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Bei den katastrophalen Waldbränden in der Umgebung von Athen sind bereits über 80 Menschen gestorben. Die Zahl der Toten ist dieses Mal extrem hoch, weil einige dicht besiedelte Regionen östlich der Stadt direkt betroffen sind. Ganze Landstriche und Dörfer sind völlig verwüstet. Tausende Menschen sind verletzt und haben ihre Wohnung, oder – noch schlimmer – Freunde und Angehörige in den Flammen verloren.

In den bürgerlichen Medien werden die Brände als unkontrollierbare Naturgewalt und unvermeidliche Tragödie dargestellt. Diese Darstellung entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Griechenland ist ein wirtschaftlich entwickeltes Land. Es gäbe zahlreiche Möglichkeiten, die Entstehung und Ausbreitung solcher Brände zu verhindern, die betroffenen Menschen zu schützen und die Brände effektiv zu bekämpfen. Das Problem: All die Maßnahmen, die dafür notwendig wären, kosten den Staat Geld. Jeden Euro, den die Regierung für Brandschutzmaßnahmen und eine angemessene Ausrüstung und Personalausstattung der Feuerwehr ausgeben würde, müsste sie natürlich an anderer Stelle streichen. Die strategischen Prioritäten für die vermeintlich „linke“, in Wirklichkeit nur kapitalistische und sozialdemokratische Syriza-Regierung und alle Vorgängerregierungen liegen allerdings an ganz anderen Stellen: in der Bedienung der Schulden und Zinsen gegenüber den Banken und EU-Gläubigern, Steuererleichterungen für das griechische Kapital (z.B. die viele Milliarden schweren Reedereien) und Aufrüstungsprojekte im Rahmen der NATO. Wegen dieser strategischen Ausrichtung aller bürgerlichen Parteien an den Interessen des Kapitals fehlt es bei der Brandprävention und -bekämpfung seit Jahrzehnten an moderner Ausrüstung und Personal.

Griechische bürgerliche Politiker und Medien sprechen nun davon, dass es Indizien für Brandstiftung gebe. Das mag sein, dient den bürgerlichen Parteien aber auch dazu, die Schuld von sich abzuwälzen. In Wirklichkeit entbindet sie all das jedoch nicht von ihrer Verantwortung für die Katastrophe. Die Politik der Privatisierung der Waldgebiete in den 2000er Jahren hat die Natur zum Spekulationsobjekt gemacht und dadurch erst den Anreiz für Immobilienspekulanten geschaffen, durch Brandstiftung die Grundstückpreise zu drücken. Und auch im Fall von Brandstiftung hätte eine gut ausgestattete Feuerwehr das Schlimmste verhindern können.

Den sprichwörtlichen Vogel abgeschossen hat der Verteidigungsminister Panos Kammenos. In einem Interview machte er die Opfer der Brandkatastrophe für ihr eigenes Schicksal verantwortlich, denn „alle Wohnungen, die Mehrzahl davon, wurden ohne Genehmigung gebaut“. Jetzt sei der Augenblick gekommen, „dass sie verstehen, dass es für sie und ihre Familien gefährlich ist, die Gesetze und Regeln nicht zu befolgen“. Auf die Frage, ob es einen besseren Plan der Regierung hätte geben müssen, antwortete er: „Nein. Die Streitkräfte, die Polizei und die Behörden haben rechtzeitig (!) und geplant gehandelt.“ (902.gr 26.7.2018). Dreister hätte er die Opfer kaum verhöhnen und sich dabei selbst aus der Verantwortung ziehen können!

Die Brandkatastrophe in Griechenland ist also in jedem Fall keine unkontrollierbare Naturkatastrophe, sondern ein Produkt des kapitalistischen Systems und der Politik der Regierungen und der EU. In einer sozialistischen Gesellschaft, in der es nicht um Profite, sondern um die Bedürfnisse der Menschen geht, könnten die meisten, wenn nicht alle der Todesopfer jetzt noch am Leben sein.

Wir sprechen den Opfern der Katastrophe und insbesondere den Angehörigen und Freunden der Todesopfer unser tief empfundenes Beileid aus. Die beste Strafe für die politisch Verantwortlichen wäre es, wenn die Brandkatastrophe den Menschen die Augen dafür öffnet, dass die Ursachen dafür in der menschenfeindlichen Logik des kapitalistischen Systems liegen.

Wir wissen ebenso gut wie unsere Genossen in Griechenland, dass die Opfer der Brände vom bürgerlichen Staat nichts zu erwarten haben. Die stärkste Waffe der Arbeiterklasse und der Volksmassen ist ihre Solidarität – eine Solidarität, die keine nationalen Grenzen kennt.

Die griechische Arbeiterklasse, die Kleinbauern und kleinen Gewerbetreibenden wurden jahrelang ausgeblutet, nicht zuletzt um auch dem deutschen Kapital seine Profite und Zinszahlungen zu sichern. Die Arbeiterklasse in Deutschland hat von diesem Geld nie etwas gesehen, es ist auf den Konten der großen deutschen Konzerne gelandet. Trotzdem rufen wir die arbeitenden Menschen in Deutschland dazu auf, im Rahmen ihrer Möglichkeiten durch ihre Spende ihre Solidarität mit der griechischen Arbeiterklasse zu zeigen.

Eure Spende ist keine reine humanistische Wohltätigkeit, sondern ein politischer Akt. Das Geld geht an die Selbsthilfestrukturen der klassenkämpferischen Arbeiterbewegung in Griechenland, die damit Aktionen zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung finanzieren wird.

Spendet bitte an:

PAME HELLAS

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Verwendungszweck: PYROPLIKTOI ATTIKIS

Kategorien: Stellungnahmen