Auf zum Kommunismus Kongress!

Die Kommunistische Organisation lädt Interessierte, Organisierte und Unorganisierte der kommunistischen Bewegung vom 23.-25. September 2022 zum Kommunismus Kongress nach Berlin ein.

Im Mittelpunkt steht die Parteifrage. Vertreter verschiedener Positionen sollen ihre Standpunkte in Diskussionsrunden und auf Podien kontrovers miteinander diskutieren. In Workshops und Vorträgen wollen wir den historischen Verlauf und den internationalen Stand der Organisationsdebatte erfassen.

Bereits vor dem Kongress wollen wir eine breite und intensive Diskussion zu der Frage welche Organisation die Arbeiterklasse braucht, wie wir dahin kommen, eine solche Organisation zu schaffen und welche Bedeutung dieser Frage allgemein zukommt, organisieren. So wollen wir den Austausch auf dem Kongress qualifizieren und auf die drängendsten Fragen und wichtigsten Auseinandersetzungen zuspitzen.

Wir werden einen zentralen Diskussionsaufschlag und einen Aufruf zum Einbringen in die Debatte voraussichtlich im April auf dieser Seite veröffentlichen.

Nach und nach werden wir auch Informationen zum Programm, zur Anmeldung und allen weiteren Fragen zum Kommunismus Kongress veröffentlichen.

Ihr habt jetzt schon Fragen? Dann schreibt uns an: kongress@kommunistische.org

Warum ein Kongress zur Frage der Kommunistischen Partei?

Die Parteifrage ist die Schlüsselfrage der kommunistischen Bewegung heute!

Es ist offensichtlich, dass der Imperialismus von einer Krise zur anderen taumelt und für Millionen Hunger, Perspektivlosigkeit und Entbehrung bedeutet. Dreißig Jahre nach der Konterrevolution gegen den real existierenden Sozialismus sind viele Länder mit Krieg überzogen und an weitere wird die Lunte gelegt.

Zugleich ist die Arbeiterbewegung in vielen Ländern schwach, politisch diffus und ohne klaren Kurs. Die Aufgabe liegt auf dem Tisch: Sturz der Herrschaft der Kapitalisten. Aber wie dieses Ziel erreichen, mit welcher Strategie und Taktik und mit welcher Organisation?

Was braucht die Arbeiterklasse, um den Kampf gewinnen zu können?

Das ist die Frage nach der Kommunistischen Partei.

Die Parteifrage ist die Schlüsselfrage der gegenwärtigen kommunistischen Bewegung. Brennende Fragen und unmittelbar anstehende Aufgaben der Bewegung werden weder beantwortet noch gelöst werden können, wenn wir nicht die Partei haben, die diese Fragen kollektiv, wissenschaftlich und einheitlich angeht.

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Die Parteifrage ist eine praktische Frage

Die Frage der Partei ist nicht eine von den realen Bedingungen und von der Kampfpraxis losgelöste Frage. Es stellen sich viele praktische Fragen im Kampf der Arbeiterklasse, die eine wissenschaftliche Analyse und die Auswertung der Erfahrungen der Arbeiterbewegung brauchen. Es kann uns bei der Klärung der Frage nicht um das Herunterbeten von allgemeinen Lehrsätzen gehen, sondern um die sehr konkrete Umsetzung z.B. des Demokratischen Zentralismus, der Kritik und Selbstkritik, der Avantgarderolle, der Kaderschmiede, der Wissenschaftlichkeit usw.

