Idee der gegenseitigen Hilfe für sie sehr interessant sein und eine Verbindung hergestellt werden. Anders herum kann ihre Streikerfahrung für andere Arbeiter im Nachbarschaftsverein wichtig sein, ebenso wie ihre Berichte von den Schwierigkeiten in der Gewerkschaft, ihre Forderungen durchzusetzen. Über einen Nachbarschaftsverein oder auch einen Sportverein, der einen Streik unterstützt, kann sogar Kontakt zu Arbeitern aus anderen Branchen hergestellt werden, die in der Lage sein könnten, einen Solidaritätsstreik zu organisieren.

Ein besonderes Augenmerk sollten wir auf die Jugend legen und sie in den verschiedenen Lebensbereichen ansprechen – Schule, Kultur, Sport, andere Interessen. Die Jugend ist offener und beweglicher, noch nicht so festgelegt. Sie wird außerdem in die Kämpfe der nächsten Zeit besonders involviert sein. Wir können die Bildung und Entwicklung der Persönlichkeit positiv beeinflussen, revolutionäre Berufsberatung machen. Die Jugend ist über Kultur und Sport mobilisierungsfähig. Auch hier sind uns keine Grenzen gesetzt, über welchen Weg wir sie erreichen. Wenn für sie das Thema Krieg spannender ist als die Schulsanierung, dann bieten wir dazu etwas an. Wir haben im Blick, dass sie in ein paar Jahren entweder eine Ausbildung beginnen oder studieren werden.

Betriebe und Gewerkschaften

Wie bereits oben beschrieben, sind die Betriebe unser strategisches Ziel. Die Gewerkschaften spielen von Beginn an eine zentrale Rolle in der Arbeiterbewegung, sie waren neben Vereinen die ersten und dann die größten Massenorganisationen des Proletariats. Über längere Zeit waren sie revolutionär und strebten den Sturz des Kapitalismus an. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte sich mit Entstehung der Arbeiteraristokratie der Opportunismus in den Gewerkschaften und vor allem in ihrer Führung durch.

Mit der Entwicklung des Imperialismus und der größeren Rolle, die der Staat spielt, hat die Bourgeoisie verschiedene Formen entwickelt, mit denen die Gewerkschaften an den Staat angebunden werden sollen, ohne dabei den Charakter von eigenständigen Organisationen der Arbeiterklasse zu verlieren. Hier sei die zum Teil staatlich fixierte „Sozialpartnerschaft“ genannt, die den Gewerkschaften ihre Rolle in der Gesellschaft als Tarifpartner und eben nicht als Klassenkämpfer genau zuweist.

Die DGB-Gewerkschaften sind heute die größten Massenorganisationen der Arbeiterklasse, sie sind organisatorisch eigenständig und demokratisch strukturiert. Über viele Wege und Methoden wird aber die „Sozialpartnerschaft“, die Zusammenarbeit mit dem Kapital und damit das Kapitalinteresse durchgesetzt. Sie bezeichnen sich als Einheitsgewerkschaften, in denen Arbeiter aller politischen Richtungen vereinigt sein sollen, sie sind aber sozialdemokratische Richtungsgewerkschaften, in ihrer Geschichte wurden Kommunisten regelmäßig ausgeschlossen. Sie sind organisatorisch und politisch abhängig von der Sozialdemokratie. Die DGB-Gewerkschaften sind aber auch mit dem Staat und mit den Konzernen durch Bündnisse und Personalüberschneidungen eng verbunden. Die innergewerkschaftliche Demokratie ist gleichzeitig eine Farce. Dies funktioniert aber nur aufgrund der Passivität vieler Mitglieder. Es ist wichtig, dass wir Handlungsoptionen innerhalb der Gewerkschaften aufzeigen, indem wir auf die formal demokratische Strukturen verweisen und versuchen, sie zu nutzen und zu stärken, mehr Mitglieder zu aktivieren und damit die Durchsetzung der Sozialpartnerschaft durchkreuzen. Ob die Führungen dann durch andere Mittel diese Demokratie unterhöhlen, wenn jemand auf die Idee kommen sollte aktiv und klassenkämpferisch zu werden, wirkt bewusstseinsfördernd. Insgesamt müssen wir erkennen: Die Kräfteverhältnisse in den Betrieben und Gewerkschaften lassen sich sehr wohl verändern, wir können den Opportunismus und die Klassenzusammenarbeit zurückdrängen – durch geduldige, systematische und gut organisierte Arbeit.

Unser Ziel muss sein, sie zu wirklichen Einheitsgewerkschaften auf der Grundlage des Klassenkampfs zu machen und sie zu einem wichtigen Antriebsriemen für die Revolution zu machen. Das heißt, darin den Kampf gegen Sozialpartnerschaft, gegen Opportunismus und Stellvertreterwesen zu führen – für die Selbsttätigkeit der Massen, für konsequentes Kämpfen für die ökonomischen und politischen Ziele der Arbeiterklasse.

Der ökonomische und der politische Kampf sind nicht getrennt. Es muss uns also um die Politisierung der Gewerkschaftsbewegung, der dort organisierten Arbeiter gehen – und darum, mehr Arbeiter in den Gewerkschaften zu organisieren. Die Politisierung findet dabei nicht anders statt, als in anderen Formen der Massenarbeit – sie darf weder auf die lange Bank geschoben oder auf ökonomische Fragen beschränkt werden, noch darf sie über das Ziel hinausschießen und die Arbeiter dabei verlieren. Die richtige Verbindung herzustellen erfordert die genauen Kenntnisse der Lage, der Bedingungen und der Bereitschaft der Arbeiter.

Die Verbindung von Betrieb und Gewerkschaften spielt eine besondere Rolle – ohne Verankerung und Stütze in den Betrieben wird keine effektive Veränderung des Kräfteverhältnisses in den Gewerkschaften möglich sein, anders herum wird Betriebsarbeit ohne Gewerkschaftsarbeit ebenfalls langfristig nicht möglich sein.

Da der Kampf in Betrieb und Gewerkschaften durch Gesetze und die Präsenz des Klassenfeinds – entweder direkt durch den Kapitalisten und seine Funktionäre oder durch Arbeiterbürokraten erschwert ist, ist die Analyse und Kenntnis der Verhältnisse und Bedingungen, der Taktiken des Klassenfeinds wichtig, ebenso wie die Erfahrung von Kommunisten, Wege und Kniffe dagegen zu finden. Besondere Beachtung in unserer AG-Arbeit muss der Erfahrung anderer kommunistischer Organisationen und Parteien bei Ausschlüssen aus den Gewerkschaften gelten, da wir rechtzeitig einen guten Umgang damit finden müssen in der Annahme, dass wir bei entfalteter Aktivität davon betroffen sein werden. Darauf müssen wir vorbereitet sein, weil daraus sowohl Opportunismus als auch Radikalismus entstehen kann, die uns beide von den Massen trennen.

Eine Frage, die wir in Bezug auf die Arbeit in den Gewerkschaften beantworten werden müssen, ist die eines klassenkämpferischen Netzwerks, einer Front. Im Moment fehlt uns dafür die bessere Kenntnis der Kräfteverhältnisse in den Gewerkschaften und Erfahrungen in der Aktivierung von Kollegen im Betrieb und dann auch Gewerkschaft. Wir müssen uns als Organisation auf jeden Fall auf die Frage der Organisierung innerhalb der Gewerkschaften und auf drohende Ausschlüsse vorbereiten.

Für den Kampf in den Gewerkschaften gelten dieselben Prinzipien der Massenarbeit, wie sie unten aufgeführt werden – Aktivität, Unabhängigkeit, Solidarität. Zum Teil sind diese Prinzipien auch Bestandteil der Satzungen der Gewerkschaften, was aus ihrer Geschichte resultiert. Uns muss es darum gehen, dass sie auch verwirklicht werden, Formen zu finden, mit denen die Kollegen sie verwirklichen können.

Die Orientierung ist, dass die Genossen, die bereits in den Gewerkschaften aktiv sind, ihren Kampf ausweiten und systematisieren und entlang der Prinzipien dieses Leitantrags gestalten. Dort, wo es sinnvoll ist, sollen weitere Genossen im Betrieb und/oder in den Gewerkschaften aktiv werden. Je nach Bedingungen, Möglichkeiten und Kapazitäten vor Ort kann es sinnvoll sein, gezielt Genossen zu einer betrieblichen Ausbildung zu raten oder einen Schwerpunkt auf die Arbeit in gewerkschaftlichen Zusammenhängen zu legen, insbesondere um Auszubildende zu erreichen.

Eigenständigkeit der Massenorganisationen

Uns die Eigenschaft der Eigenständigkeit der Massenorganisationen bewusst zu machen, ist ein zentrales Anliegen des Leitantrags. Eigenständig hat dabei zwei Bedeutungen: eigenständig, um etwas tun zu können – Selbsttätigkeit – und eigenständig im Sinne von unabhängig von etwas. Eigenständigkeit heißt Unabhängigkeit vom Klassengegner, in welcher Form auch immer er auftritt – vom Quartiersmanagement über das Kulturamt bis zur Stiftung.

Eigenständigkeit im Sinne der Selbsttätigkeit heißt: Wir machen das selbst, es ist nicht schon alles da. Wir sammeln selbst Erfahrung im Planen, Organisieren und Umsetzen. Wie oben beschrieben, kann die Revolution nur das Werk der Arbeiterklasse sein, die Selbsttätigkeit und Aktivität ist daher ein wichtiges Element der Massenarbeit, die wir ganz konkret beachten und umsetzen müssen. Als Betriebsrat müssen wir vermeiden, dass die Kollegen denken „der macht das schon für mich“. Bei der gegenseitigen Hilfe müssen wir, wenn wir mehr Wissen haben als andere, darauf achten, nicht alle Anträge selbst auszufüllen oder die Papiere zu sortieren, weil es schneller geht oder wenn es um eine Wandzeitung im Betrieb geht, die Artikel in der Zeitung lieber selbst zu schreiben, weil man es gewohnt ist und eh besser schreiben kann.

Eigenständig im Sinne der Unabhängigkeit von Staat, bürgerlichen Einrichtungen aller Art heißt vor allem finanzielle und materielle Unabhängigkeit. Das sind die Bedingungen für reale Unabhängigkeit. Nur wenn wir bzw. die Massenorganisation es wirklich selbst machen kann – das Fest organisieren, den Raum mieten, den Streik organisieren, … – ist sie unabhängig. Das ist ein in der Praxis nicht leicht zu vermittelnder Punkt, da nicht alle Formen, in denen der Klassenfeind auftritt als solche erkannt werden bzw. kein ausreichendes Bewusstsein vorhanden ist, warum es ein Problem sein sollte, von der Stadt Geld zu bekommen wenn man damit den Raum finanzieren kann oder dass z.B. die Gewerkschaftsführung die Regierung bei einem Gesetzesvorhaben unterstützt, wenn sie dadurch doch mehr Einfluss haben kann.

Eigenständigkeit gilt auch gegenüber der Kommunistischen Organisation. Das ist die Bedingung für die Offenheit der Massenorganisation und zugleich für die Avantgarde-Rolle der Partei. Wie bereits oben erwähnt ist das Verhältnis zwischen beiden Formen der Arbeiterbewegung kompliziert und historisch spezifisch. Grundsätzlich gilt aber, dass die Funktionen der Organisationen unterschiedlich sind und sie deshalb nicht identisch sein können, auch wenn sie eine organische Verbindung haben müssen und in gewisser Hinsicht im Kampf eine Einheit darstellen müssen. Die Funktion der Massenorganisation ist die Sammlung möglichst vieler Arbeiter, die unabhängig von ihrer politischen Überzeugung bereit sind, für die gemeinsamen Interessen zu kämpfen. Die Funktion der Kommunistischen Organisation ist die Führung des Klassenkampfs, die Zusammenführung seiner verschiedenen Elemente und der verschiedenen Teile der Arbeiterklasse und Volksschichten. Das setzt ideologische Einheitlichkeit und Kenntnisse voraus. Sie kann nicht von so vielen wie möglich, sondern von den erfahrensten, opferbereitesten und geschultesten Arbeitern geleistet werden. Würden wir diese Bedingungen zu Bedingungen der Massenorganisationen machen, wäre keine Einheit der verschiedenen darin versammelten Arbeiter möglich.

Das heißt auch konkret, dass es sein kann, dass wir von uns aufgebaute Strukturen der Massenorganisation verlieren, wenn andere politische Kräfte darin die Oberhand erlangen. In bestehenden Massenorganisationen wie Gewerkschaften kämpfen wir für die tatsächliche Eigenständigkeit gegenüber dem Staat, den Unternehmen und der Sozialdemokratie.

Die Eigenständigkeit muss sich in völlig transparenten und demokratischen Strukturen der Massenorganisationen ausdrücken – jeder Arbeiter kann sofort erkennen, wie er mitmachen und entscheiden kann, er muss erkennen können, wer welche Interessen vertritt und Ziele verfolgt. Hier sind Satzungen und Regeln und ihre Beachtung wichtig – sowohl in Vereinen, die wir selbst gründen, als auch in den Gewerkschaften.