Die kommunistische Bewegung als Ganzes ist gespalten in der Behandlung der theoretischen, historischen und tagespolitischen Themen. Das sehen wir an den zum Teil grundverschiedenen Positionen zur Corona-Pandemie, zum Sieg der Taliban in Afghanistan oder an der seit einigen Jahren sehr gegensätzlich geführten Diskussion zur Einschätzung der VR China. Diese Widersprüche ziehen sich auch durch einzelne Organisationen. Die Spaltung der kommunistischen Bewegung zeigt sich überdies in der Umsetzung der Parteifrage selbst: Während die einen alle Prinzipien preisgeben, die anderen diese nur statuarisch anerkennen, aber nicht praktisch umsetzen, gibt es auch Teile der Bewegung, die die Prinzipien anerkennen und formal umsetzen, aber nicht mit Leben füllen und inhaltlich durchdringen.

Die Unklarheiten in Einzelfragen sind Resultat eines mangelhaften Verständnisses der Gesamtlage des Klassenkampfes, der Kampfetappe, der Bestimmung des Sozialismus und weiterem mehr. Hier zeigt sich das gegenwärtige Problem des Fehlens einer starken Partei als Organisation des Wissenschaftlichen Kommunismus, als Ort, an dem eine Analyse der Gesamtlage und eine Kampfstrategie, eine Verbindung von Theorie und Praxis entwickelt wird.

Es fehlt den Kommunisten beispielsweise eine genaue Einschätzung der Entwicklung des Imperialismus und damit des Klassenfeinds. Wie ist der deutsche Imperialismus einzuschätzen, was sind seine nächsten Ziele? In welchem Verhältnis steht er zu den anderen Imperialisten? Wie funktioniert der Imperialismus weltweit? Wie sind die Widersprüche zu verstehen und warum gibt es keine Aussicht auf Frieden und Entwicklung im Imperialismus?

Für die Arbeiterklasse, wenn sie denn überhaupt mit der kommunistischen Bewegung in Berührung kommt, muss die kommunistische Bewegung als eine pluralistische und widersprüchliche, sich selbst widersprechende Bewegung erscheinen. 

Für den Sieg in der Revolution muss die Klasse organisiert werden und der Wissenschaftliche Kommunismus in die Massen getragen werden. Das geht aber nicht einfach per Verlautbarung. Es braucht einen Weg, die Massen zu organisieren und die Gewerkschaften zu Kampforganisationen zu machen – die Klasse zu einer Klasse für sich zu machen, die ihre historische Aufgabe erkennt.

Hinzu kommt: Der Gegner ist stark und gut organisiert. Nur eine Kraft, die straff organisiert und handlungsfähig ist, wird ihn besiegen können. Das Problem ist also größer: Die Organisation, die das kann, muss entwickelt werden.

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Die Prinzipien und Organisationsweise der Partei sind umkämpft

Die Prinzipien der Partei selbst sind allerdings in der Bewegung umstritten. Es herrscht Unklarheit darüber, wie wir uns als Kommunisten organisieren müssen und ob es zurzeit überhaupt möglich sei, eine schlagkräftige Partei aufzubauen. Ohne Klarheit darüber, wie wir uns organisieren müssen, werden wir uns kaum gegen einen bestens organisierten und ausgerüsteten Feind, die Kapitalistenklasse, bewähren können.

Argumente gegen die bolschewistische Partei hören und lesen wir viele: Häufig wird eingewendet, die Prinzipien der Partei neuen Typs seien nur eine Besonderheit des repressiven Zarenreichs, aber heute nicht anwendbar. Auch wird argumentiert, die Arbeiterklasse müsse erst in Bewegung kommen, bevor eine stärkere und besser organisierte Partei möglich sei. Manche Positionen lehnen die bolschewistische Partei als autoritär ab, da der Apparat sich vermeintlich über die Arbeiter hinwegsetze. Besonders der Demokratische Zentralismus stehe für Autoritarismus und für die Unterordnung des Individuums unter die Belange des Kollektivs oder der Sache. Wiederum andere denken, es sei effizienter eine offene und bewegungsorientierte Partei zu schaffen, die keine so großen Hürden hätte, weil die kommunistische Bewegung erstmal quantitativ wachsen müsse.