Verhältnis der Kommunistischen Organisation zur Massenorganisation

Seit der Niederlage von 1989 ist die Arbeiterbewegung von Desorganisierung und Opportunismus geprägt. Die Erkenntnis, dass nur mit dem Sturz des Kapitalismus und der Macht der Arbeiterklasse die Lösung der Probleme möglich ist, ist verschüttet und aus dem Bewusstsein weitgehend verschwunden. Die Lücke, die durch die Niederlage und das Verschwinden oder Schrumpfen der Parteien entstanden ist, wurde gefüllt durch allerlei Varianten der Sozialdemokratie und der kleinbürgerlichen Ideologie. Sie alle zielen auf die Reformierung des Systems ab, auch wenn sie teilweise radikal klingende Parolen und utopische Vorstellungen aufstellen.

Der Klärungsprozess, den wir anstoßen, hat hier eine wichtige Bedeutung. Die Arbeiterklasse muss die verschiedenen Kräfte und ihre Lösungsvorschläge erkennen können. Es muss für sie darüber klar, wer welchen Weg vorschlägt, wer welche Organisation entwickelt und was das für das Ziel der Arbeiterklasse bedeutet. Dies gilt nicht nur für allgemeine Zuschreibungen wie „kommunistisch“ oder „sozialdemokratisch“, sondern muss gerade in konkreten Auseinandersetzungen erkennbar sein. Während bürgerliche Kräfte welcher Schattierung auch immer auf die verschiedensten Lösungen innerhalb des Systems orientieren, müssen wir den Zusammenhang mit der Notwendigkeit des Sturzes des Kapitalismus aufzeigen. Das ist keine leichte Aufgabe. Es kann weder platt, noch phrasenhaft sein kann, noch kann die Aufklärung über die Notwendigkeit der Machtübernahme durch die Arbeiterklasse einfach weggelassen werden. Weil für die Arbeiterklasse der Unterschied zwischen den Kräften, die auf Scheinlösungen und Illusionen setzen und der kommunistischen Organisation sichtbar sein muss, sind Bündnisse mit anderen Organisationenproblematisch und eine Teilnahme muss deshalb mit besonderer Verantwortung gegenüber den konkreten Anforderungen des Klassenkampfs entschieden werden und eine Analyse der anderen Kräfte geleistet werden. Das heißt, dass wir auch auf der Ebene der Massenorganisationen darauf hinwirken müssen, Bündnisse mit Organisationen abzulehnen, die bürgerliche und konterrevolutionäre Einflüsse unter den Massen verbreiten.

Während alle bürgerlichen und reformistischen Kräfte versuchen, die Arbeiterbewegung zu unterwerfen und von „Einheit“ und „Unabhängigkeit“ sprechen, während sie die „Politisierung“ ablehnen, fesseln sie die Arbeiter an die Bourgeoisie, führen sie in eine politische Abhängigkeit , die sie nicht erkennen sollen. In diesem politischen Kampf verteidigen wir die Unabhängigkeit der Massenorganisationen gerade deshalb, damit die Arbeiter den politischen Kampf erkennen und selbst führen können, damit wir aufzeigen können, durch welche Wege sich das Interesse der Kapitalistenklasse einschleicht und hereingetragen wird.

Das Verhältnis der Kommunistischen Organisation zur Massenarbeit und zu den Massenorganisationen wird eine Frage sein, die uns in der Umsetzung immer wieder beschäftigen wird und mit der wir uns weiter beschäftigen werden müssen, ebenso mit den Auseinandersetzungen zu dieser Frage in der Geschichte der Arbeiterbewegung, wovon es viele gab.

Auf der einen Seite müssen Kommunistische Organisation und Massenorganisationen getrennt und organisatorisch eigenständig sein. Auf der anderen Seite wird es in der Wirklichkeit eine starke und lebendige Partei über viele Wege und Formen mit den Massen verbunden sein und dem Klassenfeind wie ein revolutionärer Gesamtorganismus erscheinen. Die Revolution ist das Werk der Arbeiterklasse selbst – also der Massen der Arbeiter, aber unter Führung der Partei, also der bewusstesten Arbeiter, der am besten organisierten. Die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse besteht nicht nur aus Arbeitern, sondern in ihr können auch Angehörige anderer Volksschichten sein, die sich dem Kampf anschließen. Eine starke Vertretung von Arbeitern, ihre Erfahrungen und Verankerung ist insbesondere in der Führung wichtig für die Entwicklung der Partei.

Es gibt auf der einen Seite eine notwendige klare organisatorische Trennung zwischen Partei und Massenorganisationen. Auf der anderen Seite sind sie nicht hermetisch voneinander abgeriegelt. Wir dürfen sie nicht getrennt voneinander denken und voneinander abschotten. Es ist ein Fehler, die Kommunistische Organisation aus Angst oder Unsicherheit von den Arbeitern zu trennen, erst viel später mit ihnen über kommunistische Standpunkte zu sprechen und dadurch der Hebung ihres Bewusstseins eine Grenze zu setzen. Auf der anderen Seite ist es falsch, die Kommunistische Organisation mit einer Massenorganisation zu verwechseln und sie so zu öffnen, dass es keinen Unterschied mehr gibt.

Der wichtigste Unterschied zwischen Massenorganisationen und der Kommunistischen Organisation besteht darin, dass die Kommunistische Organisation die Grundlage für den Aufbau der kommunistischen Partei darstellt, die kommunistische Partei aber die höchstentwickelte Form der Organisation des Proletariats ist. Sie hat den Gesamtblick für den Klassenkampf des Proletariats, sie vereinigt die verschiedenen Anforderungen des Klassenkampfs – des ökonomischen, politischen und ideologischen. Sie umfasst die Kader, die am meisten diszipliniert und geschult sind und den Kampf anführen können. In ihr sind die Revolutionäre organisiert, die das gemeinsame politische Ziel verfolgen. Sie ist damit keine Massenorganisation, auch wenn Massen im Sinne von vielen Menschen darin organisiert sein können. Massenorganisationen in dem hier gemeinten Sinne sind dagegen Sammelorganisationen für alle Proletarier – unabhängig von ihrer politischen Überzeugung, solange sie bereit sind, für ihre Interessen mit ihren Klassenbrüdern einzutreten.

Die Kommunistische Organisation ist die Voraussetzung für die Existenz eigenständiger Massenorganisationen. Ohne die bewusste, politische Kraft gibt es keine Organisationen, mit denen die Arbeiter ihren Kampf entfalten können. Wir stehen in einem fortgeschrittenen Stadium der Arbeiterbewegung, nicht am Anfang wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts als die Arbeiterklasse sich zunächst emanzipieren musste und sich als Klasse und Bewegung herausbildete. Aber bereits damals gingen die wesentlichen Impulse für die Schaffung von Gewerkschaften und anderen Formen der Organisierung der Arbeiter von revolutionären Kräften aus. Es ist falsch, anzunehmen, dass sich aus der Zunahme der Kämpfe heraus die richtigen Formen automatisch ergeben werden oder dass erst ein Aufschwung in der Klasse stattfinden muss, damit die Kommunisten anknüpfen und wirksam werden können.

Das Verhältnis der Kommunistischen Organisation zum Kampf der Arbeiterklasse ist das Gegenteil von Spontaneismus. Unser Ziel ist die bewusste, strukturierte und planvolle Führung des Kampfs der Arbeiterklasse. Wir erkennen den Unterschied zwischen Partei und Massen, aber wir streben eine organische Verbindung an, in der die Partei eine besondere Organisationsform mit Anforderungen an ihre Mitglieder ist. Wir müssen planend voranschreiten. Dabei sind die Erkenntnisse der Geschichte des Kampfs der Arbeiterklasse wichtig für uns.Die Entwicklung der Kommunistischen Internationale als Höhepunkt der Organisation des revolutionären Proletariats, die Entwicklung ihrer Kriterien für die Parteien und ihre Analysen sind für unser Verständnis der Organisation wichtig. Wir werden sie uns systematisch aneignen und nutzbar machen.

Zugleich wird es nicht möglich sein, dass vor der Revolution jeder einzelne Arbeiter alle Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus verstanden hat und es erst dann zur Revolution kommen kann, wenn die Mehrheit der Arbeiterklasse bereits in der Kommunistischen Partei organisiert ist. Die Hebung des Bewusstseins hängt auch von objektiven Faktoren und der Entwicklung des Kampfs ab. Die bewusstesten und am besten organisierten Teile der Arbeiterklasse werden in der Minderheit sein, auch noch nach der Revolution.

1913 befanden sich die Bolschewiki in der Auseinandersetzung mit den Liquidatoren, die die Partei auflösen wollten und nur noch legale Massenarbeit betreiben wollten. Ziel der Bolschewiki war, die Gewerkschaften, Volkshäuser und anderen Organisationen von den Opportunisten zurück zu erobern. In dieser Auseinandersetzung schrieb Lenin über das Verhältnis der Partei zu der Massenarbeit: „Die Marxisten sehen das Verhältnis der nichtorganisierten (und lange Zeit, manchmal jahrzehntelang, nicht organisierbaren) Masse zur Partei, zur Organisation, prinzipiell anders. Gerade damit die Masse einer bestimmten Klasse lernen kann, die eigenen Interessen, die eigene Lage zu begreifen, ihre eigene Politik zu betreiben, gerade dazu ist die Organisation der fortgeschrittensten Elemente der Klasse unbedingt und um jeden Preis notwendig, auch wenn diese Elemente am Anfang einen ganz geringen Teil der Klasse ausmachen sollten. Um der Masse zu dienen und ihre richtig erkannten Interessen zum Ausdruck zu bringen, muss der Vortrupp, die Organisation ihre ganze Tätigkeit in die Masse verlegen und dabei aus ihr ausnahmslos alle guten Kräfte heranziehen und auf Schritt und Tritt, sorgfältig und objektiv prüfen, ob die Verbindung mit den Massen gewahrt wird, ob sie lebendig ist. So und nur so erzieht und schult der Vortrupp die Masse, indem er ihre Interessen zum Ausdruck bringt, sie lehrt, sich zu organisieren, und die ganze Tätigkeit der Masse auf den Weg bewusster Klassenpolitik lenkt.“ (Lenin, Werke Band 19, S. 400)

Eine der wesentlichen Kriterien für Massenarbeit und Massenorganisationen ist, dass sie keine „Vorfeldorganisationen“ sind, die an der Partei hängen, von ihr indirekt bestimmt werden und letztendlich die Eigenständigkeit und Handlungsfähigkeit der Massen lähmen. Die Eigenständigkeit ist sowohl für die Entwicklung der Arbeiter in den Massenorganisationen wichtig, als auch für die Entwicklung der Kommunisten in den Massenorganisationen. Der ideologische Kampf, der überall geführt werden muss, muss offen diskutieren, alle Fragen ansprechen, alle Widersprüche benennen können. Kommunisten können sich nicht zurücklehnen und sich auf Parteitagsbeschlüsse beziehen und damit vermeintlich Fragen beantwortet haben. Unser Ziel ist, dass die Kommunistische Organisation und ihr Programm so weit wie möglich verbreitet ist, dass ihre Ziele hegemonial in der Arbeiterbewegung sind, dass opportunistische und reformistische Kräfte zurückgedrängt werden. Dieses Ziel erreichen wir aber nur, wenn wir uns mit offenem Visier den Widersprüchen und Problemen stellen. In Massenorganisationen führen wir den ideologischen Kampf als Mitglieder der KO, als Kommunisten, aber nicht als delegierte Stellvertreter, sondern als aktive und vorangehende Teile der Massenorganisation.

Die Verbindung des ökonomischen mit dem politischen Kampf, die Verbindung der Ziele der heutigen Kämpfe mit dem Ziel der Revolution, die Verbindung der konkreten Kampfschritte mit der Frage der Macht ist kompliziert und wird uns auf allen Ebenen herausfordern. Wir müssen sowohl die Bedingungen und Verhältnisse in einem Bereich (Betrieb einer bestimmten Branche, Siedlung in einer Stadt,…) kennen, als auch die vom Staat und den Kapitalisten gesetzten allgemeinen Bedingungen (Gesetze,…) und die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung (Krise, …), um zu richtigen Losungen zu kommen, die sowohl dem Bewusstsein der Arbeiter entsprechen, als auch darüber hinausgehen ohne aber über das Ziel hinauszuschießen und die Arbeiter zu verlieren, weil sie nicht mehr nachvollziehen können, was damit gemeint ist.

Wir müssen versuchen, immer den Gesamtzusammenhang aufzuzeigen und alle Kräfteverhältnisse zu beachten, weil sonst die Gefahr besteht, dass die Arbeiter und ihr Kampf für ein falsches Interesse eingespannt werden. Wir müssen unterscheiden können zwischen dem, was jetzt der richtige Schritt ist, der nicht über das Bewusstsein hinausschießt und der eigentliche Kampf verloren geht. In einem Streik wird beispielsweise (vorerst) nicht direkt für die Räterepublik gekämpft, sondern erstmal für einen höheren Lohn oder für bessere Arbeitsbedingungen. Aber die konkrete Auseinandersetzung mit den Tarifforderungen kann erheblich dazu beitragen, dass Kollegen verstehen, was das Problem ist und wer sich wie dazu aufstellt. Die Arbeiter müssen sich über die Schritte des Kampfs bewusst sein und ihn selbst vorantreiben können.