Wir finden, dass es Zeit ist, aufzuräumen und Entscheidungen zu treffen. Es gibt genug Erfahrungen in der Bewegung mit all den unterschiedlichen Ansätzen. Es ist nicht nur möglich, sondern dringend notwendig die Parteifrage in der Bewegung zu lösen und Klarheit zu schaffen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich ein Teil der Bewegung selbstbewusst und einheitlich auf den Weg machen kann, die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse in Deutschland aufzubauen.

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Kommunismus Kongress – Die Parteifrage und ihre Bedeutung muss auf den Tisch!

Auf dem Kommunismus Kongress wollen wir über die wichtigsten Fragen der Partei und darüber, wie sie realisiert werden kann, debattieren und auch streiten. Dabei soll allen Positionen auf den Zahn gefühlt werden, alle kritischen Fragen zur Sprache kommen. Neben den Positionen der kommunistischen Bewegung in Deutschland sollen auch Positionen aus der internationalen Bewegung eingebracht werden und zu Wort kommen. Die Fragen, die wir in diesem Zusammenhang beantworten müssen, sind: Welche Partei brauchen wir? Welche objektiven Hindernisse und Bedingungen gibt es? Wie steht es um den subjektiven Faktor und was verstehen wir eigentlich darunter?

Die Debatte ist kein Selbstzweck. Im Vordergrund soll stehen, wie die Arbeiterklasse organisiert sein muss, um den Kampf gegen die Kapitalistenklasse zu gewinnen, und welche Strukturen und Prinzipien dafür in unserer gegenwärtigen Phase notwendig und möglich sind.

Der Kongress soll zugleich ein Ort des Lernens sein: Welche historischen Erfahrungen in der Parteifrage gibt es, wann wurden welche Debatten geführt, wie entwickelten sich Parteien? Welche ablehnenden Positionen zur Partei neuen Typs gibt es und wann sind sie entstanden? 

Die Parteifrage muss in der Bewegung als höchste Priorität behandelt werden und als nächste praktische Aufgabe verstanden werden. Der Kommunismus Kongress ist eine Einladung zur Diskussion, um die zentralen Streitfragen und ihre Bedeutung klarer und sichtbarer hervorzuholen. Wir werden im nächsten Schritt die Bewegung, also Parteien, Organisationen und organisierte wie nichtorganisierte Kommunisten mit diesen Fragen konfrontieren. Wir sind nicht die Partei, aber wir gehen so organisiert, kollektiv und planmäßig wie nur möglich an die Frage des Aufbaus heran – gegen den Defätismus und die Handlungsunfähigkeit einerseits und den Linksradikalismus und Voluntarismus andererseits, die uns in der Bewegung entgegenschlagen.  

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Gegen die Dummheit, den Hass und die Gewalt…

Nazim Hikmet

Diesem längst überfälligen verfaulten System, das die Menschheit nicht nur knechtet und ausbeutet, verdummt und entwürdigt, wollen wir ein Ende setzen. Wir wissen, dass viele aufrechte Kommunisten in der Bewegung sind, die ernsthaft und ehrlich an der Überwindung des kapitalistischen Systems interessiert sind und bereit sind dafür zu kämpfen.

Wir sehen, dass sich in der kommunistischen, linken und Arbeiterbewegung die Ideologie der Herrschenden durchsetzen kann und durchsetzt, dass immer wieder Parteien, Gruppen und Einzelpersonen besonders durch einschneidende Ereignisse und in Krisensituationen ihren kommunistischen Kompass verlieren.

Ohne eine einheitliche und organisierte Struktur, die die Kritik und Selbstkritik und die Kollektivität lebt, die den Demokratischen Zentralismus kennt und umsetzen kann, gehen diese Potentiale in die Falle des Opportunismus, ob rechter oder linker Ausrichtung. Nur organisiert werden wir dieser Krise begegnen, werden wir die Potentiale sammeln und die höchste Form der Kampforganisation der Arbeiterklasse schaffen.

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