Prinzipien der Massenarbeit

Wir können drei grundlegende Prinzipien der Massenarbeit benennen:

a) Aktivität

b) Unabhängigkeit

c) Klassensolidarität

Aktivität

Die Aktivität und Selbsttätigkeit der Menschen ist das wichtigste Prinzip und die Voraussetzung für die Verwirklichung der beiden anderen Prinzipien.

Die Aktivität muss sich auf alle Aspekte der Organisierung beziehen: Auf die praktisch-strukturellen Fragen, auf die soziale Verbindung zwischen den Menschen, auf alle politischen Fragen und auf die organisatorische Führung. Die Aktivität erstreckt sich also z.B. vom Putzdienst zur Erhaltung der Räumlichkeiten über das umeinander sorgen und über alle Probleme miteinander sprechen können bis zur Erörterung der politischen Fragen und der Führung und Ausweitung der Strukturen.

Der rote Faden unserer Aktivitäten muss sein, dass wir ermöglichen, dass alle mitdenken und mitentscheiden, sich einbringen können und Verantwortung übernehmen. Nur wenn die beteiligten Menschen es zu ihrer Sache selbst machen und ihr Potential einbringen, wird eine eigenständige Massenorganisierung im Sinne der Arbeiterklasse entstehen.

Dazu müssen die Formen so entwickelt sein, dass dieses Prinzip nicht nur ein formaler Grundsatz ist, sondern praktisch erfahrbar ist. Das kann zum Beispiel durch ein gemeinsames Plenum erreicht werden, dass so gestaltet ist, dass insbesondere Arbeiter, die es oft nicht gewohnt sind, gefragt zu werden, sich äußern können und merken, dass es eine Rolle spielt, ob sie das tun oder nicht. Das kann am besten durch die gemeinsame Erfahrung also praktische Umsetzung von Ideen geschehen, in der jeder eine Aufgabe übernimmt, seine Ideen berücksichtigt werden und man sich aufeinander beziehen muss, damit das Ganze klappt.

Dabei spielen transparente und einfache Entscheidungsstrukturen eine wichtige Rolle und hierbei kommt die Eigenständigkeit besonders zum Tragen. Die Form der Massenarbeit – sei es Lesekreis, Abteilungsversammlung im Betrieb oder ein Verein in Stadtteil muss repräsentativ für alle darin Versammelten sein, nicht für Fraktionen, nicht für Individuen und nicht für Außenstehende.

Die Grundlage der Organisationen ist Demokratie. Alles muss von unten diskutiert, durchdacht und mitentschieden werden. Zugleich gelten die kollektiv verabschiedeten Beschlüsse für alle. Die Verteidigung des demokratisch-zentralistischen Prinzips gilt auch für Massenorganisationen, auch wenn die Kommunistische Organisation dieses Prinzip in höherer Form und Disziplin ausübt. Die offene Debatte, die Übernahme von Aufgaben und Verantwortung, die Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen und durchzusetzen wird für die Arbeiterklasse in der revolutionären Situation in den Räten eine entscheidende Rolle spielen, ebenso wie beim Aufbau des Sozialismus. Das Zustandekommen dieser Prinzipien muss ebenfalls demokratisch entwickelt, diskutiert und verstanden werden.

Dieses Prinzip gilt für die Kommunisten ebenso wie für alle anderen. Nur wenn wir aktiv und mit Ideen, mit Verantwortung und Transparenz mitarbeiten, werden wir einen guten Beitrag leisten und unser Ziel – die Aktivierung der meisten – erreichen. Wir sind keine Sozialarbeiter, keine Anwälte, keine Dienstleister, wir sind Kollegen, Nachbarn, Klassenbrüder und -schwestern.

Das heißt, dass wir bewusst jede Form von Stellvertretertum durchbrechen müssen. Das gilt in den von uns entwickelten Strukturen, wo wir vor allem darauf achten müssen, dass möglichst alle eine Aufgabe übernehmen und wir nicht alles selbst erledigen. Das gilt genau so für bestehende Massenorganisationen, in denen wir wirken. In den Gewerkschaften ist das Stellvertreterwesen besonders verbreitet und institutionell verfestigt. Wir müssen dies besonders aufmerksam erkennen und an allen Stellen wo es uns möglich ist, zurückdrängen durch Formen der Aktivierung und Beteiligung der Kollegen. Bei der Übernahme von Funktionen in Massenorganisationen ist die Gefahr des Stellvertretertums besonders zu beachten und zu reflektieren.

Für diese, wie auch für andere Fragen müssen wir die Erfahrungen der Genossen, die bereits Erfahrungen in der Massenaktivität gesammelt haben, gut auswerten. Wir können daraus bereits konkrete Ansätze der Massenarbeit ableiten, die sich dabei bewährt haben.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich das Bewusstsein der Menschen durch die Erfahrung in Massenorganisationen verändert und zwar gerade durch die Aktivierung und Selbsttätigkeit. Das geschieht nicht nur, wenn wir etwas organisieren, sondern durch Aktivität und Erfahrung der Menschen selbst, sei es im Sportverein oder den Gewerkschaften. Daran können wir aber sehr gut anknüpfen. Wer diese Erfahrung gesammelt hat und sich kennen gelernt hat als einen aktiven Menschen mit Potentialen, der kann sich auch in anderen Vereinen oder Massenorganisationen einbringen und dort aktive Beteiligung herausfordern.

In allen Formen der Massenarbeit sind Regeln und Prinzipien notwendig, um den Rahmen abzustecken und die Grundlage für das gemeinsame Wirken zu legen. Diese Regeln müssen wir beachten und verteidigen, aber wenn nötig auch verändern oder anpassen. Bei allen notwendigen Strukturen und Regeln dürfen wir aber den roten Faden nicht aus den Augen verlieren und müssen die lebendige Aktivität fördern. Das starre Festhalten an Regeln oder das Zurückziehen auf bürokratische Tätigkeit ist ein Ausdruck von mangelnder Orientierung und der nicht vorhandenen Fähigkeit, sich selbst kreativ einzubringen.

Unabhängigkeit

Die Frage der Unabhängigkeit ist für die Organisierung der Arbeiterklasse essentiell. Damit ist nicht die Unabhängigkeit von Klasseninteressen oder dem Klassenstandpunkt allgemein gemeint. Ganz im Gegenteil geht es darum, Formen zu entwickeln, die unabhängig von der bürgerlichen Ideologie sind und stattdessen Formen sind, in denen die Menschen ihr gesellschaftliches Interesse erkennen und erfahren können. Die herrschende Klasse versucht überall, genau das zu verhindern und Menschen entweder abzulenken, vor den eigenen Karren zu spannen, passiv zu machen oder zu isolieren.

Unabhängigkeit und Eigenständigkeit heißt, politische Vereinnahmung durch den Klassenfeind (in welcher Form auch immer er auftritt) zu verhindern. Auch das gelingt nicht einfach durch Postulieren, sondern durch das konkrete Aufzeigen von anderen Interessen, die ins Spiel kommen. Der Kampf gegen die bürgerliche Ideologie und der konsequente Standpunkt für die Klasseninteressen der dort organisierten Werktätigen gehören zusammen.

Kernpunkt der Unabhängigkeit ist die finanzielle und im weiten Sinne materielle Unabhängigkeit. Geld, aber auch Räume, technische Mittel und geschäftlich günstige Beziehungen sind Mittel, um den Einfluss des Staates auf Vereine, Gewerkschaften oder andere Formen zu sichern. Aber auch dauerhafte größere Spenden von Unternehmen oder Einzelpersonen sind Einfallstore für die Anpassung an fremde Interessen. Spenden ohne jede Bedingung können nützlich sein. Aber drei aktive und bewusste Arbeiter sind viel mehr wert als drei großzügige Spender. Die Orientierung muss sein: Wir können das selbst! Durch die Beteiligung vieler Menschen an der Organisierung kann man große Potentiale an freiwilliger Arbeit und auch finanzieller Beteiligung erreichen.

Die Notwendigkeit der eigenen Infrastruktur, insbesondere Räume und Geld, ist eine alte Erfahrung der Arbeiterbewegung. Während des Sozialistengesetzes zum Beispiel hatten die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Probleme, Räume mieten zu können. Also bauten sie ihre Häuser selbst. Damit gingen zwar auch Tendenzen der kleinbürgerlichen Entpolitisierung einher, aber bis heute bleibt die Raumfrage zentral für Arbeiterorganisationen. Das gleiche gilt für Transport, Druckereien, etc.

In bestehenden Massenorganisationen müssen wir bzw. die Menschen, die wir dort oder woanders organisiert haben, einen Kampf für politische Unabhängigkeit von anderen Interessen führen. Das ist insbesondere in den Gewerkschaften ein wichtiger Kampf, da dort durch die Arbeiterbürokratie und die Sozialdemokratie das bürgerliche Klasseninteresse weitgehend implantiert ist, ohne dass es immer erkennbar ist. Auch dort gilt, ebenso wie im Wohnviertel, dass es nur durch konkrete Erfahrungen und das genaue Aufzeigen von Zusammenhängen erkannt werden kann. Wir müssen die Klasseninteressen und ihre Ursachen und Auswirkungen ganz konkret aufzeigen, sei es an Lohnforderungen, Sozialgesetzen oder den politischen Standpunkten der Vertreter verschiedener Parteien.

Wie bereits oben ausgeführt, sind die Massenorganisationen auch unabhängig von der Kommunistischen Organisation. Das heißt aber nicht, dass wir in der Kommunistischen Organisation nicht darüber reflektieren, was in den Massenorganisationen gemacht wird und wie die Rolle von Genossen in den Massenorganisationen ist. Entschieden wird aber in der Massenorganisation. Dort wollen wir die Eigenständigkeit und Offenheit der Debatte – zum einen damit sich möglichst alle Arbeiter an der Debatte beteiligen und ihre Sichtweise darlegen, aber auch damit wir diese Diskussionen führen können und nicht ausgeschlossen werden. Offene und kontroverse Debatte ist in gewisser Hinsicht das Kernstück unserer Organisierung – zur Aktivierung der Arbeiter und für unseren eigenen Handlungsspielraum. Wir sprechen uns ab, aber wir sprechen es offen aus und gehen das Risiko ein, dass wir es verlieren. Wir besprechen unsere Ziele, aber alles was die Massenorganisation machen soll, entscheiden soll, muss dort diskutiert und entschieden werden. Wir lehnen Mauschelei ab – alles muss offen und transparent benannt werden. Das heißt nicht, dass wir uns nicht überlegen, wie man zum Beispiel organisierte Faschisten isolieren kann. Wir können uns als Kommunisten Taktiken im Kampf gegen politische Gegner in Massenorganisationen überlegen und auch klassenbewusste Arbeiterinnen und Arbeiter für diesen Kampf gewinnen. Den Kampf vor Ort führen wir aber als vollwertige Mitglieder der Massenorganisation und versuchen andere Mitglieder von unseren Positionen zu überzeugen. Es kann z.B. sein, dass wir uns in einer bestimmten Zeit, aus taktischen Gründen, keinen offensiven Kampf mit den Faschisten liefern. Das hieße dann für die Genossen in der Massenorganisation die Füße für eine Weile stillzuhalten und die Gründe dafür den anderen antifaschistisch Gesinnten in der Massenorganisation zu erklären. Wenn wir als Kommunisten die Zeit für eine Offensive gekommen sehen, dann versuchen wir so viele andere wie nur möglich für den Kampf zu gewinnen.

Es sind die beiden Seiten derselben Medaille: Als Kommunist muss man reflektieren und sich austauschen, das heißt nicht, dass wir uns einfach hinsetzen und die Beschlüsse festlegen. Wir müssen den Mut haben, unsere Meinung zu sagen, auch wenn es falsch sein kann, es muss also nicht alles vorher abgesprochen sein. Die eine Gefahr ist, in der Massenorganisation aufzugehen, die andere ist, sie administrativ zu dirigieren.

Dabei ist die oberste Disziplin die der Kommunistischen Organisation, weil sie die Fähigkeit hat, die Verhältnisse zu durchschauen, die Gesamtsituation besser zu überblicken. Unser Ziel ist ein einheitliches Vorgehen und eine einheitliche Orientierung in den Massenorganisationen, was aber nicht dazu führen darf, dass wir dort, wo wir die Mehrheit stellen, auf Vermittlung, Erklärung und offene Debatte verzichten.

Unabhängigkeit und Eigenständigkeit heißt nicht, dass wir uns aus den Strukturen rausziehen. Unser Ziel ist, dass immer mehr Arbeiter, die mit uns in Kontakt sind, die Strukturen führen, sei es in von uns gegründeten Organisationen oder in den Gewerkschaften. Dass wir selbst Funktionen in Vorständen übernehmen, muss dem Prinzip der Eigenständigkeit nicht widersprechen, vor allem dann nicht wenn wir diese Funktion dafür nutzen, dass mehr Arbeiter dazu in der Lage sind.

Aber auch weil in den Massenorganisationen alle Arbeiter sein sollen, sozialdemokratische, christliche, konservative,… Sie sollen nicht die Prinzipien der Kommunistischen Partei, sondern nur die Prinzipien der Massenorganisation akzeptieren müssen. Kommunisten müssen sich anstrengen und zu den besten Teilen der Massenorganisationen werden. Wir können uns nicht einfach auf Parteibeschlüsse oder den Avantgarde-Anspruch ausruhen. Wir sind als Kommunisten Teil der Massenorganisation, aber nicht als Stellvertreter.

Unser Ziel ist, dass wir in den Massen propagieren können, dass die Kommunistische Organisation für die Eigenständigkeit von Massenorganisationen ist und welche Agenda wir darin verfolgen.

Solidarität

Dieses Prinzip können wir auch als Solidarität der Klasse bezeichnen. Ohne die Solidarität aller Arbeiter, jeder Nationalität, Religion, Geschlecht und sozialen Lage können wir die Spaltung der Klasse nicht überwinden. Die Spaltung der Klasse in alle erdenklichen Richtungen ist aber eine der wichtigsten Mittel der herrschenden Klasse zur Absicherung ihrer Herrschaft.

Das heißt auf der einen Seite, dass wir alle Versuche des Hasses oder Misstrauens erkennen und zurückdrängen müssen. Dieser Punkt kann in der konkreten Arbeit kompliziert werden. Viele Handlungen können beispielsweise als frauenfeindlich erscheinen, haben aber ganz andere Hintergründe. Nur wenn man Gelegenheiten schafft, sich kennen zu lernen und einander zu vertrauen, dann kann man solche Vorurteile abbauen und eine solidarische Haltung zueinander aufbauen.

Ein anderer Bereich sind Vorurteile bis hin zu Rassismus. Auch hier zeigt die Erfahrung, dass viel Zeit und Raum nötig ist, um Menschen kennen zu lernen und herauszufinden, um was es dabei geht. Viele Vorurteile können schnell relativiert werden, wenn man sich gegenseitig hilft. Politische Korrektheit und übertriebene Empörung an der falschen Stelle können aber genau das verhindern und sind falsche Intoleranz. Rassistische Hetzer können provozieren und müssen durch die anderen erkannt und isoliert werden. Dabei können die Grenzen fließend sein. Hier kann zu viel Toleranz falsch und eher Ausdruck von Konfliktvermeidung sein. Zusammenfassend kann man sagen, dass es auch unsere Aufgabe ist, einen solchen Umgang mit Rassismus und Frauenfeindlichkeit innerhalb der Arbeiterbewegung zu finden, der aufklärerisch ist und nicht durch simple Ausschlüsse geradewegs in Sektierertum führt.

Diese Auseinandersetzungen haben Menschen überall und wir werden sie in allen Formen der Massenarbeit haben und sollten bei von uns selbst geschaffenen Formen nicht die einfache Schlussfolgerung ziehen, Leute rauszuschmeißen. Im Vordergrund sollte die gemeinsame Erfahrung und Auseinandersetzung stehen. Im Betrieb oder in der Nachbarschaft können wir Menschen auch nicht einfach ausschließen. Etwas anderes ist die Isolierung von organisierten Faschisten.

Diese Prinzipien der Massenarbeit sollten wir in allen Bereichen des Lebens der Arbeiter und ihrer Familien anwenden. Dazu gehören Betrieb, Wohnviertel, Sport, Kultur, Schulen, Universität,…

Die direkte Verzahnung der verschiedenen Formen der Massenarbeit müssen wir nicht forcieren. Sie sollen miteinander verwachsen. Jeder von uns und von uns Organisierte soll die Idee der Eigenständigkeit und Aktivität verbreiten und überall hineintragen, wo er Zugang hat. Wir schaffen keine neue Szene Gleichgesinnter, wir wollen in alle Sphären der Gesellschaft hineinwachsen.

Alles was wir politisch und sozial machen, nehmen wir mit, wohin wir gehen und versuchen da wo es passt Menschen zu begeistern. Es muss ein Verwachsen über Individuen, nicht über Organisationen sein. In einem späteren, entwickelten Stadium kann es auch Sinn machen, bundesweite Zusammenschlüsse unserer Massenarbeit zu entwickeln.

Rolle der Kommunisten

Als Kommunisten in der Massenarbeit

Als Kommunisten sind wir Teil der Arbeiterklasse und all ihrer lebensweltlichen Bereiche. Wir gehen arbeiten, zahlen Miete, treiben Sport. So selbstverständlich wie wir anstreben uns in unseren Betrieben zu verankern, müssen wir uns auch in unseren Wohnvierteln und allen Bereichen der Freizeit mit den Massen verbinden.

Massenorganisationen in unserem Verständnis sind der klassenbewussteste und zuverlässigste Teil der Arbeiterbewegung. An diesen Punkten der Gesellschaft entwickelt sich proletarische Kultur. Arbeiter treten hier zusammen und tauschen sich über alltägliche, aber auch politische Fragen aus. Es liegt hier also an uns, unserer Organisierung und unserer Mitarbeit in den jeweiligen Bereichen, kritisches und solidarisches Bewusstsein zu schaffen.

Wir sind nicht nur ein stiller beobachtender Teil der Massenarbeit, sondern wir bringen uns aktiv und kreativ in diese Projekte ein. Wir beobachten die Arbeiter und diskutieren mit ihnen. Wir schätzen sie ein und machen Werbung für unsere Organisation. Die Fähigen und Interessierten, werden wir dann zu Unterstützern, Kandidaten und später Mitgliedern machen. Vieleunserer zukünftigen Kader sollten aus der Massenarbeit rekrutiert und aufgebaut werden.

Als Kommunisten genügt es nicht, formal marxistisch-leninistische Theorie verinnerlicht zu haben. Sondern wir müssen auch organisatorische und agitatorische Fähigkeiten ausbilden. Als Kommunisten müssen wir allseitig ausgebildet und der fortschrittlichste Teil der Arbeiterklasse sein. Agitation und Propaganda gehört gleichwertig zum Kommunist-sein dazu, wie die Fähigkeit, Analysen und Texte zu verfassen.

Agitation und Propaganda

Agitation und Propaganda sind für die Kommunistische Organisation zentrale Arbeitsbereiche. Wir werden hier nur kurz einige Anmerkungen dazu machen. Zu diesem Bereich wird ein grundlegendes Dokument und eine dazu passende Arbeitsweise entwickelt werden.

Agitation und Propaganda hängen eng zusammen und dürfen nicht künstlich getrennt werden und weder das eine noch das andere einseitig Übergewicht bekommen. Mit der Propaganda verbreiten wir die Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, wenden sie auf die konkreten Verhältnisse und ihre Entwicklung an, werfen die für Arbeiterbewegung relevanten Fragen auf, aber auch der anderen Klassen und ihrer Konstitution, weltanschauliche Fragen, historische, ökonomische, naturwissenschaftliche – alle Fragen, die die Welt und ihre Entwicklung betreffen. Wir bringen diese Fragen in Verbindung mit dem Leben der Volksmassen und ihren Bedürfnissen, genau so wie mit den Zielen des Klassenkampfs der Arbeiterklasse.

Die Agitation führt zur Aktion, indem sie die Massen organisiert und mobilisiert mit dem vordringlichen Ziel, den Klassenkampf zu erkennen und zu führen. Die Kraft der Agitation liegt darin, dass sie offen und direkt die Verhältnisse anprangert und Ross und Reiter benennt, sowie im systematischen Studium der Erfahrungen der Massen und der Hintergründe der gesellschaftlichen Verhältnisse. Um die Hauptaufgaben der Partei zu lösen, schrieb Lenin, „müssen wir sowohl als Theoretiker und als Propagandisten wie auch als Agitatoren und Organisatoren“ in die Massen gehen. (Lenin, Werke, Band 5, S. 439)

Propaganda ist eine zentrale Aufgabe der Kommunistischen Organisation, damit hängt die Forschungsarbeit der AGs eng zusammen. Als Propaganda bezeichnen wir die Verbreitung unserer Ansichten in der Bevölkerung. Die Leute wollen wissen „Was denken die Kommunisten zu dieser Frage?“ (Auch wenn sie heute oft erst mal fragen „Ach euch gibt es auch noch?“).

Die Propaganda zeigt den Gesamtzusammenhang auf, sie ist klar und auf den Punkt. Propaganda ist schonungslose, wissenschaftliche Aufklärung über die Verhältnisse. Sie verzichtet auf die „Übersetzung“ in eine „leichte Sprache“ und bedient sich der wissenschaftlichen Sprache. Allgemeinverständlichkeit ist trotzdem wichtig und selbstverständlich, aber zum Beispiel sollte hier auf Begriffe wie „Imperialismus“ oder „Profitrate“ nicht verzichtet werden. Was mittelfristig eine Parteizeitung für uns übernehmen wird, übernehmen heute dabei die Stellungnahmen. Für den gesamten Bereich der Veröffentlichungen werden wir Workshops und eine Arbeitsteilung entwickeln.

Agitation entwickeln wir auch als Organisation und nutzen dafür die gesammelten Erfahrungen und unsere Strukturen der Massenorganisationen. Wir betreiben sie aber auch jederzeit im Alltag, als individueller Kommunist. Sie ist dabei mehr eine Eigenschaft, die uns ins Blut übergehen muss. Agitation ist die Eigenschaft, in jeder Diskussion, in jedem Thema die wesentlichsten Punkte zu finden. Die Punkte, die wir dem Kapitalismus und seinen Anhängern vorwerfen. Aber auch die Punkte, die unserer Sache zuträglich sind. Wir müssen z.B. Hartz IV, oder andere Phänomene der Oberfläche, auf ihre Ursachen zurückführen, sie skandalisieren und dort den Hebel für die Aktivierung, hin zur Organisierung, ansetzen.

Agitation dient uns darüber hinaus als Schule und Prüfstein, für unsere Fähigkeiten. Wir schärfen unsere Argumente, lernen über die Bewusstseinslage der Arbeiterklasse und wie und an welchen Punkten diese für uns zu gewinnen ist. Agitation ist niemals Belehrung. Agitation ist Skandalisierung und Aktivierung, tagtäglich und in allen Bereichen des sozialen Lebens.

Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Authentizität sind dabei die Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum geht, mit der Arbeiterklasse auf Tuchfühlung zu gehen. Menschen merken nun mal, wenn sich andere Menschen verstellen. Es ist der schlimmste Fehler den wir begehen können, so zu tun, als ob wir jemand sind, der wir nicht sind.

Wir sind keine perfekten Kader und treten auch nicht als solche auf. Wir sind normale Menschen, die auch über ihre Probleme sprechen, wir sind Menschen mit Ecken und Kanten, die darüber reflektieren und anstreben, besser zu werden. Das bedeutet nicht, dass wir uns gehen lassen können und aus dem Blick verlieren, dass wir als Kommunisten bestimmten Anforderungen der Organisation genügen müssen.

Kritik und Selbstkritik ist in diesem Zusammenhang wichtig und darf nicht als formaler Tagesordnungspunkt verstanden werden, unter dem jeder sagt, wann er zu spät gekommen ist. Kritik und Selbstkritik heißt offener und ehrlicher Umgang mit Mängeln sowohl der Organisation, als auch der eigenen Tätigkeit und Persönlichkeit und sollte Bestandteil all unserer Aktivitäten sein, sowohl in der Massenarbeit als auch in der Kommunistischen Organisation.

Massenarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Aktivität und damit Pflicht für jedes Mitglied. Auch Genossen, die wichtige Funktionen übernommen haben, müssen in der Massenarbeit aktiv sein.

Wir müssen die Fleißigsten sein, wir müssen die sein, die als erste Aufgaben übernehmen, ohne alles an uns zu reißen und selbst zu machen. Das heißt, dass wir zuverlässig und aktiv sein müssen. Zugleich sind wir menschlich und gestehen Fehler offen ein. Das heißt aber nicht, dass wir alle auch schlechten Eigenschaften dessen, was jetzt als menschlich gilt, übernehmen. Wenn wir Aufgaben delegieren, heißt das nicht, dass wir uns zurücklehnen als Dirigenten. Die Devise ist, Verantwortung übernehmen ohne zu entmündigen. Wir achten darauf, dass wir die Privilegien beispielsweise in der Bildung nicht unreflektiert ausleben. Beispielsweise nehmen wir uns beim Schreiben der Zeitung zurück, aber beim Fegen der gemeinsamen Räume nicht. Wir als Kommunisten erkennen die Notwendigkeit der eigenständigen Organisation der Arbeiterklasse, wir als Arbeiter, als Teil der Masse initiieren Massenarbeit.

Ausgewählte Texte

Lenin zur Frage des Klassenkampfs und der Massenarbeit:

W.I. Lenin, Werke, Dietz-Verlag, Berlin, 1955

Werke, Band 1, S. 296-304: Was sind die „Volksfreunde“ (Ausschnitt)

Werke, Band 4, S. 209: Unsere nächste Aufgabe

Werke, Band 8, S. 450-453: Über die Verwechslung von Politik und Pädagogik

Werke, Band 19, S. 103: Über die liberale und die marxistische Auffassung vom Klassenkampf

Werke, Band 25, S. 413-425: Staat und Revolution, (II. Kapitel)

Werke, Band 31, S. 1-91: Der „linke Radikalismus“, die Kinderkrankheit im Kommunismus

Werke, Band 31, S. 172-189: Thesen über die Hauptaufgaben des Zweiten Kongresses der Kommunistischen Internationale

Für den historischen Kontext der Werke Lenins

„Geschichte der Kommunistischen Partei der UdSSR – Kurzer Lehrgang“, Verlag Neuer Weg, Berlin, 1945